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So war das Nena-Open-Air in Biberach

3500 Menschen feiern auf dem Biberacher Marktplatz friedlich zu den Songs der Ikone

Biberach sz „Willst Du mit mir gehen, willst Du, Biberach?“ – und wie die Menschen auf dem Marktplatz am Sonntagabend mit der Sängerin Nena gehen wollten. Zumindest die rund 3500 Besucher des von „Schwäbischer Zeitung“ und „Radio Donau 3FM“ präsentierten Open Airs. Die 57-Jährige, die bürgerlich Gabriele Susanne Kerner heißt, präsentierte gemeinsam mit Band Lieder ihres Albums „Oldschool“. Diese kamen zwar gut an, deutlich mehr Mitsing-Potenzial hatten aber ihre Hits aus den 1980er-Jahren.

Als Nena mit ihrer Band die Bühne betritt, verwandelt sich der Marktplatz in ein kleines Lichtermeer. Die Nacht ist über Biberach hereingebrochen, vereinzelt funkeln Sterne am Firmament, der Vollmond spiegelt sich in den Fenstern der Fachwerkhäuser. Besucher zücken ihre Smartphones, bewegen grüne Leuchtstangen im Takt. „Vielleicht ist es zu spät, vielleicht ist es zu früh, vielleicht ist es genau jetzt“ schallt es aus den Lautsprechern. Jetzt ist sie da: die Ikone der Neuen Deutschen Welle, Nena.

Besucher sind heiß auf Nena

Das Open Air ist in diesem Jahr ganz im Zeichen der deutschsprachigen Musik gestanden. Den Anfang machten die vier Allgäuer Jungs der Gruppe „Rainer von Vielen.“ Ihr Stil ist irgendetwas zwischen Alternative-Rock, Hip-Hop und Elektro-Pop, ja sogar ein Hauch von Rammstein wehte durch die Altstadt. Musikalisch einordnen lässt sich die Band um Sänger Rainer Hartmann nicht wirklich.

Nach einer kurzen Umbaupause ging es mit dem Traunsteiner Alex Diehl weiter. Der heute 29-Jährige wurde vor zwei Jahren im sozialen Netzwerk „Facebook“ quasi über Nacht bekannt. Mit seinem Song „Nur ein Lied“, den er aufgrund der Pariser Terroranschläge 2015 schrieb und einer Handykamera filmte, erreichte er Millionen Menschen. Diesen Song spielte der Singer-/Songwriter mit Gitarre und Hut auch in Biberach. Es waren die ruhigeren, einfühlsamen Töne, die seinen Auftritt an diesem Abend prägten.

Bereits bei den Vorgruppen-Auftritten versammelten sich viele Besucher vor der Bühne. Sie warteten aber vor allem auf einen Act: Nena. Nina Werner (17) aus Eberhardzell, Corinna Bühler (26) und Veronika Bühler-Rettich (52) aus Warthausen standen in der ersten Reihe. „Ich habe Nena noch nie live gesehen, das wird bestimmt ein Erlebnis“, sagte Corinna Bühler.

Alte Songs begeistern

Ein echter Nena-Fan ist Stefan Meier, der ein paar Schritte weiter über dem Geländer lehnt: „Ich liebe alles, was Nena macht. Bei ihr kommt einfach alles von Herzen.“ Der 45-Jährige lebt im Landkreis Weilheim-Schongau und hat für das Markplatz-Open-Air eine Anreise von etwa eineinhalb Stunde in Kauf genommen.Einen nicht ganz so weiten Weg hatte Sarah Rietmann. Die 13-Jährige ist mit ihrer Familie aus Überlingen nach Biberach gekommen, weil sie eine ganz besondere Verbindung zu der Sängerin hat. Sie ist Kandidaten der diesjährigen Staffel von „The Voice Kids“ gewesen, bei der Nena mit Tochter Larissa in der Jury saß: „Eigentlich kannte ich Nena davor nicht wirklich, aber sie war die einzige, die sich umgedreht hatte. Und dann bin ich in ihr Team gekommen, was viel Spaß gemacht hat.“ Freude – das hatte auch das Publikum beim Open Air mit der Sängerin. Eineinhalb Stunden performte Nena, sie tanzte mit ihren Bandkollegen wild und pausenlos auf der Bühne umher. Als cleverer Schachzug erwies es sich, die neuen Songs mit den Hits aus den 1980er-Jahren zu mischen.

Denn bei den neueren Liedern zeigten sich „nur“ die wahren Nena-Fans textsicher, deutlich lauter und kräftiger wurde die Stimme des Publikums bei „Nur geträumt“, „Leuchturm“ oder „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Es war beeindruckend zu sehen, wie sich auch die Lippen der Kleinsten zu den mehr als drei Jahrzehnte alten Liedern bewegten. Nena verbindet eben die Generationen miteinander.

Rund 3500 Besucher feierten auf dem Marktplatz. An diesem Abend dürften aber noch deutlich mehr Menschen Nenas Stimme gehört haben – in den Cafés rund um den Marktplatz genossen die Menschen das Flair in der Stadt, viele Marktplatzbewohner sangen aus ihren Fenstern. „Das ist hier ja wie in der Augsburger Puppenkiste“, rief die Sängerin in Richtung der Zaungäste. Sie interagierte mit dem Publikum, wurde nicht müde, die Zuschauer zum Mitsingen zu animieren.

Gegen Ende wollten die Besucher vor allem ein Lied hören: „99 Luftballons“. Nach einer Gedenkminute für den Frieden – bei der es wegen Rufen á la „Nena, wir lieben dich“ natürlich nicht vollkommen still blieb – stimmte das Publikum die ersten Zeilen des im Jahr 1983 veröffentlichen Welthits an. Und das, obwohl die Band die Melodie für „Wunder geschehen“ spielte. Nach dem „Wunder“-Song war es aber dann wirklich soweit: das Publikum bekam seine 99 Luftballons, wobei es optisch gesehen nur vier Stück waren. Rot, weiß, blau und schwarz waren die Riesen-Ballone mit der Aufschrift „Love“, die über die Zuschauer flogen.

Sicherheit geht vor

Mit Liebe lässt sich auch die Stimmung beschreiben. Laut eines Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm verlief der Abend ruhig. Damit die Besucher sicher feiern konnten, liefen Beamten ständig durch die Reihen. Security-Mitarbeiter sorgten zudem für Sicherheit, DRK-Mitarbeiter standen für gesundheitliche Notfälle bereit. Ein Lastwagen der Kieswerke Dünkel versperrte aus Sicherheitsgründen unter anderem die Einfahrt auf den Marktplatz vom Holzmarkt kommend. Diesen hatten die Mitarbeiter mit der Aufschrift „Kieswerke Dünkel grüßt Nena“ versehen – und natürlich mit etlichen bunten Luftballons

Weitere Bilder gibt es im Internet unter www.schwäbische.de/open-air-bc

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