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Bad Saulgau
Lokales

So viele Störche wie noch nie

Zugverhalten der Großvögel ist ein Zeichen mehr für den Klimawandel
Aufgereiht wie an einer Schnur sitzen an die 30 Störche am Donnerstag auf dem Dach der St.-Johannes-Kirche.
Aufgereiht wie an einer Schnur sitzen an die 30 Störche am Donnerstag auf dem Dach der St.-Johannes-Kirche.
Thomas Lehenherr

Bad Saulgau sz Es ist ein Naturschauspiel: Störche in großer Zahl sind derzeit in Bad Saulgau auf Nahrungssuche. Die Jungstörche sammeln sich vor dem Abflug in den Süden. „Eine so große Anzahl hat es in Bad Saulgau noch nicht gegeben“, freut sich der städtische Umweltbeauftragte Thomas Lehenherr. Am Zugverhalten der Störche zeigen sich bereits Auswirkungen des Klimawandels.

An die 100 Störche auf einer Wiese bei Bondorf, Storchenkolonien mit 15 bis 30 Tieren auf hohen Gebäuden wie auf dem Rathaus oder der Kirche: Bad Saulgau ist derezeit Sammelpunkt vor dem Abflug nach Süden. Tagsüber fressen die Störche auf frisch bearbeiteten Äckern Würmer, Mäuse, Käfer und anderen Insekten, die durch die Bearbeitung des Bodens an die Oberfläche befördert wurden. Abends nehmen sie auf hohen Gebäuden ihr Schlafquartier ein. „Die Leute sind begeistert. Viele fotografieren diese Ansammlung von Störchen“, erzählt Thomas Lehenherr. Auch die Storchenbeauftragte für das Regierungspräsidium Tübingen hat für Freitagnachmittag ihren Besuch angesagt, um sich ein Bild von der großen Schar der Zugvögel zu machen.

Warum die vielen Störche sich in Bad Saulgau sammeln, hat nach den Worten des städtischen Umweltbeauftragten zwei Gründe. „An erster Stelle steht das Nahrungsangebot“, so Lehenherr. Hinzu komme der Kolonieeffekt. Das heißt, die Großvögel gesellen sich gern zu Artgenossen.

Population vergrößert sich

Seit der Beringungsaktion durch Ute Reinhardt in diesem Sommer ist klar, dass es in diesem Jahr 45 Störche in Bad Saulgau gab. 28 Altstörche haben auf insgesamt 14 Horsten 17 Jungstörche ausgebrütet, die überlebt haben. Damit ist die Storchenpopulation in Bad Saulgau innerhalb weniger Jahre stark gewachsen. Viele Jahre gab es im Stadtgebiet nur einen Horst auf dem Vorzeichen der St.-Johannes-Kirche. Damit ist die Gruppe der Jungstörche im Gegensatz zu früheren Jahren angewachsen.

Laut Thomas Lehenherr fliegen die Jungstörche in der Regel vollzählig in südliche Länder. Dort bleiben sie bis zur Geschlechtsreife, um dann wieder zur Fortpflanzung nach Mitteleuropa zurückzukehren. Das könne bis zu zweieinhalb Jahre dauern. An der zurückgelegten Reisestrecke lassen sich laut Lehenherr die Auswirkungen des Klimawandels erkennen. „Früher haben sie in Mali und in anderen Ländern in Zentralafrika den Winter verbracht. Heute fliegen sie nach Spanien, vor allem in den Süden des Landes“, so der Umweltbeauftragte.

Noch etwa eine Woche würden sich die Störche in Bad Saulgau und Umgebung für den Flug nach Süden satt fressen. Nicht auszuschließen ist, dass sich Felder und Dächer anschließend wieder mit Störchen füllen. Laut Lehenherr machen sich die Altstörche ein bis zwei Wochen nach den Jungstörchen auf den Weg. Altstörche bekehren im folgenden Jahr wieder auf ihren Horst zurück.

Auch hier sind die Folgen des Klimawandels zu spüren. „Es bleiben immer mehr Störche da“, erklärt Lehenherr. Die Hälfte der Altstörche habe die Region im vergangenen Jahr gen Süden verlassen. Diejenigen, die hier bleiben, haben inzwischen gelernt, auch längere Frostperioden zu überstehen. Sie werden in Bad Saulgau in solchen Zeiten nicht gefüttert. „Sie holen sich Futter dann etwa in der Storchenstation am Affenberg in Salem.“

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Störche werden in Bad Saulgau in den Wintermonaten nicht gefüttert. „Sie holen sich Futter dann etwa in der Storchenstation am Affenberg in Salem.“ Dieser Logik zu folgen fällt schwer! Warum werden die Störche nicht in Saulgau gefüttert? mehr

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