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Selbst Tom muss warten

Der US-Musiker Tom Waits hat die Strado Compagnia Danza zu ihrer Performance inspiriert
Ines Meißner (links) und Katherina Krummenacher sind zwei von sechs Tänzerinnen und Tänzern der Performance „Tom wartet“. Premiere des Stückes ist am Samstag, 30. Dezember.
Ines Meißner (links) und Katherina Krummenacher sind zwei von sechs Tänzerinnen und Tänzern der Performance „Tom wartet“. Premiere des Stückes ist am Samstag, 30. Dezember.
Alexander Kaya

Ulm sz Warten, still halten, auf der Stelle treten – klingt eigentlich wenig nach Bewegung und überhaupt nicht nach Tanz. „Tom wartet“, so heißt aber die neue Performance der Strado Compagnia Danza. Wenn man den Titel übersetzt, erhält man einen Ausnahmekünstler: Tom Waits. Und der steht für alles andere als Stillstand. Vielmehr befand sich seine Musikkarriere unter stetigen Wandel. Choreograf Domenico Strazzeri nahm sich in seiner 14. Produktion der schrägen Klänge und den oftmals jeglicher Logik entbehrenden Texten von Waits an.

„Die Krankheit wartet auf die Gesundheit – und umgekehrt“, „Die linke Socke wartet auf die rechte“, „Der Vorkoster wartet auf die Nachspeise“: Abwechselnd sprechen die Tänzer in das Mikrofon in der Bühnenmitte. Jeder wartet auf irgendwas – und zwar ständig. „Selbst ein Tom Waits wartet“, sagt Strazzeri. Zwei Jahre lang haben Tänzerin Hanna Münch und Fotograf Nik Schölzel an dem Thema Tom Waits gearbeitet. Über den Nachnamen des Sängers ist Schölzel dann auf den Leitgedanken der Performance gekommen: „Warten ist ein gesellschaftliches Thema“, sagt der Fotograf. „Worauf wartet der Mensch überhaupt?“

Diese Fragestellung und die Musik von Waits in Bewegung umzusetzen, war kein Leichtes, wie Choreograf Strazzeri berichtet: „Ich hatte am Anfang richtig Bammel.“ Schräge Texte, schräge Klänge: Die Welt des Tom Waits ist ein Sammelsurium an Vaudeville-Elementen, Whiskey, Zigaretten und Geschichten, in denen Realität und Fiktion verwischen. So wie er ein Künstler ist, der Genre- und Gattungsgrenzen überwindet.

So schrieb der inzwischen 68-Jährige auch Musik fürs Theater, etwa für Robert Wilsons „The Black Rider“. Und er wirkte als Schauspieler in Filmen wie „Short Cuts“ oder „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ mit.

Abstrakt wie Waits’ Welt ist auch der Tanz : wartende Posen, verzweifelnde, herabhängende Schultern oder sehnsüchtig ausgestreckte Arme. Im Hintergrund ist eine tickende Uhr zu hören. Die Eingangsszene zeigt alle Silhouetten des Wartens, das Grundthema der Performance. Waits bleibt nicht nur inspirierende Kunstfigur, seine Lieder machen das Gros der musikalischen Stücke aus: von dem wohl bekanntesten seiner Werke, „Tom Traubert’s Blues“, bis hin zu „Big in Japan“ und dem verqueren Song „King Kong“.

Eigentlich versuche Strazzeri bei seinen Choreografien den Texten der Musikstücke durch den Tanz Ausdruck zu verleihen. Doch die wirre Lyrik Waits ließ er in dieser Produktion außen vor – und konzentrierte sich mehr auf den Rhythmus der Musik.

Die verwendeten Songs sind in vielen Genres beheimatet: So changieren Waits Lieder zwischen Blues-Einflüssen und Folk-Rock, aber auch Jazz und Rap-Elemente sind bei ihm zu finden.

Von Ende Dezember bis Mitte Januar präsentiert die Strado Compagnia Danza die Tanzperformance „Tom Wartet“ im Ulmer Stadthaus. Dann kann das Publikum in die groteske und im Zigaretten-Rauch vernebelte Welt des Tom Waits eintauchen. Strazzeri hat das bereits getan und ist überzeugt: „Wir sind schon so tief in dem Thema, dass wir selbst ganz gaga sind.“

Aufführungen: Die Premiere findet am Samstag, 30. Dezember, um 20 Uhr im Stadthaus statt. Weitere Termine: an Silvester um 19 Uhr, von Donnerstag 4. Januar, bis Sonntag, 7. Januar und vom Donnerstag, 11. Januar, bis Sonntag, 14. Januar, jeweils um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es am Katalogstand im Stadthaus (Ebene 3) und bei Traffiti im Service Center Neue Mitte.

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