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Schulkinder bleiben in der Kälte stehen


Zwischenfall auf der Stadtbuslinie 1 in Waggershausen: Wegen vollem Bus soll ein Busfahrer nicht angehalten haben und durchgefahren sein. Leidtragende waren Kinder, die in die Schule wollten (Archivbild).
Zwischenfall auf der Stadtbuslinie 1 in Waggershausen: Wegen vollem Bus soll ein Busfahrer nicht angehalten haben und durchgefahren sein. Leidtragende waren Kinder, die in die Schule wollten (Archivbild).
dpa

Friedrichshafen sz Mit dem Elternvorwurf konfrontiert, ein Busfahrer habe an der Bushaltestelle im Waggershausen wegen vollem Bus nicht angehalten und ihre Kinder stehen gelassen, ist die Häfler Stadtverkehr GmbH. Zudem soll es auch noch zu Beleidigungen wie Vogelzeigen und Zunge herausstrecken des Fahrers gekommen sein.

Tatort: Haltestelle in Waggershausen, Dienstag gegen 7.36 Uhr. Sieben Kinder können offensichtlich ihrem vorbeifahrenden Bus nur noch nachschauen. Sie kommen verspätet zum Unterricht in der Gemeinschaftsschule Graf Soden. Deren Eltern lassen sich das Stehenlassen ihrer Kinder nicht gefallen. Proteste sind die Folge.

In der Warteschlange an der Bushaltestelle der Linie 1 stehen auch zwei Kinder des Ehepaars Raffaella und Francesco Cucci. Der Mutter bleibt nichts anderes übrig, als die heimkehrenden Kinder ins Familienauto zu setzen. Und sie „einmal mehr“ per Privattaxi zur Schule zu fahren.„Was da passiert ist, ist kein Einzelfall, erklärt Francesco Cucci. „Nein, das kommt öfters vor. Besonders jetzt im Winter, wenn die Busse stark frequentiert sind“, ergänzt Mutter Raffaella. Weil sie es nicht mehr einsieht, „jeden Monat zwei Schülerkarten zu jeweils 35 Euro bezahlen zu müssen, wenn der Bus die Kinder eh stehen lässt“, geht sie den Weg der Beschwerde. Bei der Beschwerdestelle der RAB als Dienstleister der Stadtverkehr GmBH. „Dort wurde mir bestätigt, dass die Busse bei den aktuellen Wetterbedingungen oft überfüllt sind.“ Sei dies der Fall, würden sie schon mal an den Haltestellen vorbeifahren.

„Das war kein Einzelfall“

Francesco Cucci hat „einen dicken Hals“. Er will ihn leeren, geht raus in die Kälte, passt den Busfahrer an der Haltestelle, wo seine zwei Kinder auf der Straße stehen geblieben sind, ab. Vater Cucci hat, wie er im Gespräch mit der SZ erklärt, den Fahrer auf sein „Fehlverhalten“ angesprochen. Die Antwort: Immer wenn der Bus zu voll sei, fahre er weiter. Das sei aber noch nicht alles gewesen: „Nach dieser Ansage hat er mir auch noch einen Vogel gezeigt und die Zunge herausgestreckt.“

Ungeachtet einer möglichen Entschuldigung „für die persönliche Entgleisung“, die Familie Cucci fordert in solchen Hochfrequenzzeiten einen zweiten Bus. Der Stadtverkehr, der als Fahrer Personal der RAB einsetzt, weiß von den vollen Bussen. „Besonders im Morgenverkehr ist die Nachfrage auch durch den Schülerverkehr sehr hoch“, sagt Christian Nicke, bei der Stadtverkehr GmbH verantwortlich für den Öffentlichen Nahverkehr und damit auch für die „Silberpfeile“. „An einer Haltestelle vorbeizufahren ist grundsätzlich aber nicht vorgesehen“, heißt es weiter: Auch bei vollem Fahrzeug hätten die Fahrer die Anweisung anzuhalten, um dem Fahrgast die Situation zu erklären. Dass der besagte Fahrer durchgefahren ist, kann Nicke nicht bestätigen. Er habe vom Fahrer dazu keine Aussage. Allerdings sei er dazu auch gar nicht befragt worden. „Bestätigen kann ich aber die außergewöhnlich hohe Nachfrage an diesem Morgen.“

Thema Verstärkerfahrten

Ein zweiter Bus? Die Spitzennachfrage auf der Linie 1 sei sehr punktuell. Sollte sie sich dauerhaft bestätigen, dass wir der Nachfrage nicht gerecht werden, müssen wir über Verstärkerfahrten nachdenken“, meint Christian Nicke.

Und das Zunge herausstrecken? Der ÖPNV-Verantwortliche will es nach „nach einer kurzen Befragung des Fahrers“ nicht von der Hand weisen: Der sei in außergewöhnlicher Lautstärke von dem Vater angesprochen worden. Da sei diesem die Spucke weggeblieben. Aufgrund dessen habe er die Lippen befeuchtet, um wieder sprechen zu können, habe der Fahrer erklärt. „Das wurde vom Beschwerde führenden Vater wohl überinterpretiert“, ist die Einschätzung von Nicke.

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Kommentare (7)
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Brennstoffzellenbusse , also Busse die mit Ultra-Umweltfreundlichen Wasserstoff
angetrieben werden, wären hier auch keine Lösung . Denn da würde ja kein ZF-Getriebe drin sein. Die ZF bestimmt hier eh alles.Diese Stadt Friedrichshafen hat
aus meiner Sicht den ersten Preis für Stillosigkeit und Fadheit verdient . Es gibt soviele hässliche Ecken in Friedrichshafen , da denke ich immer : Warum zahlen die Menschen hier so hohe Grundstückspreise ? mehr

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Juhu, wir haben wieder ein Stammtischthema! Auch diejenigen, die weder diesen Einzelfall wirklich kennen noch sonst Ahnung haben, wie Busverkehre organisiert werden, melden sich mit tollen Kommentaren zu Wort. Oder haben sich die Kommentatoren mal überlegt, was es die Allgemeinheit kostet, für ein paar wenige echte Wintertage hier, ein Dutzend Busse zusätzlich auf Halde stehen zu haben, die man aber den ganzen restlichen Tag sonst nirgends braucht? In FN zahlt übrigens die Stiftung hier keinen Cent für solche Aufgaben.
Vielleicht könnte man die Schulen mal dazu bringen, dass nicht alle zur gleichen Zeit Schulbeginn haben? Dann müssten nicht alle gleichzeitig transportiert werden. mehr

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Eventuell könnte jemand den für die Bus-Einsatzplanung verantwortlichen Mitarbeitern der "Stadtverkehr GmbH" mitteilen, dass:
1. Winter ist. Folglich mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, welche sonst evtl. zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs wären.
2. Die Schulferien zu Ende sind. Folglich mit einer erhöhten Anzahl von Schülern in Bussen zu rechnen ist.
3. Schultage üblicherweise morgens beginnen. Folglich die in 2. genannten Schüler dann auch in die Schule müssen.
1. - 3. galten aber auch schon letztes Jahr, ... und vorletztes Jahr, ...und das davor...
Dass jetzt über "Verstärkerfahrten nachgedacht wird", RESPEKT!
Da bleibt mir doch glatt die Spucke weg ;-) Aber das ist eine andere Geschichte. mehr

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Natürlich hat der Fahrer richtig gehandelt, voll ist voll. Trotzdem hätte er anhalten müssen, den Schülern erklären dass der Bus voll ist und sie entweder nach Hause gehen sollen oder er einen weiteren Bus zur Verstärkung ruft und sie solange warten sollen. So wurde dass in einer anderen Gemeinde zu meiner Schulzeit gemacht und so hat es auch immer funktioniert. Und wenn klar ist, dass es bestimmte Linien und Zeiten gibt, in denen zu 90 % ein Bus nicht ausreicht, muss eben dauerhaft ein 2. Bus gestellt werden. Dass die Eltern sauer sind kann ich durchaus nachvollziehen. Immerhin kostet eine Fahrkarte auch nicht gerade wenig Geld. Und wenn ich eine Fahrkarte kaufe, erwarte ich auch dass ich befördert werde! Die Ausrede des Fahrers, er habe sich die Lippen befeuchten müssen, halte ich allerdings für vollkommenen Quatsch und vermute stark, dass es so war wie der Vater berichtet hat. Dass der Fahrer ihm den Vogel gezeigt hat, war dann wohl auch nur Zufall, nachdem er sich die Lippen geleckt hat, hat es ihn an der Stirn noch gejuckt.... mehr

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Wenn der Bus voll ist ist er voll, was soll da der Fahrer machen ?
Er hat richitg gehandelt , Sichehrheit geht nun mal vor .

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Nachdem der letzte Wille des Grafen Zeppelin nichts mehr zählt, hat die Stadt Friedrichshafen genug Stiftungsgeld um Schulbusse ein zu setzen.
Gemeinnützig ist nicht wenn man sich große Prachtbauten ersttellt.
Gemeinnützig ist zum woll aller Kinder Schulbusse in ausreichender Menge ein zu setzen. mehr

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Das liegt doch nur am schlechten öffendlichen Verkehrsnetz in Friedrichshafen.
Da müssen einfach nur mehr Busse fahren.
Oder noch besser kleine Schulbus wird eingesetzt.

Der Bus war überfüllt. Wenn der Bus in einem Unfall verwickelt wird werden die Kinder verletzt.
Da möchte ich dann auch das geschrei der Eltern hören.
Der Busfahrer hat richtig gehandelt und niemand beleidigt. mehr

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