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Margret Welsch

Schmusekuh Biggi macht Karriere im Internet

Gereon Guldenbergs Milchkuh vom Rösslerhof bei Weingarten ist der Star auf Youtube-Werbeclips
Ein besondere Kuh: Biggi mit ihrem Besitzer Gereon Guldenberg vom Rösslerhof.
Margret Welsch

WEINGARTEN sz „Biggi ist keine normale Kuh, Biggi ist eine Ausnahmekuh“, sagt Gereon Guldenberg, Besitzer des Rösslerhofes bei Weingarten und Ernährer von Biggi. Biggi begnügt sich nicht mit Heu fressen und Milch geben. Neben ihrem Tagesgeschäft spielt Biggi eine tragende Rolle in den „unglaublichen Biogeschichten“, zu sehen auf der Filmplattform Youtube im weltweiten Netz. Dabei bewirbt Biggi den Käse, der aus ihrer Milch gemacht wird.

Aber was heißt hier Käsewerbung. Diese Kurzfilmchen sind Horte der Entschleunigung. Eine Meditation auf die innige Verbindung von Tier und Mensch. Zudem sind diese Spots rar gewordene Zeugnisse oberschwäbischer Winter, die einem an warmen Tagen wie diesen, an denen hierzulande eigentlich überall Eis und Schnee liegen müsste, schön kalt den Rücken runter laufen.

Biggi war immer schon anders wie die anderen Kühe. Nicht dass sie die Schönste unter den 80 Braunviechern in Gereon Guldenbergs Stall wäre. Da gibt es schönere Exemplare, wenn man Körperbau und Euter in Betracht zieht. Das Besondere an Biggi liegt nicht in Model-Maßen, es liegt in ihrem Auftreten und Verhalten.

Biggi ist jetzt sechs Jahre alt. Schon mit zwei Jahren habe sich abgezeichnet, dass Biggi nicht nur zu funktionieren gedenkt, sondern mehr will vom Leben, insbesondere Streicheleinheiten. Ob auf dem Weg zur Weide oder zurück in den Stall, Biggi benutze diese Gelegenheiten immer, um „an Zärtlichkeiten ran zu kommen“. Am liebsten natürlich vom 48-jährigen Bio-Bauern und ihrem Filmpartner Guldenberg. Aber Tätscheln vom Azubi Timo, der ebenfalls in einer Nebenrolle besetzt ist, tut’s auch.

Als man sich „als kleiner Fisch“ in der Branche, wie Gereon Guldenberg sagt, entschloss, sein Licht auch mal marketingmäßig am Molkereihimmel leuchten zu lassen, und seinen ältesten Bio-Hartkäse nicht unter sondern auf den Scheffel zu stellen, war klar, dass Biggi, die Ausnahmekuh, die Botschaft transportieren sollte.

Am Set sei das Braunvieh dann ganz unkompliziert gewesen, frei von Star-Allüren. Obwohl der Drehtag im Februar vergangenen Jahres, als Winter noch echte Winter waren, ein eiskalter gewesen sei, und die Crew um Werbefilmer Peter Frei nur so geschlottert hätte, sei Biggi die Ruhe selbst gewesen. Sozusagen das Auge im Schneesturm.

Liebe überträgt sich auf Käse

Zärtlich schmiegt sie sich in den kurzen Filmsequenzen unter dem Geläut der Basilika an ihren Besitzer und leckt ihm mit ihrer Rinderzunge die durchgefrorenen Wangen warm. Dass sich solche Liebe erst auf die Milch und dann auf den daraus resultierenden Emmentaler übertragen muss, dafür braucht es dann nicht mehr viel Fantasie.

Seit Kuh Biggi sich im Internet in stoischer Gelassenheit ergeht, ist es auf dem Rösslerhof mit selbiger vorbei. Die Medien geben sich die Klinke in die Hand, Kamerateams fallen ein. Und Menschen bekunden via E-Mail ihr Entzücken an der Schmusekuh Biggi: „Super“! „Schön, dass es noch Idealisten gibt“, und „Wow, wann wird es mal wieder richtig Winter“? Guldenbergs und Biggi nehmen es gelassen.

Den Rösslerhof gibt es schon seit 700 Jahren. Er hat das Kloster Weingarten überlebt, er wird auch den Medienrummel jetzt überleben. Derweil geht Gereon Guldenberg, wie andere mit dem Hund, mit Kuh Biggi und seinen Kindern nach der Schule spazieren. Gute Gelegenheit für den Werbestar, wieder für Streicheleinheiten zu kommen.

Im Internet unter der Adresse www.schwaebische.de/biggi kann man Kuh Biggi als Werbestar bestaunen.

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