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Biberach an der Riß
Lokales

„Schanzengleichheit“ für alle

Kabarettistin Marlies Blume tritt zum „Equal Pay Day“ im Komödienhaus auf
Da wird sie zum Tier: Marlies Blume sagt allen Ungerechtigkeiten den Kampf an.
Da wird sie zum Tier: Marlies Blume sagt allen Ungerechtigkeiten den Kampf an.
Aylin Duran

Biberach sz Der „Equal Pay Day“, der eine Gleichheit der Bezahlung von Frauen gegenüber Männern fordert, ist auch an Biberach nicht spurlos vorüber gezogen: Im Komödienhaus trat Kabarettistin Marlies Blume mit „Zur Sache, Frau!“ als Beauftragte für „Schanzengleichheit“ auf. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Gruppe „Geschlechter Gerecht“ der lokalen Agenda 21.

„Das ist doch zum in die Luft gehen!“ stand in weißer Schrift auf den roten Luftballons, die das Komödienhaus in Biberach schmückten. Das findet auch Kabarettistin Marlies Blume im rosaroten Feenkostüm, die sich über die spezifische Rollenverteilung von Mann und Frau erboste. Mit ihrer schrillen und gutgelaunten Art nahm sie unter anderem das bekannte Märchen „Dornröschen“ aufs Korn und zeigte auf, dass frau längst nicht mehr im stillen Kämmerlein auf den Märchenprinz warten muss, sondern durchaus Eigeninitiative zeigen und eigenständige Entscheidungen treffen kann.

Die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern wurden aber nicht nur durch Vorlesen aus dem Märchenbuch aufgezeigt: Ein Blick in den Katalog „Die moderne Hausfrau“ und die Werbung für Spülmatten, um während den Hausarbeiten den auf der Couch ruhenden Ehemann nicht zu stören, sorgten für Lacher im Publikum. Nicht durchgängig war die Stimmung aber so heiter: Oft regte Blume die Zuschauer auch zum Nachdenken an und machte deutlich, wie ungerecht unsere Welt auch heute noch ist.

An diesem Zeitpunkt des Abends ging es schon längst nicht mehr nur um die vergleichsweise ungerechte Bezahlung von Frauen: Das Thema wurde ausgeweitet und mit Bezügen zu den vielen Flüchtlingen tiefgründiger als erwartet. Klares Fazit: Wir haben nur eine Welt und müssen jeden akzeptieren, der diese bewohnt – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und Glaube. Mit viel Einsatz versuchte Blume, die Menschen wachzurütteln und zu fesseln: Energiegeladen und unermüdlich legte sie ihre Überzeugungen dar und untermalte diese mit Gesang und Tanz, wenn es mal zu ernst wurde.

Ermutigung zu mehr Respekt

Entgegen der Entwicklung vom Schisshasen, der sich nicht traut, seine Meinung zu sagen, zum Dressurpferd, welches den Kopf stur gesenkt hält, um nicht anzuecken, sollten die Zuschauer ermutigt werden, sich in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln und anderen mehr Akzeptanz und Respekt entgegenzubringen. Beispielsweise Respekt für Mütter, deren Leistungen nicht mit Geld aufzuwiegen sind und die trotzdem kaum Wertschätzung von der Gesellschaft erhalten.

Blume machte es ganz offensichtlich Freude, auf der Bühne zu stehen und ihr wertvolles Gedankengut mit den Zuschauern zu teilen. Sie unterhielt sich mit ihnen, sang mit ihnen, lachte mit ihnen und sonnte sich am Schluss im wohlverdienten Applaus. Das begeisterte Publikum ließ sie erst nach einer Zugabe von der Bühne. Der Gruppe „Geschlechter Gerecht“ der lokalen Agenda 21 war es gelungen, wertvolle Gedankenanstöße zu geben und jeden zu ermutigen, die Welt ein wenig bunter zu gestalten.

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