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Saatkrähen-Umsiedlung: Jäger helfen weiter mit

2018 soll es im Rißtal einen zeitlich und lokal begrenzten generellen Jagdverzicht geben
Erste Erfolge bei der Vergrämung: Die Anzahl der Saatkrähennester im Laupheimer Stadtgebiet war 2017 rückläufig.
Erste Erfolge bei der Vergrämung: Die Anzahl der Saatkrähennester im Laupheimer Stadtgebiet war 2017 rückläufig.
Archiv: Roland Ray

Laupheim sz Der stellvertretende Kreisjägermeister Dieter Mielke ist überrascht, wie gut die im Herbst 2016 eingeleiteten Maßnahmen, Saatkrähen aus dem Laupheimer Stadtgebiet ins Rißtal umzusiedeln, bisher fruchten. „Das hätte keiner von uns gedacht“, sagte er im Gespräch mit der SZ. Den Jägern falle dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie wollen sich auch 2018 einbringen, aufgrund der im ersten Jahr gewonnenen Erkenntnisse in abgewandelter Form.

Im vergangenen Jahr hatten die Jäger zugesagt, in den Revieren Achstetten, Baltringen, Baustetten, Bronnen, Burgrieden, Laupheim, Oberholzheim, Ober- und Untersulmetingen und Schemmerberg zunächst auf zwölf Monate befristet keine Rabenkrähen zu schießen, um die Umsiedlung der Saatkrähen zu unterstützen. Rabenkrähen dürfen im Unterschied zu den streng geschützten Saatkrähen gejagt werden. Letztere bekommen das freilich mit, wenn sie tagsüber in den Außenbereichen Nahrung suchen, fühlen sich bedroht und drängen in die Stadt, wo in aller Regel nicht geschossen wird.

Ein Zielkonflikt

Es habe Überzeugungsarbeit bei den Kollegen gekostet, sich auf den Jagdverzicht einzulassen, sagt Dieter Mielke. Denn der habe auch seine Schattenseiten, weil Rabenkrähen – anders als Saatkrähen – Allesfresser sind. Sie plündern die Nester von Bodenbrütern wie Rebhuhn und Kiebitz und schlagen junge Feldhasen – bedrohte Tierarten, deren Schutz sich die von den Jägern gegründete Hegegemeinschaft auf die Fahne geschrieben hat. Da tue sich „ein echter Zielkonflikt“ auf, sagt Nikolaus Rentschler, Jagdpächter im Rißtal. Eine konsequente Bejagung der Fressfeinde Fuchs und Rabenkrähe sei zum Schutz dieser bedrohten Arten eigentlich unerlässlich, verdeutlicht Dieter Mielke.

Um Hinweise zu bekommen, wie sich ein partieller Jagdverzicht auf die Bestandsentwicklung von Feldhase, Rebhuhn und Kiebitz auswirkt, haben die Jäger in den Revieren Achstetten, Laupheim und Obersulmetingen ein Monitoring begonnen. Mindestens drei Jahre soll gezählt werden. Besser wären fünf, sagt Mielke, um auch bei Sondereinflüssen wie harten Wintern oder nassen Sommern ein möglichst objektives Bild zu erhalten. Die Wildforschungsstelle des Landes in Aulendorf wertet die Daten aus. Gleichzeitig werden mit Unterstützung der unteren Naturschutzbehörde weitere Biotop-Verbesserungen in den betroffenen Gebieten im Rißtal realisiert.

Die Erfolge wecken Hoffnung

Die ersten Ergebnisse des Saatkrähenprojekts weckten bei allen Beteiligten „Hoffnung, dass die Saatkrähen doch noch dauerhaft aus der Stadt umgesiedelt werden können“, heißt es in einer Stellungnahme der Jäger. Für dieses Ziel wollen sie weiter kooperieren und dabei ihr Vorgehen an die 2017 gewonnenen Erkenntnisse anpassen. „Wir haben festgestellt, dass man nicht im gesamten Rißtal den ganzjährigen Jagdverzicht auf Rabenkrähen braucht“, erklären Dieter Mielke und Nikolaus Rentschler. Sinnvoller sei ein lokal begrenzter, dafür aber genereller Jagdverzicht während der Brut- und Aufzuchtzeit der Saatkrähen von Mitte April bis Ende Mai, und zwar in den Gebieten, „wo sie Nester bauen und wo man sie hinhaben will“. Auf diese Weise werde die Umsiedlung besser unterstützt. Dieser Ansicht sei auch Leo Mandlsperger. Der Falkner aus Bayern und sein Team hatten von Ende Februar bis Anfang April mit Greifvögeln die innerstädtischen Saatkrähenkolonien in ständige Unruhe versetzt und erreicht, dass ein Teil das Brutgeschäft ins Rißtal verlegt hat. „Die damit erzielten Erfolge waren in diesem Maß im ersten Projektjahr so nicht unbedingt zu erwarten“, resümierte Ulrike Stöhr vom städtischen Umweltamt im Juni im Bau- und Umweltausschuss.

Laupheims Stadträte haben 100 000 Euro bewilligt, um die Vergrämung 2018 fortsetzen und Leo Mandlsperger und andere Falkner beauftragen zu können. Ein weiterer Einsatz von Greifvögeln im Februar/März sei unverzichtbar, um den bisher erzielten Erfolg dauerhaft zu sichern, sagt Dieter Mielke. Es sei löblich, dass der Gemeinderat erneut so viel Geld bereitstelle, sagt Nikolaus Rentschler. Auch er zeigt sich von den bisherigen Ergebnissen positiv überrascht: „Die Falken machen enormen Druck.“ Allerdings, so Rentschler, würden ihm auch Vorgehensweisen einfallen, „die um den Faktor Tausend günstiger gewesen wären“. Doch dem Regierungspräsidium habe der Mut gefehlt, eine Sondergenehmigung etwa für den Abschuss einiger Saatkrähen zu erteilen. Das Risiko, dass die Vögel unter Stress Splitterkolonien bilden, bestehe auch beim Einsatz von Greifen.

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