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Roter erinnern am Wochenende an ihren letzten Abt

Hobbyhistoriker August Schädler vor den Bildern der beiden letzten Roter Äbte, Nikolaus Betscher (l.) und Willebold Held.
Hänssle

sz ROT AN DER ROT - Vor 200 Jahren verstarb der letzte Abt der Roter Reichabtei, Nikolaus Betscher. Dem komponierenden Geistliche, der von Chronisten als ein „von der Trübsal und Unruhe seiner zeit gejagter Mann“ beschrieben wurde, ist das Roter Freilichtspiel am Samstag und Sonntag gewidmet.

Ein besonderes Anliegen von August Schädler, der das Drehbuch schrieb, ist es, Licht ins Dunkel um die letzten Lebensjahre des 45. und letzten Roter Abts Nikolaus Betscher zu bringen. Es gab verdienstvolle Vorarbeiten zu Teilaspekten, vor allem von Gertrud Beck, doch bislang keine komplette Biografie. Seit gut einem Jahr recherchierte August Schädler in Staatsarchiven und erstellte eine kleine Betscher-Biografie, die er den beiden interessierten Bürgermeistern von Rot an der Rot und Berkheim, Robert Balle und Walther Puza zukommen ließ. Seit gut einem Jahr recherchierte August Schädler in Staatsarchiven und erstellte mittlerweile eine 20-seitige Betscher-Biografie, die er den beiden interessierten Bürgermeister von Rot an der Rot und Berkheim, Robert Balle und Walther Puza zukommen lässt. Diese Recherchen bilden auch die Basis für das eineinhalbstündige Freilichtspiel über das Leben und Wirken von Nikolaus Betscher.

Nikolaus Betscher wurde als einziger Sohn des Landwirts Matthias Betscher und seiner Frau Salome Schillingerin auf dem Hof Sankt Johann Baptist in Berkheim (dem sogenannten, 2011 abgebrochenen Betscherhof) geboren und starb, wie Schädlers Recherchen ergaben am 12. November 1811 und nicht, wie der Tübinger Professor Dr. Alexander Sumski, der Betschers Kompositionen vor 30 Jahren wieder bekanntmachte, beim Berkheimer Betschertag sagte, am 18. November.

Der Chronist Peter Rudi wird beim Roter Freilichtspiel zu den Anfangsjahren des Berkheimers folgendes erläutern: Nicolaus Betscher, der zuerst wohl die Winterschule in Berkheim besuchte, wechselte dann auf die Roter Klosterschule, wo er in den Fächern, Latein, Rechnen und Naturwissenschaften unterrichtet wurde. Da Berkheim vom Roter Prämonstratenserkloster seelsorgerisch betreut wurde, war Betscher laut Berthold Büchele aus Ratzenried wohl schon als Kind mit diesem Orden und auch seiner Förderung der Musik vertraut.

Betschers Eltern förderten seinen Eintritt in den Orden mit einem Erbteil von 3000 Gulden, stifteten 1788 auch 2000 Gulden für den Bau der Holzhey-Orgel, um ihre lang geplante Fertigstellung auf der Westempore zu ermöglichen. <EA>Nach dem Tod seines Vorgängers wurde Nikolaus Betscher am 3. November 1789 zum Abt der Reichsabtei Rot gewählt und feierlich in sein Amt eingesetzt. Damit beginnt auch das Freilichtspiel. Es erinnert etwa an Betschers herrschaftliches Verbot übermäßiger Kleiderpracht „unter dem gemeinen Volk, besonders unter den Weiberleuten“. Der Abt: „Mir scheint der Geist der Französischen Revolution ist bereits über den Rhein bis nach Oberschwaben gedrungen. Das Schmücken und Prahlen mit Kleidern ist eine Hoffahrt, die zu nichts nutze ist“.

Weitere Episoden gelten dem familienverderbenden Spielen und Zechen in den Wirtshäusern, der öffentlichen „Fürstellung“ einer vorehelichen Beziehung eines Brautpaars bis hin zur Besitzergreifung des Klosters 1802 durch Graf Wartenberg. „Rot ist gefallen wie eine mächtige Eiche im stolzen Schmuck ihrer Kraft, die nur noch durch starken Axthieb zum Falle gebracht werden kann und an deren Todeswunde man ersehen kann, dass sie noch Lebenskraft auf lange Zukunft hinaus gehabt hätte“, so der spätere Bischof von Keppler.

Doch das Glück des neuen Landesherren währte nicht lange. Der württembergische Kommissär Freiherr von Bühler erschien am 10. Oktober 1806 und ließ die Wartenbergischen Untertanen dem neuen Landesherrn König Friedrich huldigen, vermeldet der Chronist und fährt so fort: „Seine letzten Lebensjahre verbrachte Nikolaus Betscher als dichtender und komponierender Schöngeist, bis zu seinem Tode“. Der Pfarrer von Kirchdorf, Michael von Jung, widmete ihm einen mitfühlenden Grabgesang. Ein Zeller Quartett wird am Ende der beiden Roter Freilichtaufführungen zwei der überlieferten Strophen präsentieren.

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