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Rentner Hans Löw packt in Cidreag mit an

Arbeit am Buki-Haus – Von der Situation der Kinder im Romaviertel auch geschockt

Den Kindern im Buki-Haus Bildung ermöglichen: Hans Löw zeigt Fotos aus Cidreag. Der handwerklich geschickte Rentner war in diesem Jahr zweimal in der rumänischen Gemeinde.
Den Kindern im Buki-Haus Bildung ermöglichen: Hans Löw zeigt Fotos aus Cidreag. Der handwerklich geschickte Rentner war in diesem Jahr zweimal in der rumänischen Gemeinde.
Rudi Multer

Bad Saulgau sz Zweimal ist Hans Löw aus Hoßkirch in diesem Jahr im rumänischen Cidreag gewesen. Der handwerklich geschickte Rentner übernahm wichtige Reparaturen im Buki-Haus. Das Haus wird vom Bad Saulgauer Verein Buki – Hilfe für Kinder in Osteuropa getragen und betreut Kinder aus armen Roma-Familien. Der Rentner aus Hoßkirch lernte Lebensverhältnisse kennen, die ihn schockierten – nur 1200 Kilometer von Hoßkirch entfernt und mitten in Europa.

Hans Löw ist nicht der einzige Handwerker oder handwerklich geschickte Helfer aus Bad Saulgau und Umgebung, der Buki mit seinem Können bei der Instandhaltung des Hauses unterstützt. Immer wieder bringt Buki geschickte Helfer mit nach Cidreag. Hans Löw ist in diesem Jahr neu zu Buki gestoßen.

Elektriker hat er gelernt, hat in seinem erlernten Beruf den Meister gemacht. Einige Jahre arbeitete er auch in der Automatisierungtechnik und war in leitender Funktion in der Instandhaltung eines großen Unternehmens tätig. „Ich habe in meinem beruflichen Leben erfahren, wie wichtig Bildung ist“, sagt der inzwischen 65-Jährige. Bei allem Fort- und Weiterkommen habe er außerdem Glück gehabt. Drei Kinder hat das Ehepaar Löw, alle gesund, alle wohnen mit Familie in Hoßkirch. „Deshalb habe ich mir vorgenommen, davon etwas zurückzugeben, sobald ich in Rente komme.“

Beim Buki-Weihnachtsmarkt in der Kiesgrube Wagenhart machte er Nägel mit Köpfen. Dort nahm er Kontakt mit Heidi Haller und Stefan Zell auf. Bereits im folgenden Februar packte er sein „Handwerkertäschle“, warme Kleider und einen Schlafsack und fuhr zusammen mit Heidi Haller in die rumänische Gemeinde.

Nach einer Beschäftigung braucht der handwerklich geschickte Handwerker nicht lange zu suchen. Im so genannten „Kinga-Haus“, einem von Buki angemieteten Haus für die Unterbringung von Praktikanten und Helfern, musste Hans Löw am ersten Abend auf das Zähneputzen verzichten. Das Haus war eine Zeit lang unbewohnt gewesen. In dieser Zeit hat die Pumpe im Keller ihren Geist aufgegeben. Sie versorgt das Haus mit Wasser aus einem eigenen Brunnen. Am anderen Morgen kaufte Hans Löw eine neue und war über die Preise im Baumarkt geschockt: „Das Gerät war in etwa so teuer wie bei uns. Dabei verdienen die Leute nur einen Bruchteil von dem, was wir hier verdienen“. Neben weiteren Reparaturen und Installationen machte sich Hans Löw vor allem Notizen, notierte, was zu machen ist und nahm Maß.

Zu Hause kam er über die Zimmerei Strobel in Ebenweiler und die Schreinerei Müller in Blönried günstig an Material, darunter eine Holzwand und gebrauchte massive Holztüren. Silikon, WC und ein Spülkasten wurden eingekauft. Mit einem vollgepackten gemieteten Sprinter der Firma Heinzelmann ging es im Juli abermals nach Cidreag. Hier baute Hans Löw die Türen und ein neues WC ein, setzte einen Boiler wieder in Gang, dichtete eine Dusche ab.

Doch die Arbeit im Haus war nicht alles. Hans Löw lernte das Romaviertel kennen. Der dreifache Vater und stolze mehrfache Opa war „geschockt“ von der Wohnsituation dieser Menschen. Wie die Kinder dort wohnen müssen, war für ihn unfassbar. „In manche Häuser bin ich lieber nicht hineingegangen“, sagt der Rentner. Zusammen mit Lukas, einem Praktikanten bei Buki, habe er drei Jungs im Alter zwischen elf und 13 Jahren versucht, Lesen und Schreiben beizubringen. Die Jungs seien aus dem Schulsystem rausgefallen. Doch wie bringt man Kindern Schreiben bei, die als Baby nie die Chance hatten zu malen, sich wichtige motorische Fähigkeiten anzueignen? Hans Löw kennt keine Patentlösung. „Du kannst nicht allen helfen.“

Buki gibt etwas fürs Leben

Dennoch glaubt er, dass Buki es richtig macht: „Die paar Kinder, die im Buki-Haus betreut werden, die nehmen etwas mit fürs Leben“. Deshalb steht auch für Hans Löw fest, dass er wieder zurückkommt nach Cidreag. Schließlich gebe es bei Buki einen großen Traum: ein eigenes Buki-Haus. Bislang ist das Haus gemietet. Instandhaltungen, wie sie Hans Löw managt, würden dann allein Buki und den Kindern zugute kommen.

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