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Region will sich gegen Atommüll-Endlager wehren

Suche nach Standort beginnt nächstes Jahr – Raum um Riedlingen wäre möglicherweise geeignet

Strahlender Müll, den niemand in der Nähe haben will: Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben mit Sitz in Ravensburg sammelt schon mal Argumente gegen ein Atommüll-Endlager zwischen Sigmaringen und Ulm.
Strahlender Müll, den niemand in der Nähe haben will: Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben mit Sitz in Ravensburg sammelt schon mal Argumente gegen ein Atommüll-Endlager zwischen Sigmaringen und Ulm.
Jens Wolf/dpa

Ravensburg sz Bis 2031 soll die Suche nach einem Standort für ein atomares Endlager in Deutschland abgeschlossen sein. Im Gespräch ist dabei unter anderem das Gebiet zwischen Sigmaringen und Ulm. Und auch die Schweiz will ihren hochradioaktiven Müll bald unterirdisch lagern. Möglicherweise in Benken bei Schaffhausen – nahe der deutschen Grenze. Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben mit Sitz in Ravensburg beschäftigt sich gerade intensiv mit dem Thema, um fundierte Stellungnahmen abgeben zu können, falls nötig.

Ende Juni werden die Mitglieder des Regionalverbandes (Delegierte aus den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und Bodensee) das Zwischenlager für nukleare Abfälle in Würenlingen und das Felslabor Mont Terri in der Schweiz besichtigen, wo Experimente an der Gesteinsart Opalinuston durchgeführt werden. Die Fachexkursion hält der Direktor des Regionalverbandes, Wilfried Franke, für unbedingt notwendig. Die Chancen stünden gut, dass die Schweiz ihr atomares Endlager in Benken bei Schaffhausen einrichtet. „Wenn dort etwas passieren würde, wäre die Region Oberschwaben mit Sicherheit berührt“, sagt Franke in einem Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“.

Genaue Untersuchungen

Und wenn 2018 die Standortsuche in Deutschland losgeht, könnte der Regionalverband früher oder später selbst betroffen sein. Prinzipiell kommen nur drei Arten von Wirtsgestein für ein Endlager in Frage, in dem hochradioaktive Abfälle für einen kaum vorstellbaren Zeitraum von einer Million Jahren sicher verwahrt werden sollen: Salz, Granit und Ton. „Die Schweizer wollen lieber Opalinuston als Granit verwenden. Granit hat Spalten und kann bei Erdbewegungen neue Spalten bilden. Opalinuston ist ganz fest. Und wenn Wasser reinkäme, würde es aufquellen und noch fester“, erklärt Franke.

Zwischen Simaringen und Ulm gibt es entlang der Donau die gleichen Opalinustonschichten wie in der Schweiz. Daher hält es der Regionalverbandsdirektor für logisch, dass die Region von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die die Standortsuche im Auftrag der Bundesregierung betreibt, genauer untersucht wird. Der Hegau scheide wegen der früheren Vulkantätigkeit aus. Aber der Bereich zwischen Sigmaringen, Riedlingen und Ulm werde mit Sicherheit genau untersucht.

Befüllung ab 2050

Sollte die BGR die Region tatsächlich in die engere Wahl ziehen, obwohl es in Norddeutschland viel größere Gebiete mit geeignetem Untergrund gebe, „würden wir uns natürlich dagegen wehren, denn wir sind Erdbebengebiet“, sagt Franke. „Wenn es in Deutschland zwei gleichwertige Gebiete gibt, erwarte ich von der Bundesregierung, dass sie nicht dasjenige mit der höheren Erdbebengefahr auswählt.“

Der Regionalverbandsdirektor geht davon aus, dass „wir am Anfang im Rennen sind, aber am Ende nicht betroffen“. Zumindest von dem deutschen Endlager, das bis 2031 ausgewählt und ab 2050 befüllt werden soll. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Endlagers in der grenznahen Schweiz sei ungleich höher.

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Kommentare (7)
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Eine sichere Aufbewahrung an einem dunklen , unzugänglichen, grottenhaften und finsteren Ort (wie Berlin ..ha,ha ) , scheint mir ein widersprüchliches Ansinnen zu sein . Am besten kann man leicht flüchtige Objekte kontrollieren , wenn man Sie ständig im Blick hat . Zusätzlich eine mobile Komponente. Man könnte den Atommüll in Castor-Zügen mit hochwertigster Ummantelung aus Carbon und Edelstahl endlagern . Diese Waggons werden wiederum in Glasbauten gestellt , vielleicht wirklich unter einer "Käseglocke" aus 1 Meter dickem Glas , und können so von jedermann gesehen und betrachtet werden . Alle 15 Jahre rollen die Waggons an einen anderen Ort in Deutschland , und werden dort wieder unter Glas geparkt .Mann könnte daraus ein Kunstprojekt für eine Million Jahre machen .
Wer zahlt ? Ökostromabgabe . mehr

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zu 2 : warum denn in Berlin. Haben wir nicht alle Nutzen vom Atom Strom gehabt ? Günstige Energie für alle war doch das Motto, tja irgendwann kommtr halt die Rechnung.
Es ist unser Müll, also müssen wir auch dafür gerade stehen mehr

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Zu4: das hat auch mit Charakter zu tun: die Deutschen wären die Nutznießer des Atomstroms, damit auch die Ursache, das radioaktive Abfälle produziert werden und würden, dann sollen sie auch die Konsequenzen tragen und die Abfälle in ihrem Land entsorgen. mehr

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Deutscher Atommüll muss auf Deutschem Boden gelagert werden ? Warum eigentlich ? Die Aktien der Konzerne RWE und E.ON ( Uniper) befinden sich teilweise auch in ausländischen Depots.
Warum nicht die paar Fässlein mit unter die Schutzhülle in Tschernobyl stecken ,
die lokale atomare Gefahr würde dies nicht signifikant erhöhen . mehr

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Letztlich wird sich wohl Russland erbarmen , und die ungeliebten gelben Tonnen
annehmen. Gegen eine Geldleistung in der Art eines 1000-Jährigen Pachtvertrags,
wird Russland diese dann in den endlosen weiten der Tundra verbuddeln. mehr

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Das Atommüll-Endlager muss in Berlin entstehen.
Schließlich haben die Politiker uns das Problem eingebrockt.

Und das nächste Sondermüll-Problem wird uns gerade mit den Autobatterien der künftige Elektro-Autos geschaffen ! mehr

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NOT. IN. MY. BACKYARD.

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