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Politikwissenschaftler Max Weber spricht über deutsche Rüstungsexporte

Politikwissenschaftler Max Weber spricht über deutsche Rüstungsexporte
Max Weber
Max Weber
Privatbild

Friedrichshafen sz Max Weber, Politikwissenschaftler und Student der Theologie, aus Friedrichshafen hält am Samstag, 18. November, um 19.30 Uhr in der Häfler Erlöserkirche einen Vortrag über die Haltung der Evangelischen Landeskirche Württemberg zu den deutschen Rüstungsexporten. Er hat dazu in dem in diesem Jahr erschienenen Sammelband „Tod – Made in Germany?“, den die Landeskirche herausgegeben hat, einen Beitrag verfasst. Heinz Kelvin Esser hat mit ihm darüber gesprochen.

Was war Ihre Motivation, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Ich bin am Bodensee aufgewachsen und bin in meiner Jugend mit dem Thema Rüstungsexporte in Berührung gekommen. Diskussionen im familiären Umfeld, aber auch bekannte Rüstungskritiker wie Jürgen Grässlin und der Friedensforscher Thomas Nielebock, mit dem ich einen Beitrag im Sammelband zur Erklärung der Evangelischen Landeskirche zu deutschen Rüstungsexporten verfasst habe, haben mein Interesse geweckt beziehungsweise weiter gefördert. Rüstungsexporte sind Teil eines größeren Komplexes, an dessen Ende regelmäßig Leid oder Tod stehen. Bei meiner Arbeit bei Menschenrechtsorganisationen, insbesondere bei Amnesty International, habe ich versucht, Menschen auf die Problematik der Rüstungsexporte aufmerksam zu machen. Am Ende sollte ein gemeinsamer Widerstand gegen die derzeitige Praxis entstehen.

In Ihrer Arbeit listen Sie detailliert die Rolle Deutschlands als Exporteur auf. Sie nennen die Möglichkeiten den Export zu beschränken und stellen die Positionen der beiden großen Kirchen klar dar. Auf welchen Aspekt werden Sie beim Vortrag Ihren Schwerpunkt legen?

Es soll bei dem Vortrag zunächst um die Erklärung der Evangelischen Landeskirche Württemberg gehen, die im November 2016 verabschiedet wurde. Darin wird unter anderem ein Exportverbot für Kleinwaffen gefordert. Dabei soll auch das Ausmaß der deutschen Rüstungsexporte und die hohe Relevanz des Themas deutlich werden. Schließlich sollen aber auch Positivbeispiele diskutiert werden – Möglichkeiten, wie jeder seinen Teil zu einem friedlichen Miteinander beitragen kann.

Was wollen Sie mit dem Vortrag erreichen? Sind weitere Vorträge dieser Art geplant?

Mein Ziel ist es, einen Impuls für die weitere Diskussion über Rüstungsexporte in Friedrichshafen und der Bodenseeregion zu setzen. Am Bodensee sitzen nicht wenige Rüstungsfirmen, in denen viele Menschen aus Friedrichshafen und der Umgebung arbeiten. Fragen, die das Thema Rüstungsgüterexport behandeln, finden im öffentlichen Diskurs häufig keinen Raum, aber es sollte gerade hier eine offene Diskussion stattfinden. Weitere Vorträge sind noch nicht geplant. Schwerpunktmäßig engagiere ich mich derzeit beim Großprojekt „Frieden geht!“, einem Staffellauf gegen Rüstungsexporte, der von Oberndorf nach Berlin vom 21. Mai bis 2. Juni 2018 stattfinden wird. Bei dieser Veranstaltung ist auch ein Lauf vom Bodensee nach Oberndorf geplant.

Wie stehen die Chancen, dass sich etwas ändert?

Eine grundlegende Änderung kann sich aus meiner Sicht dann ergeben, wenn wir vom Denken in einer Sicherheitslogik hin zu einer Friedenslogik kommen. Dann würden nicht mehr viele Milliarden Euro für Rüstung, sondern für Friedensarbeit ausgegeben werden. Im Gegensatz zur Sicherheitslogik versucht die Friedenslogik, Konflikte mit Dialog frühzeitig zu lösen und nicht mit Gegengewalt beantworten zu wollen.  . Gerade dafür ist es wichtig, Menschen mit Vorträgen und Gesprächen für das Thema Rüstungsexporte zu sensibilisieren. Wenn ich nicht die Hoffnung hätte, dass die Möglichkeit zu einem Umdenken besteht, würde ich meine Zeit in andere Themen investieren.  

Den Sammelband mit dem Beitrag von Max Weber und Thomas Nielebock ist erhältich unter

www.ptz-stuttgart.blog/2017/10/neue-handreichung-tod-made-in-germany/

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