Schwäbische.de Schwäbische.de
Heiter 15
Bad Waldsee
Lokales

Photo Moser schließt nach knapp 100 Jahren

Fotostudio hat mit der Digitalisierung zu kämpfen – Was mit Räumen geschieht, ist noch unklar
Michael Moser hat in seinem Fotostudio viele tausend Menschen abgelichtet.
Michael Moser hat in seinem Fotostudio viele tausend Menschen abgelichtet.
Wolfgang Heyer

Bad Waldsee sz 1921 hat Franz Xaver Moser das Fotostudio Photo Moser eröffnet, das bis heute am Schwanenberg zu finden ist. Doch nun ist Schluss: Am 30. Juni schließt der Familienbetrieb.

Die Geschäftsaufgabe fällt Michael Moser, der den Betrieb in den vergangenen 35 Jahren leitete, leicht. Warum? „Durch die Digitalisierung, also seit rund 15 Jahren, kann man eigentlich nicht mehr davon leben“, erklärt der 63-Jährige und ergänzt: „Jeder, der eine Digitalkamera hat, meint, er sei ein Profifotograf.“ Auch die Fotofunktionen der Mobiltelefone und Tablets hätten sich negativ auf das Berufsbild des Fotografen ausgewirkt. Und so hätte er seinen Job zuletzt nur noch als Hobby betreiben können.

48 Jahre war Moser als Fotograf tätig. Am meisten Freude hatte er daran, Menschen zu fotografieren. Sein Ziel war es immer, die Menschen vor der Kamera so darzustellen, dass sie sich mit dem Foto identifizieren konnten. Er verlieh den Bildern seine eigene Handschrift, die sich nicht etwa in der Vielzahl von Schnappschüssen darstellte: „Es ist ein Irrglauben, dass Masse vor Qualität geht. Was soll am Motiv denn besser werden, wenn man es zehnmal fotografiert.“ Daher legte Moser Wert auf unterschiedliche Darstellungen, Posen und Blickwinkel. Ein Motiv hat es ihm dabei besonders angetan: seine Frau Elke.

Über die Jahre haben sich bei dem Fotografen rund 200 Kilogramm Negativmaterial sowie 500 Gigabyte an digitalem Material angesammelt. Besonders in Erinnerung blieben ihm bei all den Fototerminen zwei Ereignisse. Kurz nach der Lehre war er im Auftrag der Polizei im Einsatz und musste einen Mann in Wolfegg fotografieren, der von einem Blitz tödlich getroffen wurde. „Das war grauenhaft“, erinnert er sich und schüttelt den Kopf. Die zweite Szene, die ihm im Gedächtnis blieb, war eine abgesägte Hand in einem Sägewerk. Es war ein Bild, das er für den Inhaber und die Berufsgenossenschaft geschossen hat. Die meiste Zeit aber hat es Moser genossen, die Menschen ins richtige Licht zu rücken. „Ich wollte ihnen über das Foto das Gefühl ihrer Einzigartigkeit vermitteln“, fasst der Fotograf sein Schaffen in Worte. Und so sei ein Charakter-Gesicht stets eine Momentaufnahme Wert gewesen.

Das Fotografieren selbst stellte für Moser nicht den einzigen Lebensinhalt dar. So konnte er Urlaube ohne Kamera verbringen. „Da bin ich wie der Metzger, der seinen Leberkäse-Semmel verschmäht“, findet er ein passendes Beispiel und lacht. Privat fotografierte Moser selten und wenn dann zu Erinnerungszwecken. Dabei kam dann auch mal der Fotoapparat mit Film zum Einsatz. „Das ist ein bewussteres Fotografieren. Ich fand auch die Faszination des Wartens auf das Ergebnis immer toll“, schwärmt Moser vom Berufsbild weit vor der Digitalisierung.

Einen Abverkauf im Geschäft wird es nicht geben. Wie es mit dem Fotostudio am Schwanenberg 4 weitergeht, ist noch offen. Für die Räume gebe es einen Interessenten, der an Ort und Stelle ein Büro eröffnen würde. Mosers Überlegungen gehen aber auch in Richtung barrierefreie Wohnung zur Eigennutzung. Die endgültige Entscheidung behält er sich noch vor.

Fest steht gleichwohl, dass er in seiner Rente viel lesen wird. Eine Mitgliedschaft in der Bücherei steht ganz oben auf seiner Liste. Am liebsten blättert er Bücher am Meer durch. Aber auch seine 35 Jahre alte Vespa will der Hobbybiker von Grund auf renovieren.

Die Geschichte von Photo Moser:

Franz Xaver Moser hat 1919 als Assistent des Fotografen Lorch begonnen, ehe er sich 1921 selbstständig machte und den Neubau am Standort Schwanenberg realisierte. 23 Jahre führte er Photo Moser, ehe Rosl Moser für vier Jahre übernahm. Von 1947 an kümmerte sich Fritz Moser für 35 Jahre um die Geschicke des Fotostudios. Zwei Jahre vor seinem Karriereende fragte er seinen Sohn Michael Moser, ob er übernehmen wolle. Die Entscheidung fiel prompt: ja. Vom 1. Januar 1982 an leitete Michael Moser den Familienbetrieb. „Mein Vater ist nur auf Verlangen ins Studio gekommen. Er hat mir nicht reingequatscht, das habe ich ihm hoch angerechnet“, erinnert sich Moser. Am 30. Juni öffnet er das Fotostudio zum letzten Mal. „Ich kann nicht mehr davon leben“, begründet er seine Entscheidung.

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Photo-Moser-schliesst-nach-knapp-100-Jahren-_arid,10686835_toid,86.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.