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Pfiffig: Dachgrün spart Gebühren

Zwei Millionen Quadratmeter Dach werden von Göggingen aus jährlich begrünt
Die Optigrün-Vorstände Martin Henneberg (links) und Uwe Harzmann an ihrem kleinen Versuchsfeld.
Die Optigrün-Vorstände Martin Henneberg (links) und Uwe Harzmann an ihrem kleinen Versuchsfeld.
Jennifer Kuhlmann

Göggingen sz Es ist ein lustiger Zufall, dass das Unternehmen Optigrün International AG seinen Sitz in der Straße „Am Birkenstock“ in Göggingen hat. „Wir sind hier schon alle etwas grüner eingestellt“, sagt Unternehmensvorstand Martin Henneberg. Birkenstocksandalen trägt er genauso wenig wie sein Vorstandskollege Uwe Harzmann. Aber wenn er an die vielen Gewerbegebiete in der Region denkt, fragt er sich schon, warum sich die Inhaber der Industriehallen und Baumärkte nicht freiwillig für die Begrünung ihrer Dachflächen entscheiden. „Die Begrünung schützt die Dachdichtung und speichert und verdunstet Regen, der sonst ungebremst in Kläranlagen und Bachläufe fließen würde.“

Optigrün ist 1999 aus der Firma Optima hervorgegangen, die Harzmanns Vater in den 1970er-Jahren gegründet hat. „Dachbegrünung gehörte schon immer zu seinem Arbeitsbereich dazu“, erklärt Harzmann. Und weil er genau wie Henneberg lange in der Firma mitgearbeitet hat, teilten sich beide die Geschäftsführung. Harzmann kümmert sich um das Kaufmännische, während Henneberg das technische Wissen mitbringt und neue Lösungen austüftelt.

„Die Idee, unsere Mitarbeiter und Kunden am Unternehmen zu beteiligen, hat uns gut gefallen“, sagt Henneberg. Deshalb wagte das Unternehmen den Schritt zu einer „kleinen“ Aktiengesellschaft. Gar nicht so einfach, da das Landratsamt einen solchen Vorgang zum ersten Mal begleitete. Momentan gibt es 75 Optigrün-Aktionäre.

Dachbegrünung wird immer beliebter. Nicht nur, weil die Menschen mehr Umweltbewusstsein entwickeln, sondern auch, weil heutzutage Dachbegrünungen immer öfter Bestandteil von Bauauflagen sind. „In Ballungsräumen wie Stuttgart ist das fast eine Selbstverständlichkeit, hier im ländlichen Raum sollten die Gesetzgeber mehr fordern. Die meisten unserer Kunden sind Unternehmen“, so Harzmann. „Freiwillig wollen die keine grünen Dächer.“

Die Unternehmen können sich dann für eine Spar-Variante mit oder für ausgefallenere Versionen entscheiden. Optigrün wird in die Planungen einbezogen, je nach Kundenwunsch muss das Dach so konstruiert werden, dass es Lasten zwischen 80 und 350 Kilogramm pro Quadratmeter tragen kann.

Unternehmen denken um

Eine für die Firma entscheidende Änderung ist das Gesetz zur gesplitteten Abwassersatzung, das jetzt auch in Baden-Württemberg gilt. Jetzt werden versiegelte Flächen anders abgerechnet und Unternehmen mit großen Höfen oder riesigen Hallen müssen mehr Abwassergebühren zahlen. „Eine Dachbegrünung kann dafür sorgen, dass nur 50 oder 30 Prozent der Gebühren gezahlt werden müssen“, sagt Henneberg. Logisch, dass Unternehmer nun anders über Begrünungen nachdenken.

In Ballungszentren werden mehr Dächer begrünt. Dennoch weiß er einige aus der Region aufzuzählen: Kaufland und Cosi/Medi Max in Sigmaringen tragen ein grünes Dach, die Bibliothek der Hochschule, das Café Neuseeland in Zielfingen und die Möbelhäuser Rogg und Hauber ebenfalls. Aber das sei kein Vergleich zu Hallendächern mit 45000 Quadratmetern wie beim Logistikzentrum in Bondorf oder dem EnBW-Verwaltungsgebäude in Stuttgart.

Optigrün arbeitet europaweit mit 120 Partnerbetrieben. Das sind Garten- und Landschaftsbaubetriebe, die mit den Optigrün-Materialien und -Techniken vertraut sind und die Installation der Begrünungen selbstständig vornehmen. 15 Außendienstler sind im In- und Ausland unterwegs, um die Dachbegrünung Bauherren und Architekten schmackhaft zu machen. 40 Mitarbeiter arbeiten am Standort in Göggingen.

Für den Techniker Henneberg ist es besonders spannend, wenn es ungewöhnliche Aufträge gibt. „Wenn das Gelände keinen Kanalanschluss hat und das Abwasser vom Dach sauber sein soll, dann muss die Begrünung eine starke Reinigungsfunktion haben.“ Dann werde mit Lava, Bims und Zeolithen gearbeitet und im Labor die richtige Mischung gesucht.

„Auch Privatleute können mit einer Begrünung bei der Abwassergebühr sparen, aber sie schätzen auch das Aussehen“, so Henneberg.

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