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Noch kein Konzept

Studie sagt deutlich steigenden Bedarf für ärztliche Leistungen in Emmingen-Liptingen und Immendingen voraus
Allgemeinärzte werden bis 2035 immer wichtiger für die Bürger von Emmingen-Liptingen und Immendingen. Gleichzeitig wird es für beide Gemeinden schwer, Mediziner zu finden, die sich dort ansiedeln wollen.
Allgemeinärzte werden bis 2035 immer wichtiger für die Bürger von Emmingen-Liptingen und Immendingen. Gleichzeitig wird es für beide Gemeinden schwer, Mediziner zu finden, die sich dort ansiedeln wollen.
dpa

Emmingen-Liptingen sz Laut einer Studie des Forschungs- und Beratungsinstituts Quaestio müssen sich sowohl Immendingen als auch Emmingen-Liptingen bis 2035 auf einen deutlich stärkeren Bedarf an ärztlichen Leistungen einstellen. Die älter werdende Bevölkerung und ein zu erwartender Anstieg der Einwohner werden danach dafür sorgen, dass die Hausärzte zunehmend wichtiger werden. Damit kommen auf beide Gemeinden Probleme zu.

In der Gemeinde Emmingen-Liptingen (gut 4600 Einwohner) wird die Hausarztfrage schon seit geraumer Zeit lebhaft – insbesondere auch zwischen den beiden Ortsteilen – diskutiert. Derzeit praktiziert der einzige Allgemeinmediziner in der Gemeinde in Liptingen. Ein Arzt, der mit dem Gedanken gepielt hatte, sich ebenfalls in der Gemeinde – vorzugsweise in Emmingen – niederzulassen, hatte wieder das Handtuch geworfen, weil er sich als Spielball in kommunalpolitischen Streitereien missbraucht sah, wie er unserer Zeitung mitteilte. Laut der Quaestio-Untersuchung muss in der Gemeinde von einem um 20 Prozent wachsenden Behandlungsbedarf ausgegangen werden – das ist der zehnthöchste Wert im Landkreis.

Der Gemeinderat hatte Bürgermeister Joachim Löffler Mitte Juni nach der Absage des möglichen zweiten Arztes damit beauftragt, so schnell und so intensiv wie möglich um einen weiteren Allgemeinmediziner für die Gemeinde zu werben. 25 000 Euro hatte das Gremium ihm dazu zur Verfügung gestellt.

Die Arztsuche wird derzeit aber allenfalls mit angezogener Handbremse vorangetrieben. Zunächst müsse man eine Praxis finden, die man anbieten könne, sagt Hauptamtsleiter Patrick Allweiler unserer Zeitung. „Ohne Praxis hilft die schönste Werbung nichts.“ In dieser Einschätzung sieht er sich einig mit Bürgermeister Joachim Löffler, der derzeit im Urlaub ist.

Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister Richard Gnirß (Unabhängige Wählergemeinschaft) widerspricht dieser Haltung vehement. „Wenn eine Studie einen steigenden Bedarf nachweist, dürfen wir erst recht keine Zeit verlieren.“ Der Gemeinderat habe dem Bürgermeister den Auftrag gegeben, sofort aktiv zu werden, und genau das verlange er auch von Joachim Löffler. „Eine Praxis finden wir jederzeit leicht, was wir jetzt dringend brauchen, ist ein Arzt.“ Knapp 1000 Emminger hatten per Unterschriftenliste gefordert, dasss auch in ihrem Ortsteil eine Praxis eingerichtet wird. „Die Unterschriften dürfen nicht umsonst gewesen sein“, so Gnirß.

In der Gemeinde Immendingen (knapp 6500 Einwohner) praktizieren derzeit vier Allgemeinärzte, von denen drei 60 Jahre und älter sind. Bisher sei Immendingen mit Hausärzten noch ausreichend versorgt, weswegen die Gemeinde sich noch nicht „offensiv gekümmert“ habe, sagt Bürgermeister Markus Hugger. „Wir wissen aber auch, dass in nicht allzu ferner Zeit eine große Aufgabe auf uns zukommt.“ Der Bedarf an ärztlicher Betreuung werde in der Gemeinde bis 2035 um knapp 30 Prozent wachsen, hat Quaestio ermittelt. Das ist der vierthöchste Wert im Landkreis Tuttlingen.

Wie andere Gemeinden auch, werde Immendingen damit zu kämpfen haben, dass der ländliche Raum für viele Allgemeinärzte wenig attraktiv sei, befürchtet Hugger. Er wolle gemeinsam mit den jetzigen Medizinern Strategien und Lösungsansätze erarbeiten, wie Nachfolger gefunden werden könnten.

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