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Noch ein Küsschen vor der Abfahrt

Kurzzeit-Stellplätze sind rar - Am neuen Hauptbahnhof soll es „Kiss and Ride“-Bereiche geben
„Kiss and ride“-Parkplätze am Ulmer Hauptbahnhof: Fünf Minuten darf man hier kostenlos parken. Wo diese Parkplätze nach dem bevorstehenden Umbau sein werden, ist derzeit unklar.
„Kiss and ride“-Parkplätze am Ulmer Hauptbahnhof: Fünf Minuten darf man hier kostenlos parken. Wo diese Parkplätze nach dem bevorstehenden Umbau sein werden, ist derzeit unklar.
Alexander Kaya

Ulm sz Ein langes Wochenende in Hamburg oder Köln. Wer sich mit dem Auto zum Zug bringen lässt, spart Zeit beim Umsteigen und Mühe mit dem Gepäck. Für Fälle wie diese gibt es rund um den Ulmer Hauptbahnhof Kurzzeit-Parkplätze, manche von ihnen sind sogar kostenfrei. Beim Umbau des Bahnhofs wird auch an diesem Konzept gearbeitet. Das Ziel: Der Verkehr, der sich rund um den Bahnhofplatz ballt, soll entzerrt werden. „Unser Ziel ist es, die Verkehrsströme neu zu ordnen“, sagt Harald Walter, der das Projekt Citybahnhof für die Stadt Ulm koordiniert.

Wenige Minuten vor 17 Uhr. Gerade ist der ICE nach Dortmund abgefahren, in ein paar Augenblicken startet der Interregio-Express nach Stuttgart, danach die Schnellzüge nach Frankfurt und München. Auf dem schmalen Streifen zwischen Post und Bahnhof stauen sich die Autos. Dann wird die Ampel zur Bahnhofplatz grün. Ein Schwall Wagen verschwindet, dahinter ist wieder Platz zum Rangieren. Ein Mann hält in zweiter Reihe, eine Frau stößt rückwärts aus einer Parklücke, eine andere Fahrerin wendet in der Kurve vor den Parkplätzen. Das ganz normale Durcheinander in der „Kiss and Ride“-Zone, Gerade in der Anfangszeit gab es über den Verkehr dort vermehrt Beschwerden bei der Stadt. „Viele der Konfliktfälle entstehen, weil sich einzelne Autofahrer nicht richtig verhalten“, berichtet Projektkoordinator Walter.

Im Sommer hat die Stadt die rund 20 Gratis-Stellplätze für Kurzparker hinter der Post eingerichtet. Kurz heißt: fünf Minuten. So lange darf ohne Parkschein halten, wer jemanden zum Bahnhof bringt. Ein Küsschen zum Abschied, dann fährt der Zug los. Diese Idee steckt hinter dem Begriff „Kiss and Ride“. Das ist derzeit auch im Parkhaus Deutschhaus, in der Umfahrung der Tiefgaragen-Spindel an der Olgastraße, an der ehemaligen Bushaltestelle vor dem Modehaus C&A und am Fußgängersteg in der Schillerstraße möglich. Wie viele Autofahrer an diesen Stellen halten, ist unklar. „Wir zählen das nicht“, sagt Koordinator Walter.

Eine Erkenntnis haben die Planer der Stadt aber gewonnen: Es ist der sogenannte Hol- und Bring-Verkehr für Zugreisen, für den diese Bereiche genutzt werden. Berufspendler stellen ihre Autos anderswo ab, etwa am beschrankten Parkplatz hinter der Post. Freitagabends und sonntags werden die Kurzparkplätze am stärksten frequentiert – vor allem jene hinter der Post. Die anderen würden schlecht angenommen, heißt es aus der Verwaltung. Dabei sind etwa im Parkhaus Deutschhaus sonntags sogar 40 Minuten Parkzeit gratis. „Das reicht, um eine Brezel oder einen Kaffee zu kaufen oder auf einen Zug zu warten, der etwas später kommt“, sagt Walter.

Das schnelle Bussi am Bahnhof soll auch nach dem in den kommenden Jahren anstehenden Umbau möglich bleiben. Aber wie genau, dafür habe die Stadt noch kein Konzept, gestand Baubürgermeister Tim von Winning in der jüngsten Sitzung des Ulmer Bauausschusses. Das liegt auch daran, dass zunächst andere Fragen geklärt werden müssen. Etwa die, wie groß der neue Zentrale Omnibusbahnhof ausfallen wird oder die, ob die Bahn ein Parkhaus in der Schillerstraße errichten wird.

Investor für neues Parkhaus gesucht

Dass dort eines entstehen soll, steht aus Sicht der Stadt außer Frage, betont Koordinator Harald Walter. Wenn es nicht von der Bahn errichtet werde, dann von jemand anderem. Vielleicht sogar von der Stadt selbst. Nach momentanem Stand aber habe der Konzern großes Interesse an dem Parkhaus, das über den Steg mit allen Gleisen verbunden werden könnte. Es gibt noch einen Vorteil: Wer mit dem Auto zum Bahnhof will, muss nicht bis in die Friedrich-Ebert-Straße und bis zum Bahnhofplatz fahren.

Doch auch jener Seite der Gleise, am neuen Bahnhofsvorplatz, wird bekanntlich ein Parkhaus entstehen. Darin könnten auch die „Kiss and Ride“-Parker Stellplätze bekommen. Viele verstreute Parkplätze soll es in Zukunft jedenfalls nicht mehr geben, kündigt Harald Walter an. Im neuen Parkhaus am Bahnhofsvorplatz könnte das Kurzzeitparken erlaubt werden.

Walter glaubt, dass es durch den Aufbau des Parkhauses mit einem unterirdischen Kreisverkehr kaum oder keine Behinderungen für den Verkehr geben dürfte.

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