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Neues Navi bringt Chirurgen ans Ziel

Privatdozent Dr. Michael Oberst demonstriert im Bildungszentrum des Ostalb-Klinikums die Funktionsweise des Navigationsgerätes,
Privatdozent Dr. Michael Oberst demonstriert im Bildungszentrum des Ostalb-Klinikums die Funktionsweise des Navigationsgerätes, das künftig Operationen in der Unfallchirurgie kontrolliert.
Kullmann

Aalen kul Was bis dato ausschließlich dem Können und Feingefühl des Chirurgen überlassen blieb, lässt sich nun mit einem medizinischen Navigationsgerät zur millimetergenauen Präzision führen: Operationen an Wirbelsäule, Knie und Hüfte. Das Prinzip hat sich die Münchner Herstellerfirma BrainLAB vom Autonavi abgeschaut, wobei die medizinische Navigation eine über 100-jährige Geschichte vorweisen kann.

Der Chefarzt der Aalener Orthopädie/Unfallchirurgie, Privatdozent Dr. Michael Oberst, der aus seiner Freiburger Zeit über eine zehnjährige Erfahrung mit der modernen Variante besitzt, bescheinigt der Entwicklung im zurückliegenden Jahrzehnt einen Quantensprung. Das Navigationssystem sei heute Hightech pur und für einen Operateur ein perfektes Hilfsmittel. Was bei den GPS-Navis die Satelliten, sind im Operationssaal kleine Kameras, die nach dem Dreisatzprinzip die genaue Position bestimmter, zuvor festgelegter Punkte übernehmen. Damit lässt sich jede noch so komplizierte Operation via Navisteuerung Schritt für Schritt begleiten und kontrollieren. Seine Versicherung „Damit erhöhen wir die Genauigkeit der Eingriffe auf 98,22 Prozent“, belegt Dr. Oberst anhand von Vergleichsstudien. Ein weiterer Vorteil: Die Röntgenstrahlung für Patienten wie OP-Team reduzieren sich wesentlich, da statt vieler Röntgenbilder die Rückmeldung über das Navi erfolgt. Derzeit sind lediglich ein Fünftel der unfallchirurgischen Kliniken in der Bundesrepublik mit diesem computergestützten System ausgerüstet. Der Kostenpunkt: Je nach Ausführung und Software bis zu 250 000 Euro.

Im neuen Online-Master-Studiengang Physikalisch-technische Medizin, den Dr. Oberst im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Freiburger Uni hält, befasst er sich ebenfalls mit der Navigationshilfe. Aus diesem Grund reiste sein Freiburger Kollege, Prof. Dr. Josef Guttmann, mit einem Uni-Team ans Ostalb-Klinikum. Ihre Aufgabe: Die Präsentation des Geräts als Online-Vorlesung aufzuzeichnen. Künftig können bereits approbierte Mediziner in einer sechssemestrigen Vorlesung diese Online-Version als Teil einer Fortbildung mit Master-Abschluss nutzen. Wegen des rasanten medizin-technologischen Wandels werden diese Fernstudien, bei denen sich die Ärzte ihre Lernphasen selbst einteilen können, übers Internet angeboten. Ein Pilotprojekt, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst finanziell gefördert wird.

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