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Rudi Heilig

Neue Straftat zwei Wochen nach Haftentlassung

59-Jähriger hat nach Ansicht des Amtsgerichts Bad Waldsee Einbruch-Diebstahl in Bergatreute begangen
Vom Prozess direkt ins Gefängnis – so urteilte das Amtsgericht im Fall eines Einbruch-Diebstahls.
dpa

Bad Waldsee sz Es war am Samstagmorgen, 6. Juli, um 7.45 Uhr in Bergatreute-Witschwende. Arnold Lipp vom gleichnamigen Getränkefachmarkt bemerkte sofort, was in der Nacht geschehen war. Die hölzerne Eingangstüre war mit einem Brechwerkzeug aufgehebelt. Im Bestand fehlten ein paar Flaschen Wodka und etwa 200 Packungen Zigaretten. Verschwunden war auch eine Spendenkasse. Der Wert des Diebesguts wurde mit etwa 1200 Euro beziffert. Schnell machte dieser Raub in Bergatreute die Runde, war tagelang Hauptgesprächsthema. Gestern wurde die schwere Straftat am Amtsgericht Bad Waldsee unter dem Vorsitz von Direktor Feurle verhandelt.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe mit dem Einbruch nichts zu tun.“ Dies war die einzige Aussage des 59-jährigen Angeklagten. Dazu bekannte er, dass er Analphabet sei. Er wohnt seit ein paar Jahren in einem etwas abgelegenen Bauerngehöft einer nördlichen Kreisgemeinde – zeitweise unterbrochen von Aufenthalten in der Haftanstalt Ravensburg. So kam er erst am 21. Juni dieses Jahres wieder in Freiheit.

Es war auch nicht die einzige Unterbringung seines Lebens im Gefängnis. Bei 26 Vorstrafen, die er sich quer durch Deutschland in den ergangenen dreißig Jahren eingehandelt hatte, hieß es mehrere Male ohne Bewährung. Die Vorstrafen waren auch einschlägig, dazu kamen unter anderem Fahren ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit am Steuer sowie Gefangenenmeuterei.

Scheinkauf überführt Angeklagten

Unter den fünf geladenen Zeugen hatte die Aussage einer 37-jährigen Frau. am meisten Gewicht. Ihr hatte nämlich der Angeklagte Zigaretten zum günstigen Kauf angeboten. Er versicherte ihr dabei, dass er diese legal aus dem Ausland erhalten habe. Ebenfalls bat er sie, ihm entsprechende Abnehmer zu besorgen. Aus dem Kauf wurde aber nichts, im Gegenteil, die Frau erstattete Anzeige. Im Verlaufe der Ermittlungen kam es auf Anraten der Polizei auch zu einem Scheinkauf. Hierbei konnten zwei Verstecke geortet werden. Sowohl in der Scheune des Angeklagten sowie im nahe gelegenen Wald waren die Zigaretten versteckt. So konnte die Falle sofort zuschnappen.

Ab diesem Zeitpunkt hatte die Frau keine Ruhe mehr, der Angeklagte drohte ihr ständig mit Gewalt. Sogar am Verhandlungstag, morgens um 7 Uhr, klingelte er bei ihr, schilderte die Frau. Dabei forderte der Angeklagte sie auf, vor Gericht die Unwahrheit auszusagen. Diese Forderung bekräftigte er mit dem Angebot, er bezahle ihr 300 Euro dafür.

Weitere Indizien für die Straftat waren eine Einzahlung von 13,44 Euro bei der Kreissparkasse – vermutlich aus der gestohlenen Spendenkasse – sowie eine Anzahlung in Höhe von 100 Euro bei einem Zweiradhändler für eine Reparatur seines Mofas, die er vermutlich aus dem Verkauf der gestohlenen Zigaretten hatte. Ausführlich wurde auch der vernehmende Polizeibeamte Schmid vom Polizeirevier Weingarten zu Protokoll genommen. Die Frage des Richters, wie glaubwürdig er die Aussagen der Hauptzeugin halte, beantwortete er eindeutig positiv.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Hassler aus Friedrichshafen hatte angesichts der erdrückenden Beweise nicht viele Trümpfe auf der Hand. Er bemängelte lediglich eine nicht im üblichen Sinne gewohnte polizeiliche Beweisaufnahme. So seien weder Fingerabdrücke noch Fußspuren dokumentiert. Er plädierte auf Freispruch.

Ganz anders sahen es die Staatsanwältin und der Amtsrichter. So wurde der Antrag, wegen Diebstahl in einem besonders schweren Falle eine Haftstrafe ohne Bewährung von acht Monaten auszusprechen, auch unverändert angenommen. Direktor Feurle ging sogar noch einen gewaltigen Schritt weiter. Wegen Verdunkelungsgefahr und akuter Bedrohung der Zeugen ließ er den Angeklagten sofort verhaften und in die Justizvollzugsanstalt Hinzistobel bei Ravensburg abführen.

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