4
Schwäbische.de Schwäbische.de
Schneeregen 2
Pfullendorf
Lokales

Neue Ermittlungen gegen Pfullendorfer Soldaten

Fotomontage soll Konzentrationslager und Flüchtlinge zeigen – Soldaten erheben Vorwürfe gegen Vorgesetzte
Hinter den Kulissen der Staufer-Kaserne brodelt es erneut: Soldaten beschuldigen Vorgesetzte der Strafvereitelung im Amt.
Hinter den Kulissen der Staufer-Kaserne brodelt es erneut: Soldaten beschuldigen Vorgesetzte der Strafvereitelung im Amt.
Thomas Warnack/Archiv

Pfullendorf sz Die Staufer-Kaserne in Pfullendorf beschäftigt erneut die Justiz. Wie die Staatsanwaltschaft Hechingen der „Schwäbischen Zeitung“ am Donnerstag bestätigte, ermittelt sie gegen zwei Soldaten der Ausbildungskompanie 209 wegen des Verdachts der Volksverhetzung und der Strafvereitelung im Amt.

Gegenstand der Ermittlungen soll unter anderem eine per E-Mail verschickte Fotomontage sein, die das Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz und ankommende Flüchtlinge zeigt. Die Überschrift: „Hier ist für jeden von euch ein Platz.“

In einem Schreiben vom 8. Oktober an die Staatsanwaltschaft Hechingen, das der SZ vorliegt, schildern Soldaten aus Pfullendorf anonym den Vorgang, der sich Ende 2016 in der Ausbildungskompanie ereignet haben soll. Ein Stabsfeldwebel habe mit seinem Dienstcomputer die möglicherweise volksverhetzende E-Mail an einen anderen Soldaten geschickt, heißt es darin. Der Empfänger habe daraufhin seinen Kompaniechef über das Foto informiert. Dieser habe allerdings nichts unternommen, sondern die Angelegenheit unter den Teppich gekehrt – ebenso wie ein weiterer Vorgesetzter, der ebenfalls über den Vorgang informiert gewesen sein soll. Somit hätten sich die beiden Soldaten der Strafvereitelung im Amt schuldig gemacht. „Bis zum heutigen Tage ist nichts dagegen unternommen worden“, schreiben die Soldaten.

Menschenverachtende Worte

Darüber hinaus schildern sie einen weiteren Vorfall, der sich ebenfalls Ende 2016 zugetragen haben soll. Ein Hauptfeldwebel habe einen Kraft- beziehungsweise Sportraum betreten, in dem einige Soldaten Sport ausübten. Daraufhin soll der Hauptfeldwebel „menschenverachtende“ Worte gewählt haben: „Haut ab, ihr dreckigen Afghanen, ich will hier Sport machen!“ Auch über diese Angelegenheit soll der im ersten Fall genannte Kompaniechef informiert worden sein. „Daraufhin wurde ein Protokoll über diesen Vorfall angefertigt, ohne jede Konsequenz.“

Fremdenfeindliche Vorfälle in der Bundeswehr

Die Pfullendorfer Staufer-Kaserne in den Schlagzeilen 

Die Soldaten schreiben, dass es sich bei den geschilderten Vorfällen keineswegs um Einzelfälle handele. „Es ist in der Ausbildungskompanie an der Tagesordnung, dass solche Dienstvergehen vertuscht werden“, heißt es in ihrem anonymen Brief. Deshalb solle die Staatsanwaltschaft dieser Angelegenheit nachgehen und die beteiligten Soldaten für ihre Straftaten zur Rechenschaft ziehen. Die Befürchtung der anonymen Briefschreiber: „Wenn wir uns outen würden, würde man uns mit Sicherheit lange Zeit schikanieren und die genannten Soldaten würden wahrscheinlich wieder einmal ungeschoren davon kommen.“

Markus Engel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hechingen, bestätigte am Donnerstag auf SZ-Anfrage, dass gegen die beiden von den Soldaten beschuldigten Vorgesetzten ein Ermittlungsverfahren geführt wird. „Die Vorwürfe der Soldaten werden nun genau geprüft“, sagte Engel. Weitere Auskünfte zum Stand der Ermittlungen konnte er nicht nennen.

Die Bundeswehr teilt auf SZ-Anfrage mit, dass die zuständigen Vorgesetzten gegen zwei Unteroffiziere wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermitteln. „Die Bundeswehr nimmt den Vorfall ernst und trifft alle Maßnahmen zur Aufklärung“, heißt es in einer Stellungnahme des Presseoffiziers des Ausbildungszentrums „Spezielle Operationen“. „Zum laufenden Ermittlungsverfahren kann die Bundeswehr keine Stellung nehmen.“

Bundesweit in den Schlagzeilen

Die Staufer-Kaserne war bereits im Januar dieses Jahres bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Öffentlich geworden waren zweifelhafte Praktiken bei der Sanitäterausbildung einerseits und bei Aufnahmeritualen andererseits. Bei der Staatsanwaltschaft Hechingen gingen Anzeigen wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung, der gefährlichen Körperverletzung sowie der Gewaltdarstellung und Nötigung ein.

In Bezug auf die Ausbildungspraktiken hat die Behörde die Ermittlungen inzwischen eingestellt. Anders sieht es bei den Aufnahmeritualen aus: Dieses Ermittlungsverfahren läuft noch. Im Juli hatte das Verwaltungsgericht Sigmaringen bereits entschieden, dass vier Soldaten, die an den Aufnahmeritualen beteiligt waren, zurecht entlassen wurden. Drei der betroffenen Soldaten haben beim Verwaltungsgerichtshof die Zulassung einer Berufung gegen das Urteil beantragt.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (4)
4
Beitrag melden

Das sind genau die Zustände, die unsere Altvorderen bei der Gründung der Bundeswehr nicht haben wollten.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
3
Beitrag melden

@2: Volle Zustimmung zum Kommentar. Derzeit ist man bei der Bundeswehr über jede Person froh, die Interesse zeigt. Hätte man die Wehrpflicht nicht abgeschafft, würde die Personaldecke anders aussehen.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
2
Beitrag melden

Vielleicht sollte man auch einfach mal fragen, was für Leute in der Kaserne und welch Geistes Kind sie sind, statt auf denen rum zu hacken, die für normales Benehmen sorgen wollen.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
1
Beitrag melden

Die geschäftsführende Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird sich bestimmt wieder in ihr eigen Art um dem Fall kümmern.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Neue-Ermittlungen-gegen-Pfullendorfer-Soldaten-_arid,10783603_toid,515.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.