1
Schwäbische.de Schwäbische.de
Wolkig 18
Bergatreute
Lokales

Nach Unfall: Bürgermeister besteht auf Radweg

Viele Laster auf Landesstraße zwischen Bergatreute und Baienfurt – Minister: Strecke ist nicht im Radwegnetz

Bergatreute sz Bergatreute - Viele Laster, fast keine Geschwindigkeitsbegrenzung und bereits einige schwere Unfälle: Die Landesstraße zwischen Bergatreute und Baienfurt ist eine Gefahrenquelle, die entschärft werden muss, findet Bergatreutes Bürgermeister Helmfried Schäfer. Seit 13 Jahren kämpft er für einen Radweg entlang der L 314. Nachdem im Juli ein Fahrradfahrer bei einem Unfall tödlich verletzt wurde, hat Schäfer an den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann geschrieben. Die Antwort: Ein solcher Radweg sei auf absehbare Zeit nicht möglich. Doch Schäfer will nicht aufgeben.

Wenn Helmfried Schäfer in seinem Büro im Rathaus sitzt, hört er alle paar Minuten einen Lkw vorbeifahren. Die Landesstraße, die von der Autobahnausfahrt Leutkirch nach Baienfurt führt, durchquert auch die Bergatreuter Ortsmitte. „Täglich sind auf dieser Strecke rund 6000 Fahrzeuge unterwegs, davon rund 20 Prozent Schwerlastanteil“, sagt der Bürgermeister. Dass es auf dieser Straße für Fahrradfahrer nicht gerade gemütlich zugeht, weiß Schäfer aus eigener Erfahrung: „Ich bin ein einziges Mal mit dem Rad auf der L 314 runter Richtung Baienfurt gefahren und hab mich sehr unwohl gefühlt, als die Laster mich überholt haben“, berichtet er. „Ich kann es im Moment nicht empfehlen, mit dem Fahrrad hier entlang zu fahren.“

Radler rettet sich auf Grünstreifen

Das sehen offensichtlich auch andere Zweiradfahrer so: Aus Gesprächen wisse er, dass vielen Radlern diese Strecke zu gefährlich sei, so Schäfer. Stephan Nonnenmacher fährt im Sommer trotzdem regelmäßig mit dem Rennrad von Bergatreute nach Friedrichshafen zur Arbeit. Weil er gerne Sport macht und durchaus auch aus Umweltschutzgründen, wie er sagt. „Ich musste schon dreimal von der Straße auf den Grünstreifen ausweichen, weil mir ein überholendes Auto entgegengekommen ist“, berichtet er. „Und auch Lkw-Fahrer überholen teilweise sehr eng.“

Tempolimits und Überholverbote

Im Juli ereignete sich ein tödlicher Unfall, als ein Rennradfahrer zwischen der Löffelmühle und Baienfurt von einem Auto erfasst wurde, dessen Fahrer auf der Gegenfahrbahn gerade ein anderes Fahrzeug überholt hatte. Der 58 Jahre alte Rennradfahrer erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Nach diesem Unfall setzte Helmfried Schäfer ein Schreiben an den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann auf, in dem er seine Forderungen nach einem Radweg bekräftigte. Und solange es diesen nicht gebe, müssten Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote her, fordert er. An der Stelle, an der der tödliche Unfall passierte, gilt seit Kurzem ein Überholverbot. „Das begrüßen wir“, so Schäfer. Doch es reiche bei Weitem nicht aus.

Minister: „nicht möglich“

Auch die Antwort des Ministers enttäuschte den Bürgermeister: Die Strecke zwischen Baienfurt und Bergatreute liege nicht auf den Achsen des „Radnetzes“ Baden-Württemberg, das „alltagstaugliche Hauptradrouten“ und touristisch ausgerichtete Fernradwege beinhalte, schreibt Winfried Hermann. Dass das Regierungspräsidium Tübingen den gewünschten Radweg in die Planung aufnehme, sei daher „auf absehbare Zeit nicht möglich“, heißt es in seinem Schreiben weiter. „Das können wir so nicht stehen lassen“, kommentiert der Bergatreuter Bürgermeister diese Stellungnahme. Zusammen mit seinen Amtskollegen aus Baienfurt und Baindt will er weiter kämpfen.

Auch Pferd war schon Opfer

Den nicht nur für Fahrradfahrer sei die momentane Situation gefährlich: Auf Höhe des Reiterhofs kurz vor Bergatreute müssten regelmäßig Reiter und Pferde die Fahrbahn überqueren, da die Koppeln auf der anderen Seite liegen. Versuche, im Bereich des Reiterhofs Tempolimits einzuführen, seien bisher gescheitert, so Schäfer. An Ostern  wurde ein Pferd von einem Auto angefahren und starb an seinen Verletzungen.

Wartehäuschen zerstört

Weitere Gefahrenstellen seien die Buswartehäuschen bei Bonlanden, betont der Bürgermeister. Bus-Fahrgäste – darunter auch Schulkinder – müssen, je nach Fahrtrichtung, die Straße überqueren. An dieser Stelle könnten Autos und Laster aber mit 100 Stundenkilometern unterwegs sein. Die Wartehäuschen bei Bolanden seien in den vergangenen Jahren vier Mal von Autofahrern, die offensichtlich zu schnell waren, über den Haufen gefahren und komplett zerstört worden. „Wenn da jemand dringestanden hätte, der wäre weg gewesen“, sagt Schäfer. Die gleiche Problematik gelte für die Buswartehäuschen im Teilort Löffelmühle.

Die Bergatreuter Gemeindeverwaltung habe ihren Beitrag für die Verwirklichung des Radwegs geleistet, so Schäfer: Die Gemeinde hat ein Grundstück an der L 314 gekauft, auf dem der Weg gebaut werden könnte. Ab Bolanden könnte der Radweg außerdem über bereits vorhandene asphaltierte Wege hinauf in den Ort führen.

Die Polizei registrierte im Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Juli 2017 auf der Landesstraße 314 zwischen Baindt und Bergatreute zwölf Verkehrsunfälle. Das teilt Polizei-Sprecher Jens Purath auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit. Bei drei dieser Unfälle wurde jeweils ein Mensch getötet. Zudem wurden bei unterschiedlichen Unfällen sechs Personen schwer und drei leicht verletzt. Bei zwei Kollisionen blieben die Unfallbeteiligten unverletzt.

Außer dem tödlich verletzten Radfahrer im Juli dieses Jahres wurden 2010 jeweils der Fahrer beziehungsweise die Fahrerin eines Autos getötet. Bei zwei Unfällen waren Motorradfahrer beteiligt, die jeweils leicht verletzt wurden. In fünf Fällen waren die Fahrzeuglenker allein unfallbeteiligt.

Sofern eine Unfallursache ermittelt werden konnte, war diese „Überholen trotz Gegenverkehrs“ sowie „nicht angepasste Geschwindigkeit“, so die Polizei.

Aktuell werde geprüft, ob neben der bereits bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 Stundenkilometer bei der Löffelmühle sowie einem jüngst angeordneten Überholverbot im Bereich des tödlichen Verkehrsunfall im Juli weitere Maßnahmen umgesetzt werden, heißt es seitens der Polizei weiter.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (1)
1
Beitrag melden

Natürlich muss hier ein Radweg hin. Genauso wie von RV nach Fenken über die Schlierer Strasse und nach Grünkraut über den Knollengraben. Auch wird ja der Lückenschluß zwischen Bad Waldsee und Baindt gefordert. Einerseits will man die Radler als Entlastung vom Pendlerrautoverkehr und Parkplatzsuchverkehr, aber Infrastruktur, die wesentlich billiger zu haben ist als jedes Bauvorhaben einer Strasse, wird keine gebaut. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Nach-Unfall-Buergermeister-besteht-auf-Radweg-_arid,10734454_toid,524.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.