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Mutter will mit Tattoo an totes Baby erinnern

Zweiter Verhandlungstag behandelt Briefe der 23-Jährigen, die ihr Baby erstickt haben soll
In Singen hätte es eine Babyklappe gegeben, aber die 23-Jährige hat sich laut eigenen Aussagen auch mit dem Thema nicht groß befasst.
In Singen hätte es eine Babyklappe gegeben, aber die 23-Jährige hat sich laut eigenen Aussagen auch mit dem Thema nicht groß befasst.
Armin Weigel

Ravensburg/Mengen sz Briefe, die sie aus der Untersuchungshaft an ihren Freund und ihre Eltern schreibt, sollen am zweiten Verhandlungstag Aufschluss über die Gefühlswelt der 23-jährigen Frau aus dem Kreis Konstanz geben, die Ende Mai bei Rulfingen ein Kind zur Welt gebracht und es sofort getötet haben soll. Ihr Freund ist mittlerweile mit ihr verlobt und macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Ihm und allen anderen in ihrem Umfeld will die Frau ihre Schwangerschaft bis zuletzt verheimlicht haben.

Sie habe nicht gewollt, dass sich die anderen Sorgen um sie machen. Deshalb schreibt sie in ihren Briefen nur, dass es psychisch sehr schlecht geht und sie die Zeit gern zurückdrehen und ihre Tat ungeschehen machen würde. Zunächst scheinen ihre Gedanken nur darum zu kreisen, ob ihr Freund sie verlassen wird. Sie fantasiert von einem Neuanfang. Zu dem gehören für sie eine neuer Haarschnitt, neue Fingernägel, ein neues Auto. Außerdem will sie sich das Datum der Tat tätowieren lassen - mit dem Spruch „Ein Engel fliegt zum Himmel“. Die Briefe, die im Sitzungssaal vorgelesen werden, handeln davon, wie sehr die junge Frau ihren Freund vermisst und den Pudel Jacky. Aus je mehr Briefen die Richter zitieren und je öfter von dem Hund die Rede ist, desto mehr fragt sich der Zuhörer: Und das Baby? Das Kind, das später Julia genannt wird, vermisst sie das denn gar nicht?

Auch dem Gericht hat sie einen Brief geschrieben. Sie weiß, dass sie eine Antwort auf das „Warum“ finden muss. „Es war, als wäre ich ein anderer Mensch gewesen“, beschreibt sie sich selbst am Tag der Tat. Sie sei immer eine starke Persönlichkeit gewesen, die ihre Probleme selbst habe lösen wollen. „Ich muss jetzt damit leben, meine eigene Tochter umgebracht zu haben.“ Trotzdem sei sie kein schlechter oder gefühlskalter Mensch, sondern immer noch liebenswert. Das zeigten ihr zumindest ihr Verlobter und ihre Familie, die zu ihr stünden.

Freunde bieten Hilfe an

„Ich hätte nie gedacht, dass sie so etwas machen würde“, sagt die Mutter einer engen Freundin der 23-Jährigen. Sie beschreibt die junge Frau als hilfsbereit und nett. Aber schon vor Silvester hätten sie und auch ihre Kinder den wachsenden Bauch bemerkt. Zunächst hätten sie es mit Bemerkungen über das Weihnachtsessen versucht, sie später mehrfach auf eine Schwangerschaft angesprochen und ihr für den Fall Hilfe und Unterstützung angeboten. „Sie sollte wissen, dass sie nicht allein ist.“ Die 23-Jährige habe aber eine Schwangerschaft stets verneint und Anspielungen und Nachfragen oft ignoriert. Als die Bekannte ihr im April plötzlich an den Bauch fasst, verlässt die 23-Jährige, ihren Freund im Schlepptau, kommentarlos das Haus. „Danach habe ich sie nicht mehr gesehen.“ Sie sei aber ganz sicher, dass auch der Freund von der Schwangerschaft gewusst haben muss, zumal das Paar noch am Morgen der Tat miteinander geschlafen hätte. Weil der 22-jährige Verlobte aber von seinem Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch macht, kann ihn niemand danach fragen. Er darf seine Verlobte im Sitzungssaal begrüßen, die beiden halten sich lange fest im Arm.

Grafik: Hier werden die meisten Straftaten verübt

Leiche beim Rasenmähen entdeckt

Der Landwirt, bei dessen Hof bei Rulfingen die Angeklagte das Baby zur Welt gebracht und getötet hat, hatte Polizei und Rettungsdienst alarmiert, als der Sohn eines Freundes die Leiche des Säuglings beim Rasenmähen entdeckt hatte. Drei Tage nach der Tat. „Ein paar Meter weiter kommen immer Jogger und Spaziergänger vorbei“, sagt er. „Es ist keinem aufgefallen.“ Seine Mutter hatte die Geschehnisse auf ihrem Hof in der Tatnacht ganz genau beobachtet. Die Bewegungsmelder lösten die Beleuchtung aus. Zwei Autos und vier Personen machte die 64-Jährige aus. Eine offenbar vor Schmerzen oder Übelkeit gekrümmt, die sich von der Gruppe entfernte und aus ihrem Blickfeld verschwand. „Ich dachte, die müsste sich übergeben“, sagt die Frau. Etwa 45 Minuten hätten sich die vier auf dem Hof aufgehalten, ein Mann der Person zweimal etwas gebracht. „Erst beim Einsteigen habe ich gesehen, dass es eine Frau war“, sagt die 64-Jährige.

Die Verhandlung wird am Donnerstag um 9 Uhr im Landgericht in Ravensburg fortgesetzt.

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Etwa 45 Minuten hätten sich die vier auf dem Hof aufgehalten, ein Mann soll der Person zweimal etwas gebracht haben. Keiner aus der Gruppe will die Geburt des Kindes bemerkt haben? .

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Dass hättest Du Dir früher überlegen müssen. Es gibt bin ich mir sicher immer einen Ausweg und eine Zukunft auch mit Kind. Man muss es nicht umbringen

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