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Wilhelmsdorf (Württemberg)
Lokales

Museum für bäuerliches Handwerk und KulturSepp Schelshorn sammelt Hexenbesen

Sepp Schelshorn führt in Wilhelmsdorf ein privates Museum.
Sepp Schelshorn führt in Wilhelmsdorf ein privates Museum.
Adelinde Schwegler

Wilhelmsdorf sz Sepp Schelshorn glaubt nicht an Druden und Hexen, aber was die Menschen wegen dieser Wesen alle Zeiten umtrieb, fasziniert ihn. Und so sammelte der Wilhelmsdorfer viele Zeugnisse von Aberglauben und Abwehrzauber. Am 12. September, wenn sein „Museum für bäuerliches Handwerk und Kultur“ das 25-jährige Bestehen feiert, wird Schelshorn neben vielem anderem auch diese Schätze zeigen.

Von unserer Redakteurin  Adelinde Schwegler

Pflugscharen und Gebetbücher, Wanduhren und Fassdauben, Tabakspfeifen und Mausefallen, Kruzifixe und Drudenmesser – die Gegenstände aus dem bäuerlichen Alltag und Handwerk stapeln sich in dem schmucken Hof an der Wilhelmsdorfer Hoffmannstraße. Wie viele es sind, weiß Hausherr Sepp Schelshorn selber nicht: Hunderte, Tausende? Vor mehr als 40 Jahren begann er all jenes zu sammeln, was die Bauern als „alten Kruscht“ wegwarfen. Auslöser war eine kleine Spitzhacke, die er 1962 in Königseggwald beim Heckenschneiden fand und die zusammen mit einer Schaufel, die er aus seiner bayrischen Heimat am Irschenberg mitgebracht hat, den Grundstock für eine riesige heimatkundliche Sammlung bildet. Heute besitzt er eine Fülle und Vielfalt an Dingen, mit der manches öffentliche Heimatmuseum nicht konkurrieren kann. Was viele nicht wissen: Das Kreisbauernmuseum in Wolfegg lebte zu seinen Anfangszeiten von Exponaten aus Wilhelmsdorf.

Alt an Sepp und Elfriede Schelshorns Museum ist freilich nur das Innenleben. Anfang der 80er-Jahre hat das Gärtnerehepaar dort, wo einst Gemüsebeete waren, ein Bauernhaus des Jahres 1880 stilecht nachgebaut und hier mit viel Geschick und Traditionsbewusstsein zeitgemäße Wohn- und Museumsräume vereint. 1985 wurde das Museum für bäuerliches Handwerk und Kulturgut offiziell eröffnet und erfreut sich seitdem steigender Beliebtheit. Nicht nur, weil es schönes zu sehen gibt, sondern weil Sepp Schelshorn, bei dem auch nach 50 Jahren im schwäbischen der bayrische Dialekt durchschlägt, so interessant zu erzählen weiß. Und so dürfen sich auch die Jubiläumsgäste wieder auf viele schöne, und manchmal auch gruselige Geschichten über „Aberglaube und Abwehrzauber“ freuen.

Aberglaube fasziniert die Menschen

Dass Schelshorn gerade dieses Thema für die Jubiläumssonderausstellung wählt, hat zwei Gründe: „Ich hab dazu viele schöne Sachen da und außerdem ist es etwas, was die Menschen immer faszinierte“. Sprach’s und legte ein Drudenmesser auf den Tisch, erkennbar an eingravierten Monden und Sternen: „Neun Mond, neun Stern hält alles Übel fern“ habe man früher geglaubt und solche Messer überall dort deponiert, wo es Böses abzuwenden galt, sogar in Kinderwiegen. Es gab sogenannte Fraisenketten wider die Gicht und andere Unbill sowie Wanderketten, die zum Beispiel Reisenden mitgegeben wurden, damit sie von Unfall, Krankheit und Heimweh bewahrt blieben. In Bärlapp-Kränzchen sollte sich die Hex‘ verfangen. Ein Stein mit Loch (Drudenstein) am Stallfenster hielt Böses fern. Ein Kamillensträußchen über der Stubentür ließ Blüten fallen, wenn böse Menschen eintraten und warnte damit die guten, die drinnen saßen. Manches wissen der inzwischen 73-jährige Josef Schelshorn und andere ältere Mitbürger noch aus eigenem Erleben oder Tun: So dass bei Pferdegespannen am Geschirr des Handgauls ein Dachsfell zur Abwehr des Bösen angebracht wurde, dass handgeschriebene Agathazettel („zwischen den Türen findet man sie“)vor Feuer schützen sollten und dass bei Gewitter eine der heiligen Agatha geweihte Kerze angezündet wurde. „Das taten wir auch“, sagt Schelshorn, „und ich hatte auch als Kind nie Angst vor Gewitter“.

Auch anderes hat er übernommen, einfach weil es Brauch war, und weil man heute mehr über Nutzen und Heilkraft von Pflanzen weiß als früher. Wer Holunder von seinem Anwesen verbannt, erfährt Unglück, sagt der Volksmund. „Holunder ist die Traubenkur der Armen“, sagt Schelshorn, der neben seinem Museum selbstverständlich einen Holunderstrauch stehen hat. Was es mit Kröten aus der Riedhausener Kapelle, mit Pentagrammen auf Bildern, mit dem „Schrättgätterle“ aus Palmenholz oder dem Schutz-Ziegel aus Hasenweiler mit eingeritztem Hexenbesen und Sternen auf sich hat, davon wird die Jubiläumsausstellung berichten.

Info: Das Museum für bäuerliches Handwerk und Kultur ist vom 1. April bis 30. Oktober jeweils am ersten und dritten Sonntag im Monat geöffnet, Führungen gibt es um 14, 15 und 16 Uhr. Führungen von Gruppen ab 10 Personen jederzeit nach Vereinbarung unter Telefon (07503) 1716 oder 597 möglich. Der Eintritt ins Museum kostet vier Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder.

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