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Lindau (Bodensee)
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Mit dem Wasserfarbkasten aufs Konzert

Der Lindauer Sascha Beer malt bei Konzerten Porträts von Bands

Lindau sz Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt. Während die Band Moop Mama ihre Stücke auf der Bühne spielt, ist das Publikum vor der Bühne außer Rand und Band. Die Zuschauer tanzen. Alle, bis auf einen: Sascha Beer packt einen Wasserfarbkasten aus. Ganz langsam beginnt er, zu zeichnen. Während die Menge tobt, porträtiert er Bandmitglied für Bandmitglied.

Beer zeichnet, seit er denken kann. Und er liebt die Musik. Er spielt selbst Gitarre und Bass, ist Mitglied im Zeughausverein. „Ich habe einfach meine beiden Leidenschaften miteinander verbunden“, sagt er. Bei welcher Band er als erstes auf die Idee kam, sie zu zeichnen, daran kann er sich nicht erinnern. „Ich habe mein Skizzenbuch immer dabei. Früher habe ich bei Zugfahrten die Leute im Zug porträtiert.“ Dann, vor etwa eineinhalb Jahren – es muss ein Konzert im Zeughaus gewesen sein – fertigte Beer die erste Zeichnung von einem Musiker. „Ich saß am Rand, hatte einen guten Blick“, erinnert er sich.

Die Bedingungen beim Moop-Mama-Konzert im Club Vaudeville sind nicht so komfortabel: Die Lichteffekte reichen vom psychedelischen Blitzlichtgewitter über vollkommene Finsternis. „Manchmal sind die Lichtverhältnisse schon schwierig“, sagt Beer. Wenn es zu dunkel sei, dann müsse er aufhören zu zeichnen. „Andererseits macht es das auch spannend, weil man dann hinterher erst so richtig sieht, was entstanden ist. Ich lasse den Fehler zu, um den Moment festzuhalten.“

Früher hat Beer seine Skizzen mit dem Bleistift gemacht. Irgendwann ist er auf Aquarellfarben umgestiegen. „Damit kann man den Ausdruck, die Stimmung eines Konzerts einfach besser rüberbringen“, sagt er.

Sascha Beer zieht Aufmerksamkeit auf sich. Einfach nur deswegen, weil er tut, was er gerne tut. „Die Leute beobachten einen oft nur interessiert. Aber man braucht schon Selbstbewusstsein“, sagt er. Mittlerweile könne er die vielen Blicke ganz gut ausblenden.

Musiker sind von Kunst begeistert

Beers Skizzenbuch ist für ihn eine Art Tagebuch, wie er erzählt. Ein Tagebuch, das er aber gerne mit den Protagonisten, die darin vorkommen, teilt. Bei einem Konzert in Winterthur zum Beispiel haben die Securitys mitbekommen, dass Beer die Musiker porträtiert hatte. Kurz darauf stand er hinter der Bühne und präsentierte seine Zeichnungen.

Auch im Club Vaudeville sind die Musiker von Moop Mama begeistert von Beers Kunstwerken. „Das ist der absolute Hammer“, sagt Trompeter Martin Hutter, der sich im Aquarell eines roten Trompetenspielers sofort wiedererkennt. Später bedankt er sich bei „Facebook“ für die Kunst. „Unglaubliches Talent hast du wie man sieht.“

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