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Menschen mit Handicap wollen dazugehören

Bei der achten Tagung der St. Jakobus Behindertenhilfe in Haslach geht es um Teilhabe
Die Teilnehmer der achten Tagung für Menschen mit und ohne Behinderung freuten sich über das Gespräch mit Sozialminister Manfred Lucha (hintere Reihe, Zweiter von links).
Die Teilnehmer der achten Tagung für Menschen mit und ohne Behinderung freuten sich über das Gespräch mit Sozialminister Manfred Lucha (hintere Reihe, Zweiter von links).
Stiller

Haslach sz Die betroffenen Menschen, die sich zur achten Tagung „Wie wollen wir leben?“ bei der St. Jakobus Behindertenhilfe in Haslach trafen, haben deutlich gemacht: Sie wollen als selbstbestimmte Menschen ein Teil unserer Gesellschaft sein. Wie das im Einzelnen aussehen kann, das wurde in verschiedenen Arbeitsgruppen besprochen und dann auch formuliert.

Zu Beginn führte Helmut Johannes Müller, Gesamtleiter der St. Jakobus Behindertenhilfe, den Begriff der Teilhabe verständlich vor Augen: „Wenn ich mit mir zufrieden bin und sich auch das ,Wir’ gut anfühlt, dann gehöre ich dazu.“ Ebenso müsse man sich in der Familie, im Kreis von behinderten und nicht behinderten Leuten, bei gut oder weniger gut Deutsch sprechenden Menschen umschauen. Und Müller zog das Fazit: „Wenn man sich dann als Ich und Wir noch immer wohl und zufrieden fühlt, dann ist das Teilhabe.“

„Es ist toll, dass wir heute miteinander arbeiten, um aus vielen Teilen ein Ganzes werden zu lassen“, sagte Müller und freute sich, als Gastredner Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration in Baden-Württemberg, begrüßen zu können. Dieser bedankte sich zunächst für die Begrüßung von Maya Johnston per „Talker“, hatte aber ebenso herzliche Worte für die Verantwortlichen, die ihn zu dieser Tagung eingeladen hatten. Das Wort „Teilhabe“, so war sich Lucha sicher, sei gar nicht so leicht zu erklären. Und er stellte den Bildern wie „Mitmachen“, „Dabei sein“ und „Jeder hat etwas beizutragen“ die Dinge gegenüber, die eine Teilhabe anstrengend machen: In der Wilhelma die richtige Toilette finden oder mit dem Rollstuhl auf unwegsamem Gelände fahren. „Sie müssen sagen, was Sie brauchen“, appellierte der Minister an die Anwesenden, „nur so können Barrieren, auch die im Kopf, verschwinden.“

Manchmal, so Lucha weiter, seien die Sprache zu schwer und die Bordsteine zu hoch. Und er war sicher: „Gemeinsam können wir etwas verbessern.“ Dafür setze sich letztendlich auch sein Ministerium ein. Um alles noch besser werden zu lassen, benötigten er und sein Team jedoch die Ideen, die Kritik und die Unterstützung der betroffenen Menschen. Am Beispiel der großen Hilfsbereitschaft der Deutschen gegenüber den Flüchtlingen stellte Manfred Lucha fest, „dass Teilhabe gar nicht so schwer ist“. Mit Blick auf das neue Bundesteilhabegesetz sagte er abschließend: „Damit alle selbstbestimmt mitmachen können, braucht es Mut, aber auch das Recht.“

Dann ging es in die Arbeitsgruppen, wo die Tagungsteilnehmer tiefer in die Themen „Sport und Bewegung im Verein“, „Bühne frei“, „Vom Wohnheim zum selbstbestimmten Wohnen“, „Teilhabe am Arbeitsleben“ und „Unterwegs mit Bus und Bahn“ einstiegen.

Begleitet wurden die Gruppen von Bewohnern und Mitarbeitern der St. Gallus-Hilfe, von Michael Konrad, dem Vorstandsmitglied des Dachverbands Gemeindepsychiatrie, von „Inios“-Projektleiter Bernd Heggenberger sowie von Jürgen Fortenbacher von der Fahrerakademie Süd in Ravensburg und von Silke Schiefold, die in der Geschäftsstelle „Inklusionskonferenz“ beim Landratsamt Ravensburg arbeitet. Bei Theaterpädagogin Andrea Sprenger lernten die Teilnehmer zudem, Spaß zu haben, sich ausdrücken zu lernen und sie selbst zu sein.

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