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Meisterwimpel taucht doch noch auf

Akkordeon-Stadtmeister Simon Lauenstein erhält den bisher verschollenen Wimpel
Akkordeon-Stadtmeister Simon Lauenstein (Mitte) darf jetzt den Siegerwimpel mit nach Hause nehmen. Das Akkordeon, dass er stattdessen bei der Meisterschaft erhalten hat, bleibt bei Martin Häffner (rechts) im Harmonikamuseum. Sabine Kölz kümmert sich darum, dass Simon Lauensteins Name ebenfalls auf der Fahnenstange angebracht wird.
Akkordeon-Stadtmeister Simon Lauenstein (Mitte) darf jetzt den Siegerwimpel mit nach Hause nehmen. Das Akkordeon, dass er stattdessen bei der Meisterschaft erhalten hat, bleibt bei Martin Häffner (rechts) im Harmonikamuseum. Sabine Kölz kümmert sich darum, dass Simon Lauensteins Name ebenfalls auf der Fahnenstange angebracht wird.
Larissa Schütz

Trossingen sz Zunächst erfolglos haben Sabine Kölz und Kathrin Gass vom Orchester Hohnerklang nach dem Meisterwimpel der frühreren Akkordeon-Stadtmeister gesucht. Wochen nach der Stadtmeisterschaft ist der Wimpel jetzt allerdings doch aufgetaucht - und am Donnerstag dem diesjährigen Sieger Simon Lauenstein überreicht worden.

Pünktlich zum Jubiläum der Neuauflage der Stadtmeisterschaften hatten die Organisatorinnen Sabine Kölz und Kathrin Gass eine lange gehegte Idee in die Tat umgesetzt: Die Meisterschaft wurde um die Sparte Akkordeon erweitert. Nur der historische Wimpel für den Sieger - der war verschollen.

Ähnlich wie die Geschichte des Meisterwimpels der Mundharmonika-Stadtmeister, den das Orchester Hohnerklang nach einem Zeitungsaufruf auf dem Dachboden der Eltern der letzten Stadtmeisterin fand, ist auch die des Akkordeon-Meisterwimpels: Die Mutter des letzten Stadtmeisters Thomas Lutz hatte von Kölz und Gass’ Suche nach dem Wimpel gelesen. Zuerst brachte sie die Geschichte nicht mit ihrem Sohn in Verbindung, der 1978 die Stadtmeisterschaft gewonnen hat - bis ihr irgendwann der Zusammenhang klar wurde.

Historisch wertvoll

„Thomas Lutz, der Tierarzt in Zürich ist, hat den Wimpel jahrzehntelang bei sich aufbewahrt“, erzählt Martin Häffner, der Leiter des Harominkamuseums. „Ich glaube, er war fast ein bisschen traurig, dass er ihn hergeben musste. Aber der Wimpel ist ja ein Wanderpokal.“ Thomas Lutz sei extra persönlich in die Musikstadt gereist, um den Wimpel zu übergeben.

„Sehr glücklich“ über den Fund ist Häffner - nicht, weil die „Ersatz-Trophäe“, die Simon Lauenstein bei der Siegerehrung erhalten hat, jetzt ins Harmonikamuseum zurückkehrt, sondern, weil der Meisterwimpel wertvolle historische Informationen liefert.

Wie auch beim Wimpel des Mundharmonika-Stadtmeisters, der seit Jahren von Sieger zu Sieger wandert, und beim Melodica-Wimpel, der im Museum ausgestellt ist, wurden die Namen der Gewinner an der Stange angebracht. „Wir haben 2018 eine große Ausstellung zum 125. Geburtstag von Hermann Schittenhelm, dem Gründer des 1. Trossinger Handharmonika-Orchesters“, sagt Häffner. Zu diesem Anlass sollen die Gegenwart und Zukunft sowie die Akkordeongeschichte gezeigt werden. „Ich hoffe, dass wir alle Leute auf dem Wimpel identifizieren und - wenn möglich mit Foto - als Element in die Ausstellung einbinden können“, so Häffner.

Die Meisterwimpel kamen früher übrigens bei den Heimat- und Kinderfesten der 50er- und frühen 60er-Jahre zum Einsatz: Der Stadtmeister lief mit seinem Wimpel stets stolz dem Umzug voran. Man kann es auch ausdrücken wie Martin Häffner: „Die Kings waren die Stadtmeister.“ Die Heimat- und Kinderfeste seien irgendwann daran zugrundegegangen, dass es den Lehrern zuviel Arbeit gewesen sei, mit ihren Schulklassen Themen und Verkleidungen auszudenken und umzusetzen, berichtet Häffner. Er überlegt allerdings, ob man das Fest zum 200-jährigen Harmonikajubiläum nicht wieder ins Leben rufen könnte.

Auch wenn es die Feste nicht mehr gibt, die Begeisterung für den Meisterwimpel ist ungebrochen. Sabine Kölz jedenfalls hat die Erfahrung gemacht, dass es „ein großer Ehrgeiz“ der Mundharmonika-Spieler sei, Stadtmeister zu werden. „Ich hoffe, dass Simon diese Tradition nun auch für die Akkordeonspieler gestartet hat“, sagt sie.

Und Stadtmeister Simon Lauenstein? Der findet es „cool, dass es den Wimpel jetzt wieder gibt.“ Zwar habe ihm auch die Akkordeon-Trophäe gefallen, doch, wie Häffner betont: „Authentischer und historisch wertvoller ist der Wimpel.“

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