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Mehr Jugendwohnheime für Flüchtlinge

250 minderjährige Flüchtlinge werden bis Jahresende erwartet – Sozialpädagogen gesucht
Familie Schroeder aus Kirchdorf hat zwei junge Afrikaner bei sich aufgenommen (von links): Adem Said Osman, Ingrid, Sarah und W
Familie Schroeder aus Kirchdorf hat zwei junge Afrikaner bei sich aufgenommen (von links): Adem Said Osman, Ingrid, Sarah und Wolfgang Schroeder, und Bangaly Sidibe.
Archiv: Tanja Bosch

Biberach sz 100 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Familie gekommen sind, leben derzeit im Landkreis Biberach. Bisher hat es mit der Versorgung und Unterbringung gut geklappt. Doch laut aktueller Zahlen gibt es für Sozialdezernentin Petra Alger und Kreisjugendamtsleiter Edith Klüttig kein Aufatmen: „Bis Jahresende erwarten wir insgesamt 250 UMAs“, sagt Petra Alger.

Ein neues Konzept im Landkreis soll dafür sorgen, dass auch diese große Anzahl an unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) entsprechend betreut, versorgt und untergebracht werden kann. Unter anderem richtet der Kreis sogenannte Jugendwohnheime dafür ein. Denn die UMAs in einer normalen Gemeinschaftsunterkunft mit anderen Flüchtlingen unterzubringen, ist keine Option.

Es geht alles sehr schnell

Ein Großteil wird bisher von den 40 Gastfamilien gestemmt, die es im Kreis gibt. „Aber natürlich sind diese Kapazitäten begrenzt“, sagt Edith Klüttig. Viele Familien hätten bereits zwei Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Zurzeit leben 56 Jugendliche in Gastfamilien. „Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar, die Gastfamilien haben uns über die erste Zeit hinweg gerettet“, sagt Klüttig. Schließlich könne man sich auf die Ankunft der Jugendlichen nicht ausgiebig vorbereiten. „Es kommt ein Anruf und schon sind sie unterwegs zu uns.“ Da gelte es, schnell zu handeln. Wöchentlich kommen zwischen fünf und zehn Jugendlichen im Kreis an.

Neben den Gastfamilien ist auch die Unterstützung der freien Jugendhilfeträger von Bedeutung. „Wir haben bisher viel mit St. Fidelis zusammengearbeitet, aber natürlich sind auch dort Grenzen erreicht“, sagt die Kreisjugendamtsleiterin. Es gebe aber intensive Gespräche mit weiteren freien Trägern. „Doch das ist alles nicht so einfach und geht vor allem nicht so schnell.“ Deshalb sei es jetzt umso wichtiger, dass der Landkreis sich selbst um eigene Angebote kümmert. Dafür sollen mehr Jugendwohnheime eingerichtet werden.

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Neue Jugendwohnheime nötig

Bisher gibt es zum Beispiel ein Haus in der Nähe des Biberacher Bahnhofs, in dem in zwei Wohnungen bereits 13 minderjährige Flüchtlinge zusammenleben. Auch in der Gemeinschaftsunterkunft „Waidägle“ in Ummendorf leben zehn Jugendliche in separaten Räumen. Ähnlich ist dies auch im Oblatenkloster auf dem Mittelberg geplant. Des Weiteren sollen im BSZ-Schülerwohnheim und im Haus Martha im Jordanbad weitere UMAs untergebracht werden. „Wir brauchen aber ganz dringend weitere Jugendwohnheime, wenn wir bis Jahresende 250 UMAs aufnehmen müssen“, so Alger.

Zehn Jugendliche, ein Betreuer

An das Problem, geeignete Räume zu finden, daran hat sich Petra Alger schon fast gewöhnt. „Natürlich ist das immer ein wichtiges Thema.“ Das Hauptproblem sei allerdings derzeit, geeignetes Personal zu finden. „Wir suchen händeringend nach Sozialpädagogen, die sich um die Jugendlichen kümmern“, so die Sozialdezernentin. „Doch der Markt ist sehr beansprucht, alle sind auf der Suche nach Sozialpädagogen und Fachkräften mit ähnlicher Qualifizierung.“

Weitere Gastfamilien gesucht

Der Betreuungsschlüssel für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge liegt bei 1:10. Das heißt für zehn Jugendliche ist ein Betreuer notwendig. Bei 250 Jugendlichen sind das 25 Betreuer. „Eine große Herausforderung, die wir jetzt angehen müssen“, sagt Alger. Dabei dürfe auch nicht vergessen werden, dass auch der Zustrom der erwachsenen Flüchtlinge nicht weniger werde. Momentan leben im Kreis 2719 Menschen in einer Gemeinschaftunterkunft oder einer Anschlussunterbringung.

Wer Interesse daran hat, Gastfamilie zu sein oder sich informieren möchte, kann sich beim Pflegekinderdienst des Kreisjugendamts Biberach melden.

Auskunft gibt es Sabine Epperlein unter Telefon 07351/526517 oder per E-Mail an

sabine.epperlein@biberach.de

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