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Ummendorf (Kreis Biberach)
Lokales

Masthähnchenställe sorgen für Diskussion

Ummendorfer Rat stimmt Baugesuch zu

In Ummendorf sind zwei Ställe für gut 22
000 Masthähnchen geplant.
In Ummendorf sind zwei Ställe für gut 22 000 Masthähnchen geplant.
dpa/Bernd Thissen

Ummendorf mad Auf Häuserner Gemarkung sind, außerhalb des Orts und gegenüber einer bestehenden Biogasanlage, zwei Ställe für je 11 660 Masthähnchen geplant. Der Ummendorfer Gemeinderat hat dem Baugesuch mehrheitlich zugestimmt, wobei ihm lediglich die planungsrechtliche Beurteilung obliegt – in diesem Fall also nach den Worten von Bürgermeister Klaus Bernd Reichert die Feststellung, dass es sich gemäß Paragraf 35 Baugesetzbuch um ein privilegiertes Vorhaben handelt: Da es im Außenbereich liegt und einem landwirtschaftlichen Betrieb dient, gibt es aus planungsrechtlicher Warte keinen Grund für eine Ablehnung.

Für alle anderen Fragen sei die Gemeinde nicht zuständig, sagte der Rathauschef. „Ob der Tierschutz eingehalten wird, prüfen das Landwirtschafts- und das Veterinäramt“, diese würden von der Baurechtsbehörde angehört. Das antwortete Reichert dem Gemeinderat Ulf Politz, der von „Massentierhaltung“ sprach und sagte: „Ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.“ Er und Simon Özkeles stimmten – rechtliche Zuständigkeiten hin oder her – gegen das Vorhaben. Politz rechnete vor, dass einem Hähnchen etwa die Fläche eines Din-A4-Blatts zur Verfügung stehen werde.

Politik legt Vorgaben fest

Reichert sagte, jeder könne für ein politisches Amt kandidieren und auf eine anderes Tierschutzrecht hinarbeiten, aber die Gemeinde sei an Gesetze gebunden. Gemeinderat Alfons Ströbele sagte: „Das Landratsamt wird das prüfen.“ Thomas Dörflinger mahnte ebenfalls, zu trennen, wofür die Gemeinde zuständig sei und wofür die Behörden. Die große Ratsmehrheit stimmte zu.

Bauherr: Mehr Platz als Din A4

Unabhängig von derartigen rechtlichen Erwägungen wollen die Bauherren den Vorwurf der Massentierhaltung auch inhaltlich nicht unkommentiert stehen lassen. Außerhalb der Sitzung sagte Friedrich Hörnle der „Schwäbischen Zeitung“, Ställe großer Hähnchenmäster seien zehnmal so groß wie die in Ummendorf geplanten. Die Fläche pro Hähnchen sei größer als ein Din-A4-Papier, wenn man eine Art „Wintergarten“ außerhalb der eigentlichen Stallfläche einkalkuliere. Die Familie will als Partnerhof für den Ertinger Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Stauß Hähnchen nach dem Schweizer Alpigal-Standard mästen. Schlachter und Partnerhöfe beanspruchen Informationen auf der Stauß-Homepage zufolge für sich, als Teil der Liefervereinbarung mit einer Schweizer Einkaufsgemeinschaft hohe Tierwohl- und Produktionsstandards einzuhalten.

Bei dem Vorhaben sollen Synergien mit der benachbarten Biogasanlage genutzt werden: Mit Abwärme aus der Biogasanlage soll der Hühnerstall beheizt werden; der Hühnermist wiederum dient der Gewinnung von Biogas und ersetzt damit zu einem gewissen Teil Mais als Substrat.

Während die Gemeinde beim Tierschutz außen vor ist, knüpft sie ihre Zustimmung an eine andere Bedingung: Die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung muss der Antragsteller selber herstellen oder per Vereinbarung mit der Gemeinde die Kosten übernehmen.

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