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Markdorf will Bauvorhaben stärker mitgestalten

Beim Neujahrsempfang in der Stadthalle Markdorf spricht Bürgermeister Georg Riedmann über anstehende Projekte

Markdorf sz Markdorf wächst und künftig soll die Stadt stärker mitbestimmen, in welche Richtung die Gestaltung gehen soll – vor allem im Bereich der Innenstadt. Das hat Bürgermeister Georg Riedmann in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang am Samstagvormittag in der Stadthalle angekündigt.

Auf dem privaten Grundstücksmarkt herrsche ein ungeheurer Druck, die Preise seien bisweilen abenteuerlich. Bauträger würden deshalb versuchen, die Grundstücke bis auf dem letzten Quadratmeter zu nutzen, um möglichst wirtschaftlich erfolgreich investieren zu können. „Sicherlich ist dies ein Ergebnis mindestens ebenso großer Nachfrage“, sagte Riedmann. „Das Baurecht gibt uns nur selten eine Handhabe, städtebauliche Fehlentwicklungen zu verhindern.“ Trotzdem sieht er die Möglichkeit für die Stadt, mit Hilfe von drei Werkzeugen stärker Einfluss zu nehmen als bisher. Denn Planungen von Bauherren mit einer Überarbeitung des Bebauungsplans zu kontern, sei teuer, teilweise rechtsunsicher und langwierig.

Zum einen könne die Stadt über städtebauliche Wettbewerbe sowohl die Gestalt als auch die Nutzung festlegen, wenn sie Grundstücke verkauft. Auf diese Weise könnten Quartiere entstehen, die von den Markdorfern als gelungene Weiterentwicklung ihrer Heimatstadt angenommen werden. „Über die Quotierung preisgünstigen Wohnraumes sollen auch jede Menschen dort eine Heimat finden können, die auf dem unregulierten Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben“, sagte er. Diese Möglichkeiten könnten insbesondere in den Bereichen Klosteröschle und Griviten ausgeschöpft werden, solange die Artenschutzuntersuchung dies überhaupt ermögliche. Auch das Rathausareal werde in solche Überlegungen miteinbezogen.

„Stärker Einfluss nehmen“

Für den privaten Markt ist geplant, einen städtebaulichen Rahmenplan zu erarbeiten. Dieser soll für sensible Bereiche Möglichkeiten und Grenzen der innerstädtischen Verdichtung aufzeigen. „Mithilfe eines solchen Rahmenplans können wir auch bei Bauanträgen in Bereichen ohne qualifizierten Bebauungsplan stärker Einfluss nehmen als bislang“, sagte Riedmann.

Darüber hinaus wolle die Verwaltung im Gemeinderat die Einrichtung eines sogenannten Gestaltungsbeirats anregen, wie er in der Landesbauordnung Baden-Württemberg vorgeschlagen wird. „In diesem Beirat können größere Bauvorhaben und Bauvorhaben von besonderer Bedeutung auch jenseits der rein baurechtlichen Betrachtung bewertet und gemeinsam mit den Antragstellern optimiert werden“, sagte der Bürgermeister. Grundvoraussetzung sei eine neutrale, aber kompetente Besetzung dieses Beirats.

In absehbarer Zeit wird sich die Stadt auch mit der Weiterentwicklung am Bahnhof beschäftigen müssen. Denn der Bahnhof, den die Stadt der Deutschen Bahn aus strategischen Gründen abgekauft hat, sei nicht nur denkmalgeschützt, sondern auch komplett unsaniert. Darüber hinaus habe sich die Bahn bestimmte Rechte im Grundbuch eintragen lassen. Für dieses Projekt könne er sich vorstellen, einen Investor zu finden, der das Gebäude saniert und die Nutzungswünsche der Stadt berücksichtigt. Denkbar wäre es, dass dieser Investor auch das angedachte Parkhaus baut, was den Mangel an Parkplätzen in diesem Bereich entschärfen würde.

Leitung muss ausgebaut werden

Große Aufgaben warten 2018 auch in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Die Leitung des Abwasserzweckverbands Lipbach-Bodensee zur Kläranlage in Immenstaad stoße an ihre Kapazitätsgrenzen und müsse ausgebaut werden. Außerdem sei ein gangbarer Weg zur Entwässerung und zur vollständigen Erschließung von Möggenweiler gefunden worden. „In diesem Jahr werden wir die Werkplanung vornehmen und können ab 2019 mit der Realisierung beginnen“, sagte Riedmann. Die Anwohner sollen in den kommenden Monaten eingeladen werden, die Pläne kennenzulernen. Außerdem soll eine sinnvolle und für alle akzeptable Abgrenzung von Bauabschnitten besprochen werden.

Einen Teil seiner Ansprache widmete er auch dem Bischofsschloss. Er betonte, dass sich ein Hotel dieser Größe vor dem Hintergrund der notwendigen Sanierungen kaum wirtschaftlich betreiben ließe. Außerdem sei es keine Aufgabe der Stadt, ein Hotel zu betreiben.

Nach Riedmanns Ansprache ergriff Brigitte Kühlburger als offizielle Vertreterin der französischen Partnerstadt Ensisheim das Wort. Sie übermittelte ihre guten Wünsche und berichtete, wie sich Ensisheim entwickelt und brachte damit die Zuhörer zum Staunen. Die Partnerstadt entwickelt derzeit ein neues Quartier mit 500 Wohnungen und will damit Raum für 1200 bis 1500 neue Einwohner schaffen, sodass die Einwohnerzahl voraussichtlich auf 9000 steigen wird. Vergangenes Jahr habe die Stadt ein Gewerbegebiet geschaffen, wo vier große Betriebe ansiedeln. Darüber hinaus will Ensisheim 2019 einen 100 Hektar großen Gewerbepark schaffen. Die Vorbereitung laufen.

Fraktionsvorsitzende sprechen

Für eine Premiere sorgten die Fraktionsvorsitzenden aus dem Gemeinderat. Wie Dietmar Bitzenhofer (Freie Wähler) berichtete, habe die stellvertretende Bürgermeisterin Martina Koners-Kannegießer einen Teil ihrer Redezeit für die vier Stadträte zur Verfügung gestellt. Auf die Stadt warte eine Fülle zu meisternden Projekten, sagte Bitzenhofer auch mit Blick auf das Bischofsschloss. Doch in der jüngeren Stadtgeschichte seien ähnlich große Projekte erfolgreich abgearbeitet worden. „Dabei war das Stadtsäckel nicht immer so gut gefüllt“, sagte er. Außerdem sei die Pro-Kopf-Verschuldung von Jahr zu Jahr reduziert worden. Notfalls sei eine Kreditfinanzierung möglich. Er forderte die Bürger auf, solche Projekte zu begleiten, „gerne auch kritisch“, sagte er. Ähnlich äußerten sich seine Ratskollegen.

Martina Koners-Kannegießer betonte ihn ihrer Ansprache die gute Zusammenarbeit von Gemeinderat, Verwaltung und Bürgermeister, bevor sie die Neujahrsbrezel präsentierte. „Sie ist weich im Kern und knackig im Biss – genauso wie Ihr Gemeinderat“, sagte sie, bevor im zweiten Teil des Neujahrsempfangs Markdorfer Bürger für ihr Engagement geehrt wurden, sei in Vereinen, im Sport oder in den Schulen. Beim Stehempfang im Anschluss an den offiziellen Teil war Gelegenheit, von der Neujahrsbrezel zu kosten oder bei Häppchen und Wein ins Gespräch zu kommen.

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