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Lindau (Bodensee)
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Maler, Bauhaus-Künstler und Lehrer

Historischer Verein widmet sein 54. Neujahrsblatt dem Universalkünstler Georg Muche
Axel Paul, Werner Stuhler und Michael Kiss (von links) präsentieren im Gewölbesaal das neueste Neujahrsblatt, dessen 54. Ausgabe der historische Verein dem Künstler Georg Muche gewidmet hat.
Axel Paul, Werner Stuhler und Michael Kiss (von links) präsentieren im Gewölbesaal das neueste Neujahrsblatt, dessen 54. Ausgabe der historische Verein dem Künstler Georg Muche gewidmet hat.
Isa

Lindau sz Rechtzeitig zu Weihnachten hat der Historische Verein einem großen Publikum im Gewölbesaal sein neuestes Neujahrsblatt präsentiert. Es ist das 54., und es ist Georg Muche gewidmet. Einem künstlerischen Multitalent des 20. Jahrhunderts, das viele Jahre seines Lebens in Lindau verbracht hat und hier gestorben ist. Den Umstand, dass sich dessen Todesjahr heuer zum 30. Mal jährt, und die Tatsache, dass in Lindau praktisch nichts an den bedeutenden Künstler erinnert, hat der Verein zum Anlass für diese posthume Hommage genommen.

Die Landschaft, der See und die Natur waren es, die Georg Muche 1960 von Krefeld an den Bodensee zogen und bis zu seinem Tod 1987 zuerst in Hege, dann in Lindau, leben ließen. Ein Entschluss, den der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Universalkünstler selbst als „die entschiedenste Veränderung meines Lebens“ bezeichnet hatte. „Doch nun erinnert nichts mehr an Georg Muche“, sagte Michael Kiss, Vorsitzender des Historischen Vereins, den über hundert Interessierten, die zur Präsentation des 54. Neujahrsblattes in den Gewölbesaal gekommen waren. Darunter zahlreiche Zeitzeugen und Wegbegleiter des Malers, Grafikers und Hochschullehrers, dessen Grab auf dem neuen Aeschacher Friedhof 2007, nach Ablauf der Ruhezeit, aufgelöst wurde.

Dass er nicht vergessen wird, und damit die Lindauer jenen Künstler, dessen im Bauhausstil errichtetes „Haus am Horn“ in Weimar heute zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, kennenlernen, dafür hat nun der Verein mit der Herausgabe seines Neujahrsblattes gesorgt. Unter dem Titel „Der junge Künstler und das Bauhaus“ hat Axel Paul den ersten Teil „Georg Muche: Vom Bauhaus zum Bodensee“, verfasst. Darin beschreibt der als einer der profundesten Kenner Muches geltende Lindauer dessen prägendste Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau.

Mit der Zeit nach 1927 und damit auch mit Muches Lindauer Jahren, hat sich hingegen Ulrich Kleiner befasst. Im Kapitel „Ein künstlerisches Multitalent im 20. Jahrhundert“ beleuchtet der ehemalige Lindauer Rechtsanwalt die Frage, wie Muche, als eigentlich entartet geltender Künstler, die Nazizeit überstanden hat. Darüber hinaus geht Kleiner darin auch auf Muches Zeit in Lindau ein und führt dabei die Absurdität vor Augen, dass sich die städtische Erinnerung auf den „Georg-Muche-Raum“ im Cavazzen beschränkt, dessen Zutritt dem Publikum jedoch seit Jahren aus baupolizeilichen Gründen verwehrt ist.

Gegenständliche Bilder

Damit die Kunstinteressierten nicht warten müssen bis der Cavazzen saniert und damit auch der „Muche-Raum“ betretbar ist, zeigt der vierte Teil der Neujahrsschrift derweil die zehn „Lindauer“ Werke. Kleiner war es auch, der das Interview mit Werner Stuhler führte, das wiederum den dritten Teil des Neujahrsblattes ausmacht. Darin berichtet der Fotograf über seine Beziehung zu Muche und dessen Einfluss auf seine Fotografie. Erinnerungen, die Stuhler am Abend der Präsentation mit den Besuchern teilte, als er ihnen davon erzählte, wie Muche eines Tages vor seiner Tür im Haus zum Baumgarten stand und den Fotografen um eine schwarz-weiß Reproduktion eines seiner Bilder bat und wie sich daraus eine 27 Jahre andauernde Beziehung entwickelte.

Die Rolle des Gesprächspartners hatte an diesem Abend Michael Kiss übernommen. Denn Kleiner ist heuer, just nach der Fertigstellung seines Manuskriptes für das Neujahrsblatt, plötzlich verstorben. Sein Tod war auch der Grund, warum Axel Paul die Präsentation des Neujahrsblattes übernommen hatte und die Besucher von ihm erfuhren, worin die Bedeutung von Muches vielfältigem Oeuvre für die Kunstwelt liegt. Denn als „einer der bedeutendsten Universalkünstler des 20. Jahrhunderts“, hat Muche, wie Paul erklärte, zuerst abstrakte, später dann auch verstärkt gegenständliche Bilder geschaffen und war zudem „ein prägender Kunstpädagoge, ein kreativer Designer und ein innovativer Architekt“.

Das 54. Neujahrsblatt von Ulrich Kleiner und Axel Paul mit dem Titel „Georg Muche: Vom Bauhaus an den Bodensee. Der junge Künstler und das Bauhaus. Ein künstlerisches Multitalent im 20. Jahrhundert“, erschienen im Allitera Verlag, ist in den Lindauer Buchhandlungen erhältlich und kostet 19, 90 Euro.

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