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Mähen gegen das Insektensterben

Stadt Ulm plant 50 000 Euro für die Pflege von Wiesen ein - Naturschützer mit Vorschlag
Dieses Bild einer gemähten Wiese will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vermeiden: Derzeit werden aus Kostengründen meistens Mulcher eingesetzt. Dabei wird das Gras häufig und kurz geschnitten, das Mähgut bleibt liegen. Doch durch diese Methode werden die Wiesen ungesund und fett gedüngt. Zudem sterben der Umweltschutz-Organisation zufolge bei dieser Art des Mähens wesentlich mehr Schmetterlinge, Hummeln oder Heuschrecken als bei anderen Methoden.
Dieses Bild einer gemähten Wiese will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vermeiden: Derzeit werden aus Kostengründen meistens Mulcher eingesetzt. Dabei wird das Gras häufig und kurz geschnitten, das Mähgut bleibt liegen. Doch durch diese Methode werden die Wiesen ungesund und fett gedüngt. Zudem sterben der Umweltschutz-Organisation zufolge bei dieser Art des Mähens wesentlich mehr Schmetterlinge, Hummeln oder Heuschrecken als bei anderen Methoden.
KN

Ulm sz Das Insektensterben hat in den vergangenen Monaten nicht nur Umweltschützer alarmiert. Geht es nach dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sollen die Kommunen mithelfen, diese Entwicklung aufzuhalten. Einen Schritt auf diesem Weg ist die Stadt Ulm bereits gegangen. Der Gemeinderat hat im Haushalt 50 000 Euro für die Pflege von Wiesenflächen im kommenden Jahr eingeplant. Martin Denoix, Vorsitzender des BUND-Kreisverbands Ulm, hat eine genaue Vorstellung, wie das Geld eingesetzt werden soll. Ein Großteil werde wohl für den Abtransport von Mähgut benötigt.

Die Naturschützer machen eine einfache Rechnung auf. Wenn Flächen gedüngt werden, wächst das Gras fetter. Dann werden seltenere Pflanzen verdrängt. Dadurch fehlt den Insekten die Nahrung und weil die Insekten weniger werden, bekommen die Vögel Probleme. „Wir sehen das Insektensterben als Artensterben an und für sich“, sagt Ulrich Müller, der Regionalvorsitzende des BUND Donau-Iller. Denn die Insekten seien eigentlich die stabilste Gruppe der Lebenwesen.

Flächen seltener als bisher mähen

Damit die Wiesen nicht zu stark gedüngt werden, sollen sie seltener und anders gemäht werden, sagt Müller. Derzeit werden aus Kostengründen meistens Mulcher eingesetzt. Dabei wird das Gras häufig und kurz geschnitten, das Mähgut bleibt liegen. Doch durch diese Methode werden die Wiesen gedüngt. Zudem sterben der Umweltschutz-Organisation zufolge bei dieser Art des Mähens wesentlich mehr Schmetterlinge, Hummeln oder Heuschrecken als bei anderen Methoden. Geht es nach den Naturschützern, werden bestimmte Flächen in Ulm in Zukunft viel seltener gemäht, das geschnittene Gras soll dann weggebracht werden.

Das ist aus verschiedenen Gründen teurer. Zum einen, weil derzeit niemand Bedarf an dem Grüngut habe. Zum anderen, weil die Arbeiter nicht all Flächen auf einmal schneiden können, sondern immer zum jeweils richtigen Zeitpunkt kommen müssen. Eine Karte, auf der geeignete Gebiete markiert sind, hat der BUND bereits bei der Stadtverwaltung abgegeben. Zu den Flächen zählen zum Beispiel ein 50 Meter breiter Grasstreifen an der Eberhard-Finck-Straße in der Nähe des Fernbusbahnhofs Böfingen, ein Gebiet im Lehrer Tal und verschiedene parkähnliche Abschnitte in der Stadt. Dort genügt es aus Denoix’ Sicht, das Gras rund um Spiel- und Bolzplätze zu mähen. Dort, wo niemand spiele oder einen Hund spazieren führe, könne man das Gras auch wachsen lassen.

Die Naturschützer setzen noch weitere Hoffnungen in Ulm und andere Städte und Gemeinden. Die Kommunen verpachten Flächen an Landwirte. Das könnte in Zukunft mit Auflagen verbunden werden, schlagen die Umweltschützer vor. Zum Beispiel könne man Bauern vorschreiben, einen zwei Meter breiten Streifen am Rand der Äcker und Wiesen von Dünger und Pestiziden freizuhalten, damit dort Pflanzen blühen können. Ulrich Müller will die Landwirte auch direkt bitten, etwas weniger genau zu sein und Randstreifen zum Schutz der Umwelt nicht zu düngen und nicht flächendeckend zu mähen.

Unter der Federführung des BUND ist ein Aktionsbündnis gegründet worden, das gegen das Artensterben kämpfen und dabei Kommunen und Landwirte ins Boot holen will. Doch auch Privatleute könnten sich einbringen, fordern die Umweltschützer. Denoix berichtet, er sei erst vor kurzem im Lehrer Tal spazieren gegangen und regelrecht erschrocken: sogenannte Steingärten nähmen dort immer stärker zu. Vorgärten würden mit Schotter statt mit Pflanzen gefüllt.

Diese Gärten seien aber nur auf den ersten Blick pflegeleichter. Auf Dauer nehme Unkraut dort überhand, die Steingärten wirkten ungepflegt, sagt Müller. Denoix ergänzt: „Wir mühen uns ab, dass Flachdächer begrünt werden und dann entstehen Kiesflächen vor den Häusern. Das ist doch paradox.“

Besitzer von Steingärten informieren

Die Umweltaktivisten überlegen, im kommenden Jahr Info-Flugblätter in Haushalten zu verteilen – und vielleicht sogar zu klingeln, wo Steingärten besonders auffällig und häufig sind. Denn mit den richtigen Pflanzen könne der Lebensraum für Tiere erhalten werden und das Klima im Kleinen verbessern: Im Schatten eines Baumes können die Temperaturen der Umweltschutz-Organisation zufolge vier bis sechs Grad niedriger sein als in einem Schottergarten.

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