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Riedlingen (Donau)
Lokales

Lichterumzug für das Riedlinger Krankenhaus

Bürger stehen zu ihrer wohnortnahen Klinik
Solidarität mit dem Riedlinger Krankenhaus.
Thomas Warnack

Riedlingen sz Es gab am Dienstagabend die unterschiedlichsten Beweggründe für die Menschen sich vor der Riedlinger Klinik zu versammeln. Angst, dass die Klinik geschlossen wird, Betroffenheit, aber auch Hoffnung auf Fortbestand.

So mancher hatte auch eine ordentliche Wut im Bauch und machte der Luft. Von „Ausverkauf“ war die Rede, von „Veräppelung der Bürger“. Sie alle hatten sich gemeinsam auf den Lichterweg gemacht, um ihre Solidarität zur Klinik und zum Personal zu zeigen - mit Kerzen, Lampions und Fackeln.

Trotz Schneeregens zogen sie von der Kirche zur Klinik. Hartmut Pernice von der Bürgerinitiative brachte die Teilnehmer auf den neuesten Stand. Am Nachmittag hatten sich die Interessengruppen mit den beiden Bietern getroffen. Helios legte zwei Konzepte vor. Das eine sieht einen Neubau in Biberach vor und die Schließung der beiden Häuser in Riedlingen und Laupheim – bereits Ende 2013. Buhrufe aus den Zuhörerreihen. Das zweite Helios-Konzept beinhaltet, unter Bezuschussung durch den Landkreis, dass die Kliniken in Riedlingen und Laupheim bis 2017 geöffnet bleiben. „Diese Chance sehe ich als sehr klein an“, so Pernice.

Im Sana-Konzept stehe ebenfalls ein Neubau in Biberach, allerdings will Sana die anderen Häuser mindestens bis 2017 geöffnet halten. „Wir sind für Sana“, so Pernice, „auch wenn es keine definitive Zusage ist, ist es für uns eine Chance.“

Schöner Start ins Leben

„Ich stehe hier als junger Vater“, sagte Michael Laupheimer. Seine beiden Kinder wurden in der Klinik geboren und das Personal habe den Kleinen einen schönen Start ins Leben geboten. Er appellierte an die Politiker sich für die Menschen in der Raumschaft zu entscheiden. Auch Olaf Stolze, der vor 20 Jahren nach Riedlingen kam und noch im Krankenhaus arbeitet, sprach von Menschlichkeit und forderte: „Sagt ja zum Riedlinger Krankenhaus“.

„Ich weiß zu schätzen, dass das Riedlinger Krankenhaus 365 Tage im Jahr geöffnet hat“, sagte Dr. Hanspeter Schreijäg, der in Riedlingen seit 30 Jahren als niedergelassener Arzt tätig ist. Die Menschen würden medizinisch gut versorgt und vom Personal aufopferungsvoll gepflegt. Als Ulrich Hirsch aus Heiligkreuztal von seiner Nachbarin Klara erzählte, hatte so mancher einen Kloß im Hals. Klara opferte sich Zeit ihren Lebens für ihren Bruder auf, war im Alter allein und musste über 80-jährig ins Krankenhaus. Die Nachbarn besuchten die alte Frau – oft. Als sie zur Reha nach Biberach musste, waren die Besuche zwangsläufig weniger häufig. Schlimm für Nachbarin Klara. „Es gibt viele Klaras in Riedlingen“, erinnerte Hirsch. Die Kreisräte stimmen am 14. Dezember ab zwischen Pest und Cholera. Das müssten sie nicht, so Hirsch, es gebe keine Verpflichtung zu privatisieren.

Pfarrer Walter Stegmann sprach für alle Seelsorger, die ins Krankenhaus kommen – zu Besuchen bei den Kranken, zur Krankensalbung und auch um am Bett zu sitzen und einem Sterbenden die Hand zu halten. Kurze Wege machten es möglich, dass diese Besuche stattfinden. Der Heilungsprozess würde beschleunigt. Allen, die am 14. Dezember die Entscheidung zu fällen haben, legte er nahe: „Es darf nicht nur um die Wirtschaftlichkeit gehen. Es geht hier um die Menschen – um die, die hier gesunden und um die, die hier arbeiten.“ Den Lichterweg-Teilnehmern empfahl er: „Zeigen Sie am 14. Dezember Präsenz.“

14. Dezember, Kreistagssitzung in Aßmannshardt, die Bürgerinitiative bietet einen kostenlosen Bustransfer. Anmeldung unter Telefon 07371/1840

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