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Lehrermangel ein „hausgemachtes Problem“

GEW-Kreisverband verabschiedet Resolution zur besseren Bezahlung der Primarstufe
Die GEW fordert, dass Lehrkräfte an Grund- und Hauptschulen besser bezahlt werden.
Die GEW fordert, dass Lehrkräfte an Grund- und Hauptschulen besser bezahlt werden.
Peter Steffen/DPA

Tuttlingen sz Der Tuttlinger Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat am Montag eine Resolution verabschiedet, in der er die bessere Bezahlung von Grund- und Hauptschullehrern im Land Baden-Württemberg fordert. In ganz Deutschland sind die Kreisverbände derzeit aufgerufen, für diese Forderung verschiedene Aktionen zu starten.

Die Tuttlinger brachten daher die Resolution auf den Weg, die etwa an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), Finanzministerin Edith Sitzmann, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Bündnis 90/Die Grünen), aber auch an den Tuttlinger Landtagsabgeordneten und Justizminister Guido Wolf (CDU) sowie die Betreuungsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP für den Kreis Tuttlingen und die Bildungspolitischen Sprecher der Parteien ging.

„Alle sind voll ausgebildete Lehrkräfte, die auch die gleiche Besoldungsstufe erhalten sollten“, sagt der GEW-Kreisvorsitzende Günther Thum-Störk bei einem Pressegespräch am Dienstag. Die GEW fordert daher, dass die Grund- und Hauptschullehrer so eingruppiert werden wie etwa Realschul- oder Gemeinschaftsschullehrer. Während Erste nach A 12 (Beamte) oder E 11 (Angestellte) bezahlt werden, bekommen Zweite A 13 oder E 13. Der Unterschied laut Thum-Störk: rund 600 Euro im Monat.

25 000 Lehrer betroffen

Hochgerechnet bedeutet die Forderung laut GEW eine finanzielle Belastung für den Haushalt des Landes Baden-Württemberg von 50 bis 70 Millionen Euro. „Offizielle Zahlen gibt es nicht“, sagt Thum-Störk. Schließlich ist der Gewerkschaft nicht bekannt, welches Stundendeputat die insgesamt 29 000 Lehrkräfte an den Grund- und Hauptschulen im Land besitzen. Er geht davon aus, dass 25 000 von ihnen befördert werden müssten. „Bei 20 Prozent ist das in der Vergangenheit unter der CDU-Regierung passiert“, betont er.

Für das Land Baden-Württemberg entstehe laut des GEW-Kreisvorsitzenden derzeit eine Drucksituation, da Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sich, auch aufgrund des Lehrermangels an den Grundschulen, für eine Bezahlung von A 13/E 13 bei Grund- und Hauptschullehrern entschieden haben: „So könnten Spannungen auf dem Arbeitsmarkt entstehen“, sagt er. Die ungleiche Bezahlung sei bei den Lehrern jedenfalls ein „großes Thema“.

GEW-Pressereferent Frieder Schray berichtet, dass eine Expertenkommission, die 2013 von der damaligen grün-roten Landesregierung eingesetzt worden ist, sich dafür ausgesprochen habe, die Lehrer gleich auszubilden. Dem wurde zum Wintersemester 2015/16 auch Rechnung getragen, als alle Studiengänge fürs Lehramt auf zehn Semester ausgeweitet wurden – mit Ausnahme von Primarstufe und Hauptschullehramt, die weiterhin acht Semester betragen: „Daher ist der Studiengang für die Grund- und Hauptschule nicht mehr attraktiv, da die Lehrer in der Sekundarstufe direkt mit A 13 besoldet werden“, sagt Schray. Für ihn sei der aktuelle Lehrermangel vor allem an den Grundschulen im Land aus diesem Grund ein „hausgemachtes Problem“.

Kein Interesse an Primarstufe

Für Till Haendle, Rektor der Tuttlinger Karlschule und GEW-Personalrat, ist es daher nicht verwunderlich, dass bei der Berufsberatung die jungen Leute vor allem Interesse an den weiterführenden Schulen zeigen würden: „Bei den Grundschulen überbrücken sie die Zeit, bis sie bei der Sekundarstufe I Informationen bekommen können“, sagt er. In den Köpfen sei bereits verankert, dass man als Lehrer an der Grund- und Hauptschule weniger verdiene. Er plädiert dafür, die Studienzeit für die Primarstufe ebenfalls um zwei Semester zu verlängern, etwa für Mathematik oder Deutsch: „Mehr Zeit in die Ausbildung zu stecken, wäre der richtige Weg“, meint Haendle.

„Baden-Württemberg hält grundsätzlich an der differenzierten Besoldung für die unterschiedlichen Lehrämter fest“, schreibt das Kultusministerium am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Das Land würde aber Aufstiegsmöglichkeiten für Haupt- und Werkrealschullehrkräfte mit alter Lehramtsausbildung schaffen, die bereits nicht mehr an Haupt- oder Werkrealschulen eingesetzt werden, sondern an Realschulen, an Gemeinschaftsschulen oder an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren tätig sind oder dort bereits konkret eingeplant sind: „Für sie haben wir ein Weiterqualifizierungsprogramm geschaffen, das bereits angelaufen ist und vom Land mit rund 38 Millionen Euro finanziert wird. Schrittweise sollen damit in den kommenden Jahren rund 5000 Lehrer für die neue Laufbahn weiterqualifiziert werden und in Konsequenz von der höheren Besoldung nach A 13 profitieren können.“

Neu ausgebildete Lehrkräfte mit Befähigung für das Werkreal-, Haupt- oder Realschullehramt würden ohnehin bereits nach A 13 besoldet. „Eine generelle Höhergruppierung aller nach A 12 besoldeten Grund- und Hauptschullehrkräfte wäre mit einer jährlichen Zusatzbelastung für den Landeshaushalt in einer Größenordnung von rund 200 Millionen Euro verbunden.“

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