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Veringenstadt
Lokales

Lehrerin meldet sich auf Anzeige

Personalmangel an der Veringer Schule kann behoben werden – Gymnasiallehrerin schult um

Für die Grundschule Veringenstadt ist eine neue Lehrerin gefunden. Kathrin Hauptmann (Dritte von rechts) übernimmt die Stelle. Auf dem Foto (von links): Schulleiterin Waltraud Mauz, Daniela Steinhart, Andrea Branz sowie Bürgermeister Armin Christ und Cathrin Kolosinski.
Für die Grundschule Veringenstadt ist eine neue Lehrerin gefunden. Kathrin Hauptmann (Dritte von rechts) übernimmt die Stelle. Auf dem Foto (von links): Schulleiterin Waltraud Mauz, Daniela Steinhart, Andrea Branz sowie Bürgermeister Armin Christ und Cathrin Kolosinski.
Judith Gauggel

Veringenstadt sz Die Suche nach einem Lehrer für die Grundschule Veringenstadt ist geglückt: Obwohl sie nicht zuständig ist, hatte die Stadtverwaltung aus der Not heraus zusammen mit dem Schulförderverein eine Stellenanzeige geschaltet und die Initiative selbst ergriffen (die SZ berichtete). Die Suche wurde in den sozialen Netzwerken groß diskutiert. Die neue Lehrerin heißt Kathrin Hauptmann, ist studierte Gymnasiallehrerin, arbeitete nebenher als Tagesmutter, ist selbst Mutter von zwei kleinen Kindern und wohnt in Inneringen. Sie las die Stellenanzeige und ihr erster Gedanke war: „Ist das ernst gemeint?“ Sie suchte die Anzeige auch auf der landeseigenen Online-Plattform für offene Lehrerstellen, die dort aber nicht mehr zu finden war. Daraufhin bewarb sie sich auf die ungewöhnliche Anzeige.

„Die Einstellungschancen für Gymnasiallehrer waren in diesem Jahr wegen Grundschullehrermangel hoch – publiziert wurde dies aber auf kleinem Weg“, sagt die Lehrerin. Sie habe daraufhin das Regierungspräsidium angerufen, um zu erfahren, ob eine Weiterbildung für ein halbes Deputat der Grundschule auf drei Jahre verteilt möglich wäre. Das Regierungspräsidium habe daraufhin mit einem klaren „Nein“ geantwortet. „Frisch ausgelernt und man möchte gerne arbeiten und wird dann so ausgebremst“, sagt die Lehrerin weiter. Auf Nachfrage teilt das Kultusministerium jedoch mit, dass grundsätzlich eine Qualifizierung mit einem halben Deputat möglich ist. Zwischenzeitlich konnte sie die familiäre Situation anders lösen und kann jetzt mit einem vollen Deputat anfangen.

Drei Bewerber melden sich

Auf die Stellenanzeige hin haben sich drei Bewerber gemeldet. Die Wahl fiel schnell auf Kathrin Hauptmann, die beginnen wird, sobald ihre Vorgängerin in Mutterschutz geht. Hauptmann darf laut Schulamt aber erst eine Woche vor Beginn des Mutterschutzes eingearbeitet werden. Das ist ein kurzer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass bei einer Schwangeren nie ein genaues Datum festgelegt werden kann. Bürgermeister Armin Christ sagt: „Das Schulamt wird von Bedenkenträgern regiert, die nicht lösungsorientiert arbeiten, sondern alles erst mal ablehnen, was man ihnen vorschlägt. Sie hätten in dieser großen Notsituation ihre alten Pfade verlassen müssen.” Um sie rechtzeitig einarbeiten zu können, ist Hauptmann vorübergehend in der Schülerbetreuung durch einen Ehrenamtsvertrag beschäftigt, der ihr die Möglichkeit gibt, das Schulleben kennenzulernen.

Michael Gomolzig vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) findet die Idee mit der Anzeige originell und sie könnte Einfluss auf die Politik nehmen, zumindest zum Nachdenken anregen. Er sagt: „Der VBE hat schon sehr früh immer wieder auf die Bedeutung der Grundschule hingewiesen. Gerade der Bereich der am schlechtesten bezahlt wird, weist den größten Mangel auf.“ Deshalb müsse das Land eine höhere Bezahlung von Grundschullehrern beschließen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kann die Initiative der Eltern nachvollziehen. Pressesprecher Matthias Schneider sagt: „Es ist ein jämmerliches Armutszeugnis der Landespolitik und es ist das Versäumnis der vergangenen beiden Landesregierungen. Sie haben es versäumt die Studienkapazitäten auszubauen und dieser Sparpolitik wird alles andere untergeordnet.“

Quereinsteiger berücksichtigen

Die Landesregierung sollte durch diese Aktion wachgerüttelt werden, sagt Waltraud Mauz, kommissarische Leiterin der Grundschule in Veringenstadt.

Eine Möglichkeit diesen Missstand zu beheben wäre, Quereinsteigern den Beruf des Lehrers schmackhaft zu machen. Nach Meinung der Anwesenden hilft diese Initiative, damit sich etwas verändert und das Fundament Grundschule wieder an Bedeutung gewinnt. In Veringenstadt fehlt es jetzt also nur noch an einem Sportlehrer.

Das Beispiel könnte also im wahrsten Sinne des Wortes „Schule machen“.

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Kommentare (3)
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Warum ist für die Schule in Veringenstadt eine kommissarische Leiterin verantwortlich? Muss die Stelle der Schulleitung ebenfalls neu besetzt werden?

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Bürgermeister Armin Christ sagt: „Das Schulamt wird von Bedenkenträgern regiert, die nicht lösungsorientiert arbeiten, sondern alles erst mal ablehnen, was man ihnen vorschlägt.-- Die Namen der übrigen Bewerber könnte man dem Schulamt mitteilen, damit andere Schulen ihre Personalnot lindern können! mehr

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Nach dem "Modell Veringenstadt" wird man künftig auch nach Schulleitungen Ausschau halten müssen.

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