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Laut, bunt und verschieden

Künstler zeigen im Fallenbrunnen die ganze Bandbreite ihres Könnens

Friedrichshafen sz Open-Air-Kino, ein Poetry Slam, die Aufführung eines kurzen Theaterstücks der Bodenseeplayers, eine Führung, eine Lesung, Performances, immer wieder Musik und viel Raum für Gespräche: Das alles bot das erste FAB-Festival vom 21. bis 24. September, bei dem sich der Fallenbrunnen (kurz: FAB) von seiner besten und buntesten Seite präsentierte.

Einladend geschmückt und beleuchtet empfing der Innenhof der Caserne die Besucher, dort aufgebaut: ein vielseitiger Skulpturengarten. Ganz vorne aufbaut: Zwei Torsi, weiblich und männlich, moosbewachsen, verwittert. „Es wirkt so, als seien sie schon immer hier. Das finde ich toll.“, erklärte uns deren Erschafferin Maximiliane Creutzfeldt, deren Material der Ton ist. „Der ist vielseitig und lässt sich in jede Form bringen.“ Schräg gegenüber ruhen zwei Knospen aus Holz auf dem Rasen, die eine hell, die andere schwarz. „Das sind Kettensägearbeiten“, schilderte Hannelore „Hanni“ Bucher, die erst vor fünf Jahren die Bildhauerei für sich entdeckt habe. Zuvor habe sie sich der Malerei gewidmet. Auf ein Material sei sie nicht festgelegt, und auch nicht auf eine Bearbeitungsweise. Markus Meyer hingegen hat sich dem Stahl verschrieben, weil er hart sei und doch biegsam, schmelz- und flexbar. „Ich arbeite mit Dingen, die ich finde und die bereits eine Geschichte haben“, verriet er uns. Durch seine künstlerische Arbeit verleihe er ihnen eine neue Funktion und hauche ihnen ein anderes neues Leben ein. Aus Doppelträgern etwa habe er den Kameraden gebaut, eine große Skulptur, die zum Anlehnen da sei, jemanden mit einer gewissen Stärke verkörpere, so führte der Künstler im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ aus.

Doch damit nicht genug mit der Kunst, die Skulpturenausstellung setzte sich in der Plattform 3/3 fort, wo auch Gemälde und Collagen unter dem Motto „Hier und jetzt“ als Gruppenausstellung der KG See zu sehen waren.

Jürgen Weing, der die dazugehörige Vernissage in seiner ganz eigenen Art textlich begleitet hat, las am darauffolgenden Tag im Produktionsraum – zumindest wurde der Programmpunkt als Lesung angekündigt. Plattform 3/3-Leiterin Erika Lohner, die wie die meisten Anwohner etwas zum Programm beigetragen hat, formulierte es hingegen so: „Das ist ein bisschen was Verrücktes.“ und meinte diese Schilderung durchaus positiv.

Auch sonst ging es bei diesem Festival wenig konventionell zu, die Zuschauer folgten meist gar keinen genauen Programmpunkten, sondern schlenderten über das Gelände, schauten hier und da hinein, wenn eine Tür geöffnet war und ließen sich begeistern.

Auf die offizielle Eröffnung des Festivals durch Claus-Michael Haydt von der Kulturhaus Caserne gGmbH, Bürgermeister Andreas Köster und Sylvio Godon vom Kulturforum Fallenbrunnen folgte ein Poetry Slam unter der wortgewandten Leitung von Marvin Suckut. „Ein Poetry Slam ist fast die einzige Veranstaltung, die man erklären muss, bevor sie losgeht.“, entführte er das Publikum in das Regelwerk des Formats, das auf drei Eckpfeilern beruht: es muss ein selbst geschriebener Text sein, er darf maximal sechs Minuten dauern und Requisiten auf der Bühne sind Tabu. Dann ging es mit sieben Slammern bereits los; es wurde traurig, witzig, persönlich und ganz schön politisch. Daniel Wagner aus Heidelberg konnte den Abend für sich entscheiden: Mit einem Text über Nescafé und Moral und einem Durchschnittswert von 9 von 10 Punkten von der Jury.

Günstige oder gar gar keine Eintrittspreise trugen ihren Teil zur ungezwungenen Atmosphäre bei, sämtliche Programmpunkte – kostenfrei oder kostenpflichtig – waren sehr gut besucht, die Stimmung bei Besuchern und Veranstaltern gleichermaßen positiv.

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