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Laemmles Bürgschaften retteten vielen das Leben

Themenführung zum Auftakt der Schalom-Tage hat zahlreiche Besucher ins Museum gelockt
Dr. Udo Bayer (rechts) erläuterte im Museum Carl Laemmles Hilfe für verfolgte Juden.
Geiger

Laupheim sz „Carl Laemmle und seine Hilfe für verfolgte Juden“ ist der Titel der Führung von Dr. Udo Bayer gewesen, mit der die Schalom-Tage eröffnet wurden. Es habe nur wenige Ausstellungsobjekte gegeben, die zu dem Thema passen würden, räumte Bayer anfangs ein, „doch nach längerer Überlegung ist Einiges zusammengekommen“.

Eingangs erklärte Bayer, wie das negative Bild Laemmles in Deutschland in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg zustande gekommen sei. Laemmle war mit einigen Filmen gegen den Kaiser an der Propaganda der Wilson-Administration beteiligt, die sich das neue Medium Film zu Nutze gemacht hatte. Viele der Filmindustriellen zu dieser Zeit seien ausgewanderte Juden gewesen: „Sie mussten beweisen, dass sie nun richtige Amerikaner sind und keine gespaltene Loyalität herrscht.“

Für seine Filme wurde Laemmle von deutsch-nationaler Seite auch in Laupheim angegangen. „Im Westen nichts Neues“, nach der Vorlage des Romans von Erich Maria Remarque, trug dazu bei, dass sich die negative Stimmung gegen Laemmle verschärfte, da der Film den Krieg nicht glorifizierte. In Deutschland sei er erst gar nicht und später nur in einer verstümmelten Fassung gezeigt worden, erklärte Bayer.

1933 wurde das Schild der „Karl-Lämmle-Straße“, ein Teil der heutigen Anna-von-Freyberg-Straße, abgenommen und durch einen „NS-Märtyrer“ ersetzt. Die jüdischen Bürger, die wegen der immer schlechter werdenden Lage in die Vereinigten Staaten auswandern wollten, hatten mit diversen Hürden zu kämpfen: gültige Papiere, Schiffspassage, polizeiliche Führungszeugnisse und die Bürgschaft durch einen amerikanischen Staatsbürger. Zudem gab es Regulierungen, wie vielen Menschen jeweils aus einem Land die Einwanderung gestattet wurde; diese Quoten wurden jedoch nur einmal erreicht. Die eher negative Haltung gegenüber der Immigration war auch der ausgehenden Depressionszeit geschuldet, in der der Arbeitsmarkt noch immer angespannt war.

Über 300 solcher Bürgschaften, auch Affidavit genannt, übernahm Carl Laemmle – nicht nur für Juden aus Laupheim oder Deutschland, sondern auch für Auswanderer aus der Tschechoslowakei. Laemmle Jr. hat nach dem Tod seines Vaters 100 weitere Affidavits im Namen von Carl Laemmle ausgegeben. Wie viele Leben damit insgesamt gerettet wurden, ist nicht nachvollziehbar. „Ein Affidavit konnte auch für eine ganze Familie gelten“, erzählte Dr. Udo Bayer. Für seinen Einsatz wurde Laemmle jedoch weder in den USA noch in Israel geehrt, erst seit einem Jahr wird er auf der Internetseite des Washington Holocaust Museum erwähnt.

Bayer erläuterte unter anderem am Beispiel von Moritz Henles Witwe Caroline, die 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurde, was mit den Menschen geschah, die kein Affidavit hatten. Friedrich Adlers Schicksal kam ebenfalls zur Sprache. Adler blieb in Hamburg, obwohl Laemmle ihm eine Bürgschaft angeboten hatte. Er sei der Ansicht gewesen, seine Teilnahme am ersten Weltkrieg sowie sein Beamtenstatus würden ihn schützen. „Ein tragisches Beispiel für Menschen, die nicht gerettet werden konnten. Nicht wegen fehlendem Affidavit, sondern weil er die Lage falsch eingeschätzt hat“, erklärte Bayer.

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