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Wasserburg (Bodensee)
Lokales

Kunstwerk verschwindet auf mysteriöse Weise

Grabkreuz und junger Apfelbaum wurden vor dem Kuba geklaut – immer wieder kommt es zu Vandalismus
Im Kuba ist Kunst drin, aber eben nicht mehr davor: Das Werk von Pedro Krisko, bestehend aus einem Kreuz und einem Apfelbaum, wurde zerstört.
Im Kuba ist Kunst drin, aber eben nicht mehr davor: Das Werk von Pedro Krisko, bestehend aus einem Kreuz und einem Apfelbaum, wurde zerstört.
Pedro Krisko

Wasserburg sz Es sei ein „Attentat auf die Kunst auf mystische Weise“ gewesen, schreibt Pedro Krisko. Der Kressbronner Künstler hatte für eine Performance vor dem Wasserburger Kunstbahnhof (Kuba) ein Kreuz aufgestellt und einen Apfelbaum gepflanzt. Beides ist nun verschwunden.

Dass die Kunst einem ständigen Wandel unterworfen ist, wollte Krisko mit seiner Performance vor zwei Jahren verdeutlichen. „Malerei zum Beispiel hat für mich keine Bedeutung mehr in der Kunst“, sagt er im Gespräch mit der LZ. Seinen persönlichen Bruch mit diesem speziellen Medium stellte er in seiner Performance drastisch dar: Er zerstörte eines seiner Bilder und verbuddelte es vor dem Kuba. Für die nötige Dramatik stellte er ein Kreuz auf das „Grab“. Daneben pflanzte er einen jungen Apfelbaum. Ein Symbol dafür, dass in der Kunst aus Altem, ja Totem, Neues entstehen kann.

Mittlerweile aber herrscht dort, wo einmal Kreuz und Baum seine Symbiose bildeten, nur noch gähnende Leere. „Das Kreuz fehlte sofort, am Tag nach der Performance war es weg“, erzählt Krisko. Vor einigen Wochen ist nun auch das Apfelbäumchen verschwunden. „Beides ist verwerflich und entspricht in keiner Weise einem gerechtfertigten Umgang mit Kunstwerken.“

Krisko, der unter anderem als Kunsterzieher am Friedrichshafener Graf-Zeppelin-Gymnasium arbeitet, ärgert sich sehr über sein verschwundenes Kunstwerk. „Das Werk zu entfernen stellt eine Straftat dar“, schreibt er. Fast noch mehr ärgert ihn aber, dass ihn vom Kunstverein keiner über die Diebstähle informiert hat. Er habe nur zufällig davon erfahren. „Ich vermute, dass die Täter aus dem Umfeld des Kunstvereins selbst kommen“, so Krisko.

Ein mögliches Motiv hat der Künstler auch schon parat: „Es ist eine Form von Neid. Einem Neid über das Wissen; über das Wissen darüber, dass Künstlerinnen und Künstler im Stande sind, Ideen zu verfeinern, an welchen Generationen vor ihnen schon gearbeitet haben und es verstehen, diese in unsere heute geltende Gegenwart zu übertragen“, schreibt er.

Andere Mitglieder auch Opfer von Vandalismus

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Katja Dell vom Wasserburger Kunstverein. „Das war garantiert keiner von uns, das würden wir nie machen“, sagt sie im Gespräch mit der LZ. Vielmehr würden immer wieder Künstler, Kunstwerke und auch der Kunstbahnhof selbst Opfer von Vandalismus. „Erst kürzlich habe ich Plakate für den Kreativmarkt aufgehängt, die sind alle verschwunden“, erzählt Dell. Bei der „Skulptura“ sei im vergangenen Jahr eine Skulptur von Bildhauer Gunther Stilling zerstört worden. „Jemand hat ein Stück herausgeschlagen“, so Dell. Das habe der Verein damals bei der Polizei angezeigt. „Auch die Scheiben vom Kuba sind schon eingeschlagen worden.“

Die Täter wurden bisher nicht erwischt. Katja Dell verortet sie aber weniger in der Wasserburger Kunstszene und vielmehr in der Jugendszene.

Geht es nach Pedro Krisko, dann gehören Grabkreuz und Apfelbaum wieder zurück „an den Ort ihres Ursprungs“, den Vorgarten des Kubas. Ob er sich zu einer erneuten „Setzungsperformance“ bereiterklärt, hinge allerdings vom Kunstverein ab. „Das mache ich nur, wenn sie mich darum bitten.“

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