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Krumbacher fordern Breitbandinternet

Telekom wird im Jahresverlauf ISDN abschalten – Unternehmen sind teils auf diese Technik angewiesen

Krumbach sz Vier Telefone und ein Faxgerät betreibt Ingo Hampe in seiner Wohnung in Krumbach. Die ISDN-Technik, mit der bei einem Kabel zwei Kanäle zur Verfügung stehen, macht das möglich. Doch nun kündigt die Telekom den Vertrag zum 9. April – die Umstellung soll bis Ende des Jahres bei allen ISDN-Anschlüssen geschehen.

Schnelles Internet oder ein Digitalanschluss über die vorhandene Leitung ist für Hampe wie für andere Krumbacher eine Illusion: Dafür reicht das Signal nicht aus, auch wenn der Ort über Tannau angeschlossen ist. Und auch mehrere Telefone und ein Fax werde er nicht mehr betreiben können, sagt Hampe.

40 Euro für Internet, 30 Euro fürs Telefon

Was bleibt, sind höhere Kosten als an anderen Wohnorten. Für 200 Euro hat Hampe eine Antennenanlage installiert und bezieht über die Ravensburger Firma Regionetz Internet per Richtfunk. 40 Euro im Monat zahlt er für eine 4 Mbit-Flatrate – etwa weitere 30 Euro kostet der ISDN-Vertrag für Telefonie.

Die einfache Telefonleitung ohne Internet, die die Telekom Hampe anbietet, liegt je nach Tarif zwischen etwa 20 und 30 Euro pro Monat. Auch wenn die Telekom nur einen Telefonanschluss gewährleisten muss, sagt Ingo Hampe: „Breitband gehört doch heute einfach mit dazu.“

Die Stadt Tettnang hat in den vergangenen Jahren durchaus gehandelt: In den letzten fünf Jahren hat sie insgesamt 1,3 Millionen Euro in den Breitbandausbau gesteckt. Die Förderung betrug für alle Maßnahmen etwa 360 000 Euro. Das umfasste den Anschluss von Hiltensweiler, Laimnau, Obereisenbach, Siggenweiler, Tannau, Wiesertsweiler und Prestenberg, aber auch die Erschließung der Leimgrube und des Gewerbegebiets Bürgermoos I.

Zeitplan von Förderung abhängig

Für Krumbach, Biggenmoos und Holzhäusern ist laut Angaben der Stadt die Umsetzung für 2019 geplant, die Planungsphase soll 2018 erfolgen. Der genaue Zeitplan sei von den Fördermitteln abhängig, sagt Judith Maier von der Stadt Tettnang: „Die Ausschreibungen erfolgen, nachdem alles zwecks Förderungen geklärt ist und wir die Bescheide bekommen.“

Das wollen die die Krumbacher lieber gestern als heute. Das gilt auch für Handwerksmeister Klaus Reihs. Er betreibt eine Zimmerei, hat noch kein Schreiben der Telekom erhalten, braucht aber für sein Geschäft Faxgerät und Telefon. In seinem Wohnhaus hat er einen ISDN-Anschluss, sagt er, mehr habe er nicht bekommen. Bedarf wäre da. Er deutet auf ein schnurloses Telefon in seiner Werkstatt am anderen Ende des Grundstücks. Wenn es klingelt, muss er nach draußen und sich dem Wohnhaus nähern. Sonst reiße die Verbindung ab, berichtet er. „Wir machen auch noch viel über Fax“, sagt Reihs. Das Gerät brauche er neben dem Telefon. Fürs Internet nutzt er wie Hampe Regionetz. Allerdings muss er auch schon mal große CAD-Datenmengen verschicken: „Das mache ich eigentlich nur nachts.“

Internet über Richtfunk

Anton Funk vom Krumbacher Unternehmen Funk Touristik ist ebenfalls auf ISDN angewiesen. Auch bei ihm hat sich die Telekom noch nicht gemeldet. „Ich weiß auch nicht, wie das laufen soll“, sagt Funk. Immerhin hat er vier Arbeitsplätze mit Telefon, hinzu kommt auch bei ihm das Fax. In der Zweigstelle in Kressbronn laufe alles über DSL, das wünscht er sich auch für Krumbach. Dort läuft Internet bei ihm ebenfalls über Richtfunk.

Alle drei äußern Sorge, ob die Verbindung über Regionetz bestehen bleibe. Schließlich hänge auch Vaude in Obereisenbach daran, doch dort gebe es ja jetzt eine Breitband-anbindung. Die Argumentation: Wenn Vaude bei Regionetz raus gehe, lohne sich der Betrieb vielleicht nicht mehr. „Wenn das geschieht, können wir aufhören“, sagt Anton Funk.

Zumindest diese Sorge scheint unbegründet. Auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung bestätigt Vaude, dass das Unternehmen eine Richtfunkverbindung über die Firma Regionetz hat. Es sei keine Änderung vorgesehen, sagt Vaude-Sprecherin Birgit Weber: „Wir planen keinen Wechsel, sondern eine Ergänzung, das heißt Primäranbindung über Glasfaser und Sekundäranbindung über Richtfunk.“

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