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Kritik an der Ansiedlung von YG-1

Zeiss, Mapal und Leitz fürchten aggressiven Wettbewerb um Fachkräfte auf der Ostalb

Auf diesem drei Hektar großen Gelände bei Oberkochen möchte sich der südkoreanische Konzern YG-1 ansiedeln.
Auf diesem drei Hektar großen Gelände bei Oberkochen möchte sich der südkoreanische Konzern YG-1 ansiedeln.
Thomas Siedler

Oberkochen sz Das hat sich Oberkochens Bürgermeister Peter Traub anders vorgestellt. Statt Lob erntet er Kritik. Nicht einmal das Versprechen des südkoreanischen Werkzeugherstellers YG-1 1000 neue Arbeitsplätze im Gewerbegebiet am Rande der Stadt aufzubauen, weckt Begeisterung. Teile des Gemeinderats sind sauer, weil Traub sie nicht ins Vertrauen gezogen hat. Und jetzt verspürt der Bürgermeister auch noch Gegenwind aus der Wirtschaft. Zeiss, Mapal und Leitz haben sich zu deren Sprechern gemacht. Sie sind spürbar verärgert, weil sie erst aus den Medien von den Ansiedlungsplänen des südkoreanischen Konzerns erfahren haben.

Am Dienstag haben sie deshalb zu einem Informationsforum „Entwicklung des Wirtschafts- und Technologiestandorts Oberkochen“ im Zeiss-Forum eingeladen. Kein Wort von YG-1 in der Einladung. Neben den drei großen Unternehmen nahmen an der Runde Vertreter kleinerer Firmen teil. Rasch ging es dann aber doch zur Sache. Soll heißen: Eine mögliche Ansiedlung von YG-1 wurde eher als Gefahr und weniger als Chance für die Region gesehen.

Sie scheuten nicht den Wettbewerb, machen Jürgen Köppel, Sprecher der Geschäftsführung von Leitz, Jochen Kress, Mitglied Geschäftsführung von Mapal, und Thomas Spitzenpfeil, Konzernvorstand Zeiss, deutlich. Dem seien sie mit ihren Unternehmen tagtäglich und weltweit ausgesetzt. Aber eben nicht direkt vor der eigenen Haustür. Ein zentrales Problem sei der in der Region Ostwürttemberg bereits spürbare Fachkräftemangel. „Allein unsere drei Unternehmen haben 300 offene Stellen zu besetzen“, sagt Spitzenpfeil. Köppel stellt die Frage in den Raum: „Macht es Sinn, auszubilden und damit YG-1 zu bedienen?“ Denn dieses technische Knowhow mache die Region so stark. Das sei wohl auch der Grund, warum sich YG-1 gerade hier niederlassen wolle, vermutet der Leitz-Geschäftsführer. Man müsse also höllisch aufpassen, wenn ein sehr aggressiver Wettbewerber sein Entwicklungszentrum hier aufbaue.

Der Mangel an Fachkräften trifft nicht nur die Großen. Kleinere Unternehmen leiden ebenfalls. „Wir haben Schwierigkeiten Personal zu finden“, sagt Hubert Baier, Geschäftsführer bei Günther+Schramm. Ähnlich ergeht es Carsten Jungk und seiner 40 Mitarbeiter zählenden Firma Oppold System. Er fürchtet, dass er im Wettbewerb um Fachkräfte dann nicht mehr mithalten kann. „Das bedeutet, dass unsere Zulieferer eines Tages nicht mehr hier, sondern irgendwo auf der Welt zu finden sind“, folgert Köppel.

Wirtschaftsbosse kritisieren mangelnde Transparenz

Die Geschäftsführer hätten sich gewünscht, dass Oberkochens Bürgermeister Peter Traub mit ihnen viel früher das Gespräch sucht, um Vor- und Nachteile einer Neuansiedlung abzuwägen. Köppel spricht von mangelnder Transparenz. Das Miteinander sei immer eine Stärke der Wirtschaftsregion gewesen, gibt Spitzenpfeil zu bedenken und fordert, den Dialog wieder aufzunehmen. Ostwürttemberg gehört laut dem Zeiss-Vorstand zu den stabilsten Standorten in Europa. Diese Stabilität und das kollegiale Miteinander sieht er nun gefährdet. Im Nebensatz muss er noch loswerden, dass Zeiss hier in den vergangenen sieben Jahren 180 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Komunnen überwiesen habe.

„Wir sind für Ansiedlungen“, stellt Jochen Kress klar. Aber es sollte ein breites Branchensprektrum sein. So ließen sich wirtschaftlich schwierige Zeiten besser meistern, sagt Köppel. Spitzenpfeil wählt ein Beispiel aus der Landwirtschaft: Es sei nicht sinnvoll, die immer gleiche Pflanzenart anzubauen.

YG-1 hat Interesse an drei Hektar Fläche im Oberkochener Gewerbegebiet Süd II. Ursprünglich war dieses Gelände als Entwicklungsfläche für kleinere Unternehmen gedacht, denen sich im Stadtinnern keine Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Ein weiterer Grund, warum die Wirtschaft die Pläne des Bürgermeisters kritisch sieht. Am Mittwochabend will der Gemeinderat über den Verkauf an den südkoreanischen Konzern in nichtöffentlicher Sitzung beraten. Die Zeit bis dahin wollen die Vertreter der Wirtschaft für Gespräche mit den Entscheidern nutzen. „Denn wenn es uns gut geht, geht es auch den Bürgerinnen und Bürgern Oberkochens gut“, sagt Leitz-Geschäftsführer Köppel am Ende des Informationsforums.

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