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Kritik an Ravensburger wegen „Gravitrax“-Werbung

Lieferengpass bei „Gravitrax“ von Ravensburger sorgt für Ärger bei Kunden und hohe Preise im Handel
Auf Issac Newtons Spuren: Ravensburger hat im Herbst sein System Gravitrax in den Handel gebracht - eine Kugelbahn, die mechanische Effekte wir die Gauß'sche Kanone integriert. Die Komiker Wigald Boning und Bernhard Hoëcker (von links) ließen ihren Spielkollegen am Stand kaum Zeit, die Bahn selber einmal auszuprobieren.
Auf Issac Newtons Spuren: Ravensburger hat im Herbst sein System Gravitrax in den Handel gebracht - eine Kugelbahn, die mechanische Effekte wir die Gauß'sche Kanone integriert. Die Komiker Wigald Boning und Bernhard Hoëcker (von links) ließen ihren Spielkollegen am Stand kaum Zeit, die Bahn selber einmal auszuprobieren.
Wagener

Ravensburg sz Im Herbst ist „Gravitrax“, eine dreidimensionale Kugelbahn, bei Ravensburger erschienen. Die große Nachfrage hat das Unternehmen überrascht. Deutschlandweit ist das Spiel bei vielen Händlern derzeit vergriffen – und viele Kunden ärgern sich. Sie kritisieren, dass Ravensburger trotz der Lieferschwierigkeiten für das Spiel wirbt.

„Gravitrax ist ein Volltreffer“, sagt Heike Herd-Reppner, Pressesprecherin bei Ravensburger. Schon beim Verkaufsstart im Herbst habe das Unternehmen festgestellt, dass der Abverkauf des Spiels gut anläuft. „Wir freuen uns sehr, dass es eine so große Resonanz hat. Aber wir sind von dem Erfolg überrollt worden“, räumt sie ein. „Wir produzieren, so schnell es geht.“ In der Vorweihnachtszeit sei im Werk ohnehin Hauptsaison, jetzt habe Ravensburger aufgrund der großen Nachfrage weitere Werkzeuge gebaut und die Produktion umgeschichtet. Jede Woche liefere Ravensburger mehrere Tausend Spiele an die Händler aus – wie viele genau und um wie viel Prozent die Produktion aufgrund der unerwartet hohen Nachfrage gesteigert wurde, wollte das Unternehmen nicht sagen.

Herd-Reppner betonte, dass das Spiel nicht überall vergriffen sei. Wer ein Spiel haben will, muss den richtigen Händler erwischen. Denn nicht einmal bei Ravensburger selbst ist „Gravitrax“ zu bestellen. „Wir liefern an alle Kunden, die einen Auftrag platziert haben. Wer bestellt hat, bekommt auch“, sagt Herd-Reppner. „Wir tun alles, um schnellstmöglich zu liefern. Aber wir können nicht versprechen, dass es überall vor Weihnachten klappt.“ Spätestens im ersten Quartal 2018 solle die komplette Nachfrage erfüllt sein. Sie empfiehlt, vor allem im gut sortierten Fachhandel nachzuschauen.

Großer Ärger über Engpass

Bei den Kunden ist der Ärger über den Engpass groß. Auf der Facebookseite des Unternehmens beschweren sich zahlreiche Kunden aus allen Teilen Deutschlands darüber, dass sie das Spiel nicht kaufen oder bestellen können – direkt unter Posts des Unternehmens, die „Gravitrax“ bewerben. Eine Nutzerin schreibt: „Ich finde es sehr negativ von Ravensburger, weiterhin dafür Werbung zu machen, obwohl es fast überall ausverkauft ist. Die Kinder sehen das, wünschen es sich, aber es ist nirgends mehr zu bekommen, außer man unterstützt es und zahlt Wahnsinnspreise bei diversen Anbietern, die damit richtig Geld machen.“ Ein anderer kritisiert: „Für normalen Preis nirgends zu bekommen, zumindest online und bei größeren Geschäften. Aber fleißig Werbung dafür machen, das müsste nicht sein, noch dazu wenn das Weihnachtsgeschäft nicht bedient werden kann.“ Und selbst wer früh dran war, hat keine Garantie: „Ich habe die Bahn im Oktober bestellt und jetzt die Info bekommen, dass sie erst Ende Januar lieferbar ist“, kommentiert eine Nutzerin auf der Facebook-Seite von Ravensburger.

Kunden reagieren auf Facebook-Video von Ravensburger zu "Gravitrax"

„Es ist grundsätzlich ungünstig, ein Produkt zu bewerben, das im Handel nicht erhältlich ist“, sagt Matthias Sander, Professor an der Universität in Konstanz und Marketing-Experte. Es komme jedoch auf den Einzelfall an: Wenn das Produkt bald wieder verfügbar sei, könne es sinnvoll sein, die Werbung nicht zu unterbrechen. Zudem müsse zwischen den verschiedenen Werbeformen unterschieden werden, ergänzt Sander: „Fernseh- und Radiowerbung lassen sich nicht so einfach unterbrechen, Facebook-Posts kann man schnell runternehmen.“ Es sei aber nachvollziehbar, dass sich Kunden verhöhnt fühlten, wenn ein konkretes Produkt beworben wird, das längerfristig nicht erhältlich ist. Ob sie Ravensburger dies schnell verzeihen, „kommt darauf an, wie dringend sie das Spiel haben wollen und ob sie es zum Beispiel unbedingt noch vor Weihnachten kaufen wollen“.

„Das ist keine Werbung“, sagt Unternehmenssprecherin Heike Herd-Reppner über die Facebook-Posts. „Wir informieren über unsere Neuheiten. Und das Produkt ist die Neuheit“, so Herd-Reppner. Weil es das „Gravitrax-Starterpaket“ nach wie vor gebe, sehe Ravensburger keinen Grund, nicht mehr darüber zu informieren. „Wir liefern ja. Aber weil wir alles selbst fertigen, geht es nicht so schnell, wie der Kunde das im Moment gerne hätte.“Der Preis für das Starterset hat mittlerweile eine große Bandbreite erreicht: Wer das Glück hatte, das Spiel im Angebot im Kaufhaus zu bekommen, zahlte ab 39 Euro. Andere Käufer berichten von 119 Euro, bei E-Bay gingen die Angebote sogar darüber hinaus. „Zu den beobachteten Preisunterschieden müssen wir Sie an den Handel verweisen, der Preise und eigene Werbemaßnahmen selbst festlegt“, heißt es in einem Kommentar des Unternehmens auf dessen Facebook-Seite. „Bei Spielwaren gibt es im Handel keine Preisbindung. Unser Abgabepreis an den Handel ist seit Markteinführung des Produkts stabil.“

Das macht ein Spiel erfolgreich

Bernhard Löhlein ist seit 2003 in der Jury für das „Spiel des Jahres“, testet dafür Brett- und Kartenspiele. Gravitrax hat er nie ausprobiert. Trotzdem sieht er Parallelen, die den Erfolg des Spiels erklären könnten: „Erfolg zeichnet sich oft ab, wenn die Hersteller auf Spielelemente zurückgreifen, die uns irgendwie vertraut sind.“ Spiele mit einem Aspekt, den man aus der Vergangenheit kennt – so wie Gravitrax an die Kugelbahn erinnert -, kombiniert mit neuem Kick, neuem Trick, seien oft erfolgreicher.

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