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Wangen im Allgäu
Lokales

Kreisräte sehen und hören den BSW-Protest

Auf Rundgang am Beruflichen Schulzentrum Wangen folgt vor gut 200 Interessierten eine lebhafte Diskussion
Volle Aula am BSW: Vor gut 200 Interessierten sprachen Kreisverwaltung, Räte und Schulvertreter über die Strukturreform an den beruflichen Schulen im Landkreis.
Volle Aula am BSW: Vor gut 200 Interessierten sprachen Kreisverwaltung, Räte und Schulvertreter über die Strukturreform an den beruflichen Schulen im Landkreis.
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Wangen sz Bei ihrem Besuch des Beruflichen Schulzentrums Wangen haben die Ravensburger Kreisräte nicht nur einen Eindruck über das breite Spektrum und die Arbeit der Bildungseinrichtung bekommen. Das BSW nutzte auch die Gelegenheit zum Protest gegen die Kreis-Pläne, die auch die Verlagerung eines Großteils der gewerblichen Ausbildung im Allgäu nach Leutkirch vorsehen. Nach der dreieinhalbstündigen Veranstaltung war aber eine erste Annäherung beider Seiten erkennbar.

Am Eingang der früheren Friedrich-Schiedel-Schule stand einer der beiden Audi R8-Sportwagen, die Gönner des BSW vor kurzem für den Kfz-Bereich gesponsert hatten. Die Fenster des gewerblichen Gebäudetrakts waren mit eindeutigen Botschaften an die Kreisverwaltung zuplakatiert. Und im Gebäude waren überall die Ergebnisse einer Schülerumfrage mit Schaubildern sichtbar. Das Berufliche Schulzentrum Wangen hatte sich auf den Besuch der etwa 30 Kreisräte vorbereitet und nutzte die womöglich letzte Chance vor der wohl entscheidenden Sitzung des Kreistags am 25. Januar, ihre – gemessen an Zahlen und Ausbildungsmöglichkeiten – erfolgreiche Arbeit zu präsentieren und so die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, gegen die bislang von der Kreisverwaltung favorisierte Variante K2 zu stimmen.

200 Interessierte warten in der Aula auf die Kreisräte

Die sieht bekanntlich unter anderem die Verlagerung eines Profils des Technischen Gymnasiums, der Berufskollegs sowie eines Großteils der gewerblichen Ausbildung im Allgäu nach Leutkirch vor. Schon beim Rundgang der Kreisräte durch den Gewerbetrakt und die Werkstätten im Kfz-, Metall-, Holz- und Elektrobereich wurden mögliche Folgen – Stichwort: Verlust von Zertifizierungen – angesprochen. Werkstattleiter berichteten zudem von einer Ausstattung, die auf gutem, teilweise auf neuestem technischen Stand sei. Danach ging es weiter in die Aula des Süd-Gebäudes, wo Räte und Spitzen der Kreisverwaltung – anders als zwei Tage zuvor in der Leutkircher Geschwister-Scholl Schule – von gut 200 Interessierten erwartet wurden: Vertreter aus der Wirtschaft, Rektoren von anderen Wangener Schulen und jede Menge Schüler und Lehrer vom BSW.

Kreisschuldezernent Franz Baur stellte in seinem Vortrag zunächst noch einmal die Ziele der sogenannten regionalen Schulentwicklung und die drei Varianten mit Kompetenzzentren vor. „Wir könnten auch die Variante K3 tolerieren, da wird es von Seiten der Verwaltung keinen Widerstand geben“, bekundete Baur erstmals öffentlich den Willen zu einem Kompromiss. Dies treffe jedoch nicht auf den Kfz-Bereich zu. Jener soll laut dem Modell K3 im Allgäu künftig komplett nach Leutkirch abwandern. Neben der Holztechnik und dem gesamten Technischen Gymnasium blieben demnach aber die Grundstufen in der Elektro- und Metalltechnik in Wangen.

Nachdem Raimund Frühbauer unter anderem mit steigenden Zahlen im gewerblichen Bereich auf eine „erfolgreiche Fusion“ der früheren Kaufmännischen Schule mit der Friedrich-Schiedel-Schule hingewiesen hatte, ging der BSW-Schulleiter konkret auf mögliche Folgen der Kreis-Modelle ein. „K2 würde die gewerbliche Ausbildung in Wangen, die jetzt 160 Jahre alt wird, zerschlagen“, so Frühbauer. „Die Auswirkungen von K3 wären bei weitem nicht so gravierend.“ Er wollte zwar die Herausforderung einer Bündelung der gesamten Agrarwirtschaft im Kreis am BSW annehmen, überließ es aber den Räten, ob sie diesen Bereich in Wangen oder in Leutkirch konzentrieren wollen. Am Ende sprach sich Frühbauer für eine Variante K3, aber mit einer zusätzlichen Kfz-Eingangsklasse, und für eine Umsetzung der Strukturreform frühestens im Schuljahr 2019/20 aus, um genügend Planungsvorlauf zu haben.

Auf die Umfrage unter mehreren hundert Gewerbe-Schülern, deren Ergebnisse im gesamten Schulgebäude aushingen, ging Frühbauer ebenfalls ein. Demnach hätte mehr als die Hälfte der Schüler das BSW wegen der Nähe zum Wohnort als Schulstandort ausgewählt. Außerdem würden nur 20 Prozent der Schüler nach Leutkirch fahren, falls ihr Ausbildungsgang in Wangen wegfallen würde. Hier entgegnete Franz Baur, dass die Schüler im Normalfall wegen der geltenden Schulbezirke keine Wahl beim Standort hätten: „Wichtiger ist hier der Ausbildungsbetrieb also der Beruf, man darf den Wohnort nicht überbewerten.“ Der Schuldezernent geht zudem davon aus, dass es in Leutkirch „stabile Bereiche“ geben wird.

Fröhlich: „Das wäre ein Schlag für den Standort“

Auf eine Bitte des Amtzeller Kreisrats Clemens Moll (CDU) bewilligte Landrat Harald Sievers auch einem Vertreter aus der Wirtschaft Rederecht. Hier appellierte Christoph Fröhlich, Geschäftsführer von Zoller + Fröhlich, die berufliche Ausbildung in Wangen zu halten. „Das wäre ein schwerer Schlag für den Standort“, sagte Fröhlich und sprach sich wie Frühbauer für eine „wie auch immer geartete Variante K3“ aus. Wangens OB Michael Lang (Freie Wähler) forderte, bei der Diskussion den „monetären Bereich hinten anzustellen“ und dafür den thematischen Schwerpunkt auf den Fachkräftemangel zu legen.

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Wer sind die Verlierer?
Der erste Verlierer ist der gewerbliche Bereich in Wangen. Alle 3 Modelle K1 bis K3 sind kurz- bzw. mittelfristig das Todesurteil für das Gewerbe. Nur mit Grundstufen lässt sich keine Berufsschule halten.
Der zweite Verlierer ist der Landkreis Ravensburg, der mittelfristig im gewerblichen Bereich einen Rückgang der Schülerzahlen hinnehmen muss. Schüler wandern in benachbarte Landkreise ab. Unverständliche Entscheidungen, die überhaupt nicht notwendig sein müssten, werden vom Schreibtisch aus entschieden. Es wird so viel zerstört, was man langfristig nicht mehr reparieren kann. Ich spreche den Verantwortlichen neben der Sozialkompetenz jetzt auch noch Ihre Fachkompetenz ab.
Der dritte Verlierer ist der Steuerzahler, d.h. die Bevölkerung. Sie muss die anfallenden zusätzlichen hohen Investitionen (man spricht von über 200 Millionen) schultern, die kein vernünftig denkender Bürger versteht. Erklären Sie den Bürgern, dass neue Einrichtungen in Wangen abgerissen und 30 km weiter wieder neu aufgebaut werden müssen. Aber Geld ist ja genug da.
Der vierte Verlierer sind unsere Politiker. Ihre Glaubwürdigkeit haben sie komplett verspielt nach dem Motto, was geht mich mein Geschwätz von gestern an. Vor zwei Jahren waren noch vernünftige Varianten auf dem Tisch (z.B. H2). Sie enttäuschen mich immer mehr. Der Fraktionszwang steht über allem. Die nächste Wahl kommt aber bestimmt.
Der größte Verlierer ist allerdings der Schüler. Auf seinem Rücken werden alte Ressentiments ausgetragen und unvernünftige Entscheidungen gefällt, ohne Verluste.
Rosmarie Kessler, Wangen mehr

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So langsam durchschaue ich die Strategie der Ravensburger Schulverwaltung. Da steht ein Kämmerer vor den Kreisräten und bietet drei Varianten zur Umgestaltung des gewerblichen beruflichen Schulsystems im Allgäu an. Man hört zwar, dass in Wangen der gewerbliche Bereich seine Hausaufgaben überplanmäßig erfüllt habe (das hat man wahrscheinlich so nicht erwartet) und auch die geringsten Investitionen notwendig wären, aber im Landkreis Ravensburg, insbesondere im Allgäu das Berufsschulwesen kränkelt. Also muss umgestaltet werden. Drei Varianten K1, K2 und K3 stehen im Angebot und jedes Mal lese ich „Leutkirch first“, „Leutkirch first“, „Leutkirch first“. Solche Sprüche kenne ich von irgendwoher. Die gewerbliche Schule in Wangen muss bluten. Wangen muss gelöscht werden. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, zwei gewerbliche Kompetenzstandorte im Allgäu einzurichten (Bsp. Kfz in Wangen und Metall in Leutkirch). Damit wäre eine ausgeglichene Verteilung – nahezu kostenneutral - gegeben und jedem Standort gedient. Das Argument, der Leutkircher Kfz-Standort sei für die Nutzfahrzeugtechnik notwendig, kann ich nur sagen: wegen 3 bis 5 Schüler pro Jahrgang will man derart investieren? Wenn man ein Kompetenzzentrum in der Lkw-Technik sehen möchte, muss man an die gewerbliche Berufsschule nach Ulm gehen. Ich glaube nicht, dass Ravensburg auch nur annähernd vergleichbare Investitionen tätigen kann.
Rosmarie Kessler, Wangen
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