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Kopfloses Reh: Jagdpächter gehen von Raubtier aus

Jäger vermuten: Es könnte ein Luchs oder Fuchs gewesen sein
 Ein Luchs wie dieses Tier, das in einem Wildpark in Hanau (Hessen) lebt, könnte das Rehkitz getötet haben, das am Montag im Maienwald in Ulm-Söflingen ohne Kopf aufgefunden wurde
Ein Luchs wie dieses Tier, das in einem Wildpark in Hanau (Hessen) lebt, könnte das Rehkitz getötet haben, das am Montag im Maienwald in Ulm-Söflingen ohne Kopf aufgefunden wurde
Boris Roessler

Ulm mru/mö Der Fall eines geköpften Rehs im Maienwald in Ulm-Söflingen schlägt hohe Wellen. Viele Bürger sind empört über die grausame Tat, dessen Motiv völlig unklar ist. War es ein Wilderer oder ein sadistischer Tierquäler? Jäger aber gehen von Raubtier aus: einem Luchs oder einem Fuchs.

Wie berichtet, waren nach Angaben des Jagdpächters innerhalb eines Jahres fünf getötete Rehe in dem Revier gefunden worden. In zwei Fällen seien die Tiere geköpft worden, teilte die Polizei mit. Jetzt ermitteln die Spezialisten vom Sachgebiet Gewerbe und Umwelt.

Das am Montag aufgefundene und erst wenige Stunden tote Jungtier hatte keine weiteren Verletzungen aufgewiesen, sei auch ansonsten „völlig unversehrt“ gewesen. Den Verdacht, das Tier könne von einem Mähdrescher erfasst und getötet worden sein, der Kadaver sei dann später in den Wald gelegt worden sein, schließen Fachleute aus. „Die Zeit des Mähtods ist seit zwei Monaten sowieso vorbei. Die Kitze sind mittlerweile so groß, dass sie flüchten können“, sagt der Jagdpächter.

Allerdings sind bei der Ulmer Polizei einige Hinweise eingegangen, nachdem sie über den Fall berichtet hatte, die auf eine andere Fährte führen. Die Jäger, die sich im Präsidium gemeldet haben, vermuten, dass es sich bei dem Täter gar nicht um einen Menschen handelt – sondern um ein Raubtier.

Die Jagdpächter berichteten der Polizei, dass sich in ihren Revieren ähnliche Fälle ereignet hätten. Ein Jäger aus dem Alb-Donau-Kreis ist der festen Überzeugung, dass der Kopf von einem Luchs abgetrennt wurde. Er selbst habe vor etwa fünf Monaten nach einem gemeldeten Wildunfall kurze Zeit später das Tier zehn Meter neben der Straße mit „fein säuberlich abgetrenntem“ Kopf gefunden, was er eindeutig auf ein Raubtier zurückführte, das dazu in der Lage sei.

Die Polizeibeamten haben mit den zuständigen Stellen im Land Kontakt aufgenommen und prüfen, ob dies zutreffen könnte. Ein weiterer Hinweisgeber erklärte, dass Luchse wie auch Füchse Köpfe von erbeutetem Wild messerscharf abtrennen können. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg vermutet, dass es sich wahrscheinlich um Fuchsrisse handelt.

Max Wittlinger, der Leiter des Ulmer Forstamts, hat Zweifel an der Tier-Hypothese. Denn es habe keine Biss- oder Kampfspuren gegeben. Außerdem habe ihm der Pächter gesagt, dass der Wildkörper – bis auf den fehlenden Kopf – unbeschadet gewesen sei.

Sollte es sich bei dem Übeltäter doch um einen Luchs handeln, wäre das eine große Überraschung. Denn in Deutschland leben nur ein paar Dutzend der Raubkatzen, die vor 150 Jahren ausgerottet und seit den 80er Jahren wieder angesiedelt wurden. Die Einzelgänger beanspruchen riesige Reviere von 200 bis 400 Quadratkilometern für sich.

Der Region nahe gekommen sind einzelne Tiere bereits. Vor zehn Jahren wurde ein Exemplar auf der A 8 bei Laichingen (Alb-Donau-Kreis) überfahren. Vor zwei Jahren näherte sich Luchs „Friedl“ auf seiner Wanderschaft vom Schwarzwald aus Ulm. Kurz vorher machte das mit einem Peilsender ausgestattete Tier aber kehrt und zog weiter Richtung Nordwesten. Anfang des Jahres riss „Friedl“ bei Sigmaringen drei Schafe und zwei Ziegen, wie Gentests belegten. Die eigentliche Leibspeise von Luchsen sind allerdings Rehe.

Andere Fälle sind nicht vergleichbar

Bei den vier anderen Fällen, die schon einige Monate zurückliegen, bietet sich dem Pächter ein etwas anderes Bild. Im Januar habe er ebenfalls ein totes Reh im Wald entdeckt, dem der Kopf abgenommen worden sei, sagte er nach Medienberichten. Allerdings habe der Kadaver erhebliche Verwesungsspuren aufgewiesen, weshalb Rückschlüsse auf die genaue Todesursache nicht so einfach möglich gewesen seien.

Bei den drei anderen von ihm aufgefundenen toten Tieren kämen verschiedene Todesursachen in Frage. Unnatürlicher Tod durch andere Tiere, Menschen wie auch Maschinen seien in Betracht zu ziehen. Gleichwohl zeigt sich der seit vier Jahren für den Maienwald zuständige Jagdpächter beunruhigt.

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