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Kontaktallergie kann jeden jederzeit befallen

Gertraud Krähn-Senftleben erklärt die Hintergründe
Bekommen Friseure eine Kontaktallergie an den Händen, können sie in ihrem Job nicht bleiben.
Bekommen Friseure eine Kontaktallergie an den Händen, können sie in ihrem Job nicht bleiben.
dpa

Blaubeuren sz Privatdozentin Dr. med. Gertraud Krähn-Senftleben, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie mit eigener Praxis im Gesundheitszentrum Blaubeuren, hat jüngst Zuhörer beim Gesundheitsforum Blaubeuren über das Kontaktekzem informiert. Konkret ging es um die Frage, was das ist und was man dagegen tun kann.

Es gibt verschiedene Arten von Kontaktekzemen, so Dr. Krähn-Senftleben. Toxische Ekzeme werden durch den direkten Kontakt mit giftigen Substanzen, die beispielsweise in Putzmitteln enthalten sein können, hervorgerufen. Dabei wirken diese Substanzen bei allen Menschen in gleicher Weise giftig und schädigend. Allergische Ekzeme hingegen entstehen nur bei Personen, die auf das jeweils enthaltene Allergen reagieren. Darüber hinaus gibt es so genannte atopische Ekzeme, die durch eine Einnahme von Medikamenten, Johanniskraut, Vitamintabletten, Homöopathischen Mitteln oder Tees entstehen können und eine Unverträglichkeitsreaktion hervorrufen.

Bei den allergischen Kontaktekzemen gibt es eine große Bandbreite, die von Typ-I bis Typ-IV reicht. Während Typ-I Patienten – typisch bei Heuschnupfen oder einer Tierhaarallergie – direkt und prompt auf den Kontakt mit dem betreffenden Allergen reagieren, treten beim Typ-IV Patient erst 24 Stunden nach dem Kontakt auf der Haut sichtbare Reaktionen auf; eine Zeitverzögerung, die es oftmals schwer macht, Ursachen zu finden.

Ein allergisches Kontaktekzem kann sich bei allen Menschen in jedem Alter durch permanenten Kontakt mit dem Allergen entwickeln. Das kann ein Metallhandwerker sein, der im Alltag ständig mit Nickel in Berührung kommt und unter zusätzlich begünstigenden Einflüssen eine Nickelallergie entwickelt. Solche begünstigenden Einflüsse können auch andere Hautkrankheiten, Empfindlichkeit der Haut oder psychologischer Stress sein.

Als weitere Auslöser für eine Kontaktallergie kommt eine Vielfalt verschiedener Stoffe in Frage, die nur beispielhaft aufgezählt werden können: Konservierungsmittel und pflanzliche Wirkstoffe in Kosmetika, Reinigungssubstanzen, Metalle wie Nickel oder Kobalt, Gold in Schmuckstücken, Acrylate in Klebstoffen oder Gummihandschuhen, Antibiotika in Cremes, Pflanzenstoffe in Kosmetika und homöopathischen Präparaten, Paraphenylendiamin in Tätowierungen und viele andere mehr.

Auch pflanzliche Stoffe, vor allem aus der Aromatherapie – dazu gehören Schafgarbe, Ringelblume, Arnika, Kamille oder Lavendel –, haben für einen bestimmten Personenkreis hohes allergisches Potenzial. „Biologisch ist hier also keinesfalls mit „gut“ gleichzusetzen, erklärte die Hautärztin. „Ringelblumensalbe gehört nicht auf den Babypopo.“ Für empfindliche und zu Allergien neigende Menschen könne man fast folgende Regel festlegen: Je bunter die Flasche im Regal des Drogeriemarkts, je bunter und duftender der Inhalt, umso höher das Allergenrisiko. Deshalb rät Krähn-Senftleben dazu, nur Kosmetikprodukte zu kaufen, deren Inhaltsstoffe aufgeführt sind.

„Pflastertest“ gibt Aufschluss

Aber woher weiß ich, dass mein Ausschlag ein Kontaktekzem ist? Es gibt keinen Bluttest. Die einzige Möglichkeit der Erkennung bietet der „Pflastertest“, bei dem verschiedene Allergene mit Pflastern auf dem Rücken platziert werden und die Reaktion der Haut innerhalb von vier Tagen beobachtet wird. Reagiert die Haut mit Rötungen, Bläschenbildungen, Juckreiz, fällt also der Test positiv aus, stellt der Arzt einen Allergiepass mit der entsprechenden Kurzbeschreibung aus. Therapiert werden kann ein solches Kontaktekzem mit kortisonhaltigen Salben oder Tabletten, Pimecrolimuscremes und Präparaten gegen Heuschnupfen und Juckreiz. Fazit: Der beste Weg um herauszufinden, ob man eine Typ-IV Allergie entwickelt hat, ist es, sich über Ursache und Wirkung Gedanken zu machen und das eigene Verhalten genauer zu beobachten. „Immer wenn ich das Bad putze, bekomme ich Ausschlag an den Händen“. Hier ist der Zusammenhang schnell herausgefunden und die gesündeste Therapie gewählt: den Auslöser meiden.

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