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Kernig: Gemeinderat beschließt Ziele zur Ernährung

Ergebnisse aus Bürgerdialogen und Expertenrunde – 28 Maßnahmen sollen umgesetzt werden
Bei mehreren Bürgerdialogen wurden Ideen zur Verbesserung der Ernährung zusammengetragen.
Bei mehreren Bürgerdialogen wurden Ideen zur Verbesserung der Ernährung zusammengetragen.
Archiv: Simon Nill

Leutkirch sz Beim Ernährungsprojekt Kernig geht’s weiter voran: Der Leutkircher Gemeinderat hat am Montag den von Bürgern und Experten erarbeiteten Zielen und Maßnahmen zugestimmt. Diese sollen nun in den kommenden Monaten und Jahren umgesetzt werden, um in Leutkirch eine bewusste, gesunde und klimaschonende Ernährung einzuführen.

Projektleiterin Nadine Zettlmeißl präsentierte den Stadträten die Ergebnisse aus mehreren Expertenrunden und Bürgerdialogen. Neun Ziele (siehe Infokasten) wurden formuliert. Diese sollen mit 28 gesammelten Maßnahmen, sogenannten Umsetzungsbausteinen, erreicht werden. Dazu zählt das Initiieren von Kochkursen mit regionalen Lebensmitteln an Schulen. Dazu zählt die Suche eines regionalen Caterers für die Verpflegung an Kindergärten und Schulen. Dazu zählt eine Attraktivierung des Wochenmarktes. Dazu zählt die Angebotserweiterung von regionalen Lebensmitteln bei öffentlichen Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Kinderfest. Und dazu zählt auch die Gründung einer solidarischen Landwirtschaft.

Leitbild Ernährung geplant

Kernig läuft bis Ende September 2019. Möglichst viele Maßnahmen sollen in den kommenden beiden Jahren realisiert werden. Laut Projektleiterin Nadine Zettlmeißl ist das Konzept allerdings langfristig angelegt. Deshalb müssten nicht alle Bausteine zwingend bis zum Laufzeit-Ende angegangen werden. Sämtliche Ergebnisse sollen in einem „Leitbild Ernährung“ festgehalten werden.

Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle erklärte bei der jüngsten Sitzung des Gremiums, dass die Ideen für die Umsetzungsbausteine „ungeschminkt aus den Arbeitsgruppen“ stammen. Bei einigen Maßnahmen könnte es für die Stadtverwaltung problematisch werden, diese 1:1 umzusetzen, so der Rathauschef. Gemeint ist damit etwa der Posten „Einflussnahme auf die Bewirtschaftung städtischer Pachtflächen durch Bevorzugung ökologischer Nutzer“. Dadurch könnten bei Neuverpachtungen Bio-Landwirte künftig bevorzugt werden. Kritik gab’s dafür von Alois Peter (CDU), der den Antrag stellte, dass dieser Punkt aus dem Maßnahmenkatalog gestrichen wird. Eine Mehrheit erhielt der Herlazhofener Ortsvorsteher im Gemeinderat dafür allerdings nicht. Deshalb bleibt der Punkt bestehen.

Standgebühren sind Thema

Für Diskussionsstoff im Gremium sorgte auch der Posten „Reduzierung der Gebühren für Stände mit regionalen und biologischen Produkten auf dem Wochenmarkt und ähnlichen Gelegenheiten“. Bei den Standgebühren gebe es nur geringen Spielraum, versicherte Oberbürgermeister Henle. Einige Stadträte sprachen sich dafür aus, dass die Kosten für alle Beschicker einheitlich sein sollten. Gottfried Härle (Bürgerforum) plädierte in diesem Zusammenhang dafür, dass sämtliche Standgebühren für den Bauernmarkt gestrichen werden. Henle wiederum begrüßte diesen Vorschlag.

Außerdem wies Härle darauf hin, dass die Umsetzung vieler Kernig-Maßnahmen nicht direkt in der Hand der Stadtverwaltung liege. Für zahlreiche Bausteine könne nur eine Anregung gegeben werden.

Antrag wird abgelehnt

Ein anderer Posten ist derweil Joachim Krimmer (CDU) ein Dorn im Auge. Gemeint ist der Punkt „Reaktivierung des fleischfreien Freitags in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden sowie anderer religiös motivierter Ernährungsverhalten“. Er meinte: „Ich möchte nicht, dass von der Stadt beschlossen wird, dass wir einen Veggieday einführen. Da ist mir meine Freiheit wichtiger.“ Deshalb stellte er den Antrag, dass diese Maßnahme gestrichen wird. Ohne Erfolg. Der Großteil der Stadträte stimmte für den Umsetzungsbaustein.

Ebenfalls einen Antrag stellte Hans Werner Birkenmaier (Freie Wähler). Er befürchtet, dass eine Einführung des Foodsharing-Modells eine Konkurrenz zum Tafelladen darstellt. Dem widersprach Nadine Zettlmeißl, die erklärte, dass bei diesem Konzept eher private Lebensmittel eine Rolle spielen, die ohnehin nicht in Tafelläden landen würden. Auch dieser Antrag wurde vom Gremium mehrheitlich abgelehnt.

Ziele beim Kernig-Projekt

Experten und Bürger haben sich beim Kernig-Projekt auf folgende Visionen für die Zukunft geeinigt: 1.) Leutkircher konsumieren mehr Lebensmittel, die in Leutkirch produziert wurden. 2.) Jeder Leutkircher weiß, wie lokale und regionale Lebensmittel verarbeitet werden. 3.) Gastronomen bieten bewusst nachhaltige Gerichte an. 4.) Leutkirch wird „Essbare Stadt“. 5.) Der Anteil an weggeworfenen Lebensmitteln wird reduziert. 6.) In Leutkirch werden landwirtschaftliche Nutzflächen und städtische Pachtflächen vermehrt ökologisch bewirtschaftet. 7.) Kinder und Jugendliche in Leutkirch wissen, woher Lebensmittel kommen und wie sie produziert und verarbeitet werden. 8.) Die Leutkircher Bevölkerung hat ein hohes Bewusstsein für lokale/regionale/ökologische Produkte. 9.) Die städtische Gemeinschaft wird durch ernährungsrelevante Aktivitäten gefördert.

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