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Interview: „Ohne Kompromisse geht es nicht“

Norbert Westhäußer legt sein Amt als Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender nieder
Trotz seiner häufigen Geschäftsreisen hofft Norbert Westhäußer künftig auch wieder etwas mehr Zeit für Familie und gewisse Hobbies zu haben.
Trotz seiner häufigen Geschäftsreisen hofft Norbert Westhäußer künftig auch wieder etwas mehr Zeit für Familie und gewisse Hobbies zu haben.
Katrin Bölstler

Bad Schussenried sz Völlig überraschend hat der Schussenrieder CDU-Fraktionsvorsitzende Norbert Westhäußer seinen Rücktritt bekannt gegeben. Am Donnerstag scheidet er offiziell aus dem Gemeinderat aus. Mit SZ-Redakteurin Katrin Bölstler sprach Westhäußer über seine Jahre im Gemeinderat, kontroverse Entscheidungen und erreichte Ziele.

Herr Westhäußer, warum legen Sie Ihr Amt als Gemeinderat nieder?

Ich habe seit einem Jahr eine andere Position in meiner Firma und bin seitdem fast jede Woche drei bis vier Tage in ganz Deutschland unterwegs. Mein Beruf lässt sich daher nicht mehr mit der Arbeit in der Fraktion und im Gemeinderat vereinbaren. Die hohe Belastung in den vergangenen Monaten hat sich bei mir auch gesundheitlich bemerkbar gemacht und ich habe den Warnschuss gehört. Mit dem Ausgang des Bürgerentscheids hat meine Entscheidung nichts zu tun.

Ist es ein guter Zeitpunkt zu gehen?

Ich denke schon. Es war für mich wichtig, noch beim Bürgerentscheid und der Weichenstellung für die Neuordnung der Innenstadt, Stichwort Metzgergässle, dabeizusein. Das ist nun alles in trockenen Tüchern.

Was war für sie damals die Motivation, Gemeinderat zu werden?

Idealismus. Sich für meine Heimat Bad Schussenried einzusetzen und die Stadt dorthin zu bringen, wo sie hingehört.

Und wo ist das?

Als ich vor acht Jahren in den Gemeinderat kam, war Bad Schussenried immer noch hochverschuldet. Diese Schulden haben wir konsequent abgebaut und gleichzeitig viel investiert. Wir haben es geschafft, die beiden leerstehenden Kurkliniken zu verkaufen und die Infrastruktur wieder zukunftsfähig zu machen, haben Straßen und Kanäle erneuert und viele Baugebiete geschaffen. Die Stadt prosperiert wieder und darauf bin ich stolz.

Die CDU hatte sich für die Teilsanierung der Sporthalle eingesetzt. Nun kommt es doch zu einer Alternativenprüfung. Wie geht man mit einer solchen Niederlage um?

Die Bürger haben sich entschieden und der Gemeinderat muss das akzeptieren. Es bringt nichts, hier einen Groll zu hegen. Allerdings ist ja immer noch nicht entschieden, was nun wirklich mit der Halle passiert. Ich bin daher gespannt, wie das Ganze ausgeht.

Was haben Sie in Ihrer Zeit als Gemeinderat gelernt?

Dass es wichtig ist, Kompromisse einzugehen, ohne geht es nicht. Wenn ich ein Thema durchbringen will, brauche ich eine Mehrheit und die gibt es meist nur in Zusammenarbeit mit einer anderen Fraktion. Daher ist es wichtig, einander zuzuhören und respektvoll miteinander umzugehen.

Was geben Sie dem Gemeinderat mit auf den Weg?

Bad Schussenried hat sich super entwickelt. Ich hoffe, dass der eingeschlagene Weg weiter verfolgt wird und ich in ein paar Jahren in der Schwäbischen Zeitung lesen kann, dass die Stadt schuldenfrei ist. Um das zu erreichen, sollte der Gemeinderat die Ausgabenpolitik der Verwaltung immer im Blick haben.

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