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Insolvenz: „Echt-Bodensee-Card“ droht das Aus

Technischer Dienstleister „Geios AG“ hat Insolvenz angemeldet – „Deutsche Bodensee Tourismus“ berät am Dienstag über die Folgen
Bei den Gästen genießt die Echt-Bodensee-Card große Akzeptanz, sagt DBT-Geschäftsführer Enrico Heß. Nach dem VGH-Urteil aus Mannheim wollen Verantwortliche aus dem Kreis Lindau nun schauen, wie die Karte finanziert werden kann.
Archiv: dpa/Felix Kästle

Friedrichshafen sz Der technische Betreiber der Echt-Bodensee-Card (EBC), die Geios AG, hat vor dem Amtsgericht Kempten Insolvenz angemeldet. Damit droht der elektronischen Gästekarte kurz nach ihrer Einführung in der Region ein technisches K.O..

Konstantin Andreas Feustel, Chef der Geios AG, bestätigte den Insolvenzantrag am Sonntag auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung. Derzeit sei ein Gutachter damit befasst, den Zustand des Unternehmens zu bewerten um damit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens einzuleiten. Durch die Insolvenz sei der Betrieb der EBC derzeit nicht akut gefährdet: „Die Systeme und der Software-Support sind aktiv und der Betrieb ist noch einige Wochen gesichert“, so Feustel wörtlich.

Die in Langenargen, Eriskirch, Ludwigshafen und Sipplingen eingeführte Karte, die in weiteren Gemeinden eingeführt werden soll, funktioniere derzeit noch ohne Einschränkungen. Urlauber könnten sie auch weiterhin im öffentlichen Nahverkehr einsetzen.

Insolvenzverfahren entscheidet über Schicksal

Über das weitere Schicksal der EBC entscheidet laut Feustel das nun anlaufende Insolvenzverfahren. Gelinge es dem Insolvenzverwalter, die Geios AG an einen neuen Besitzer zu verkaufen, könnte der Betrieb der Karte ohne Einschränkungen weiterlaufen, so der Geschäftsführer.

Auch im Falle eines kompletten Aus für das Unternehmen sei ein Ende der EBC nicht in jedem Fall beschlossene Sache: „Auch andere Unternehmen können die Infrastruktur fortführen, auch wenn es sich um ein komplexes System handelt“, hieß es. Trotzdem liege aktuell „natürlich eine kritische Situation“ vor, so der Geschäftsführer.

Laut Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamts Bodenseekreis, soll es schon vor einigen Tagen Hinweise auf das drohende Aus der Geios AG gegeben haben, die sich nun bewahrheitet hätten. Die Gesellschafter der kommunalen Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT), die hinter der echt Echt-Bodensee-Card steht, wollen sich am Dienstag in einer Krisensitzung mit dem Aus der Geios AG und den Folgen für das bereits aus Datenschutz- und Finanzierungsgründen umstrittene Projekt befassen. Hinter DBT stehen wiederum die Landkreise Bodenseekreis, Lindau und Sigmaringen sowie die Kommunen Stockach und Bodman-Ludwigshafen.

700 000 Euro Steuergeld

In der Sitzung dürfte auch über ein weiteres Thema gesprochen werden: Bis zu 700 000 Euro sind laut Medienberichten bereits von der DBT an die Geios AG geflossen. Was aus dieses Steuergeldern wird, steht derzeit in den Sternen. Und das gilt nicht nur für die EBC, sondern auch für zwei weitere von Geios betriebene Karten – die Hochschwarzwald-Card und die Saarland-Card – sowie weitere Projekte der Firma.

Laut Geios-Chef Feustel soll das Aus seines Unternehmens nichts mit der Datenschutz- und Finanzierungsdebatte rund um die EBC zu tun haben. Er sagte, die Insolvenz des Unternehmens habe andere Gründe, über die er nicht sprechen könne. Nun hofft Feuste darauf, dass das Unternehmen mit ihm und einem weiteren Gründer sowie elf festangestellten Mitarbeitern gerettet werden könne. Bereits im Vorfeld der Insolvenz habe man allerdings den Abbau einer Stelle eingeleitet. Über sich selbst sagte Feustel, dass er das Projekt EBC durchaus weiterverfolgen würde: „Ich würde gerne an Bord bleiben.“

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Wie viele Jahre heißt es nun schon, dass die Region gemeinsam vermarktet werden soll? Und immer wieder wenn es versucht wird, die gesamte Region für Touristen als Einheit zusammenzufügen, sieht irgendwer seine Pfründe in Gefahr und setzt alle Hebel in Bewegung Schaden von sich abzuwenden ohne zu beachten, welchen Schaden er allen anderen zufügt.
Für mich bedeutet das, dass es dem Tourismus in der Region so gut geht, dass ein interkommunales Zusammenarbeiten nicht erforderlich ist. mehr

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