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Infrastruktur und Gewerbe als erste Schwerpunkte

Dominik Birkenmaier erarbeitet Entwicklungskonzept für Altshausen – Ergebnisse sollen im September vorliegen

Dominik Birkenmaier, Geographiestudent aus Ingenhart, erstellt für die Gemeinde Altshausen ein Ortsentwicklungskonzept.
Dominik Birkenmaier, Geographiestudent aus Ingenhart, erstellt für die Gemeinde Altshausen ein Ortsentwicklungskonzept.
Christoph Klawitter

Altshausen sz Die Gemeinde Altshausen soll ein Ortsentwicklungskonzept bekommen. Dominik Birkenmaier, der in Tübingen Geographie studiert, hat ein Jahr lang Zeit, um eine Art Leitfaden zu erarbeiten. In einem ersten Schritt ermittelte er über einen Fragebogen, welche Themenschwerpunkte aus Sicht der Gemeinderäte gesetzt werden sollten. Die Ergebnisse, aber auch weitere geplante Schritte, stellte er in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend vor.

Für den Fragebogen hatte Birkenmaier Themenfelder zusammengefasst und in Unterpunkte untergliedert. Auf einer Skala mit sechs Abschnitten konnten die Gemeinderäte ankreuzen, wie wichtig oder unwichtig ihnen ein Thema ist. Als ein gewünschter Schwerpunkt kristallisierte sich das Themenfeld „Verkehr und Infrastruktur“ heraus. „Was man auf jeden Fall angehen muss, ist der öffentliche Personennahverkehr“, sagte Birkenmaier.

Bahn könnte attraktiver sein

Um die Schwierigkeiten anzupacken, die sich insbesondere in ländlichen Regionen ergeben, sei es notwendig, die Machbarkeit alternativer Verkehrskonzepte wie Carsharing-Konzepte zu prüfen. Doch auch die Bahnlinie in Richtung Pfullendorf zähle hinzu. „Altshausen ist eigentlich gut ans Schienennetz angeschlossen. Man muss sich überlegen, ob man dieses Potential in Zukunft stärker nutzen will“, sagte er. Auch mit Blick auf den Hochschulstandort Ravensburg/Weingarten sei es eine Überlegung wert, den Schienenverkehr aufzuwerten. Frank Binder (CDU) wandte ein, dass auch das Thema Schülerverkehr Beachtung finden sollte. „Das sollten wir als A-Thema behandeln“, sagte er.

Eindeutig ist das Stimmungsbild auch, was den Bereich „Bauen und Wirtschaft“ betrifft. „Das halten alle prinzipiell für wichtig“, sagte Birkenmaier. Vor allem, was die Bedarfsermittlung für Gewerbeflächen betrifft, sehe er einen klaren Auftrag. Doch zuerst müsse in einer Potentialanalyse untersucht werden, welche Flächen dafür überhaupt infrage kommen. Der Fokus solle aber auch auf Einzelhandel und Gastronomie gerichtet werden. „Die Gastronomie geht sukzessive zurück“, sagte Frank Binder. Für die Gemeinde sei das schlecht. Birkenmaier entgegnete, dass es möglich sei, auszuloten, wo mittelfristig weitere Lücken entstehen oder ob manche Wirte bereits ihre Nachfolge geregelt haben.

Probleme der Vereine anhören

In der Rubrik „Gesellschaft, Kultur und Soziales“ sehen die Gemeinderäte vor allem aufgrund des demographischen Wandels Handlungsbedarf. Doch auch die Vereinsstruktur will sich Birkenmaier genauer anschauen. „Vereine sind in der Regel ein direktes Spiegelbild der Gesellschaft“, sagte er. Deswegen solle man wissen, wo die Probleme liegen.

Ein sehr geteiltes Bild gebe es im Bereich „Natur- und Landschaftsschutz“, sagte Birkenmaier. „In Altshausen gibt es keinen Landschaftspflegeplan, in dem festgelegt ist, wer welche Flächen pflegt.“ Solch einen Plan im Rahmen des Ortsentwicklungskonzepts zu erarbeiten, sei aber nicht möglich. Vielmehr müssten sich daran auch Experten und Naturschutzverbände beteiligen. „Deshalb würde dieses Thema wahrscheinlich eher am Schluss drankommen“, sagte er.

Tourismus als Chance

Ein bislang unterschätztes Thema ist Birkenmaiers Ansicht nach der Tourismus in der Region. „Bisher ist das kein Schwerpunkt, generell ist es aber ein wichtiges Thema“, sagte er. Oberschwaben liege touristisch noch recht unerschlossen zwischen Bodensee und Alb-Donau. „Man kann sich Gedanken darüber machen, ob man gerne stärker in den Tourismus einsteigt“, sagte Birkenmaier.

Auf dem Fragebogen hatten die Gemeinderäte auch die Möglichkeit, Themen und Ideen zu notieren. Ein Schwerpunkt war dabei Jugendarbeit, Angebote und ein Treffpunkt für Jugendliche. Es wurde der Vorschlag gemacht, dieses Thema gezielt mit einer Veranstaltung gemeinsam mit Jugendlichen anzugehen. „Auch ein Café als Treffpunkt für Bürger wird immer angesprochen“, sagte Birkenmaier. Das gebe es bisher noch nicht in Altshausen. Eine weitere Anregung war, Bildungsangebote wie Kindergärten und Schulen genauer in den Blick zu nehmen.

So geht es weiter:

Dominik Birkenmaier hat in der Sitzung auch erläutert, wie er weiter vorgehen wird. Um das Ortsentwicklungskonzept zu erarbeiten, will er zuerst Daten sammeln. Bereits in dieser ersten Phase will er mit einem Bürgerforum eine zentrale öffentliche Veranstaltung anbieten. Anfang Dezember soll es soweit sein. „Damit will ich möglichst alle Bürger von Altshausen erreichen“, sagte er. Bei dem Bürgerforum werde er präsentieren, wie das Ortsentwicklungskonzept entstehen soll. Außerdem hat er vor, mit Gemeinderäten Podiumsdiskussionen zu organisieren. Dazu könnten auch Interessenvertreter, etwa von Naturschutzbünden, eingeladen werden. „Der direkte Bürgerdialog ist wichtig, damit die Bürger von Anfang an eingebunden sind“, sagte er.

Im Juni und Juli beginne dann die „heiße Phase“, in denen er verschiedene Workshops stattfinden sollen. „Mein Ziel ist es, dass wir dann in kleinen Gruppen interaktiv mit den Bürgern zusammenarbeiten“, sagte er. Dabei soll immer ein bestimmtes Thema im Vordergrund stehen, sodass jeder die Workshops besuchen kann, die seinem persönlichen Interesse entsprechen. Die Bürger sollen dabei auch ihre eigenen Ideen einbringen können. „Es soll eine Mischung aus Information und Do-It-Yourself-Modus (englisch für „mach’ es selbst“) sein“, sagte Birkenmaier. Auch in dieser Phase sollen Fragebögen zum Einsatz kommen, „damit harte Fakten herauskommen“, sagte er.

Im Juli und August will er die Ergebnisse aus Veranstaltungen, Interviews und Workshops zusammenfassen und bündeln. „Spätestens im September werde ich sie dem Gemeinderat vorlegen“, sagte er. Noch offen ist die Frage der Bezahlung. Einschließlich benötigter Materialien kostet die Ausarbeitung des Ortsentwicklungskonzepts seinen Angaben zufolge 16 000 bis 18 000 Euro. Ein entsprechender Vertrag mit der Gemeinde muss aber zuerst noch abgeschlossen werden.

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