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In Achberg ist die Sau los

Jäger Anton Manz hat mit einer Wildschweinplage zu kämpfen

Achberg sz Die stark ansteigende Zahl von Wildschweinen bereitet Jägern wie Anton Manz aus Achberg zunehmend Schwierigkeiten. Auf der Suche nach Nahrung pflügen sie Wiesen um und hinterlassen große Schäden in den Maisfeldern. Die Tiere leben wie im Schlaraffenland.

„Die Lebensbedingungen für die Schweine haben sich enorm verbessert“, sagt Manz. Der Jäger sitzt auf seinem Hochsitz und überwacht sein Gebiet. Gute Nahrungsangebote, wie Mais im Sommer oder sehr viele Eicheln und Bucheckern im Winter, seien der Grund für die ansteigende Population. Wegen der guten Fütterung würden die Tiere mehr Jungen werfen. „Vor drei Wochen habe ich sieben Bachen mit 25 Frischlingen gesehen“, erzählt Manz. Bachen, das seien die Muttertiere, erklärt der Jäger. Frischlinge sind neu geborene Schweine.

Erst im März seien die Frischlinge zur Welt gekommen. Deswegen schießt Manz von Februar bis Mitte Juni nicht auf die ausgewachsenen Schweine. Zu groß sei die Gefahr, dass er eine Bache trifft und ihre Frischlinge verhungern. „Die Tiere befinden sich in der Schonzeit“, sagt Manz. Frischlinge und sogenannte Überläufer, Schweine im zweiten Lebensjahr, schießt er aber das ganzen Jahr.

Die rapide ansteigende Zahl der Borstentiere ist für die Landwirtschaft ein großes Problem. Die Tiere verwüsten die Felder der Bauern auf verschiedene Weise. „Im Frühjahr wühlen sie die Felder und Wiesen um“, sagt Manz.

Im Hochsommer, wenn der Mais in die Milchreife kommt, gehen die Tiere dann gezielt auf die Felder. Hier würden sie die Stängel der Pflanzen umbrechen und die Kolben fressen. „Die legen mitunter ein ganzes Feld flach“, sagt Manz. Wenn die Schweine in seinem Gebiet ein Feld verwüsten, muss Manz zum Teil für die Schäden mit aufkommen. Deshalb versuche er, durch einen Elektrozaun die Schweine von den Feldern fernzuhalten. Nur koste das eben auch wieder Geld und Arbeitszeit.

Die Population zu reduzieren ist nicht leicht

Überhaupt fällt es Manz nicht leicht, die Population der Borstentiere in seinem Gebiet zu reduzieren. „Die Schweine kommen erst bei Dämmerung raus und sind sehr scheu und schnell“, sagt er. Er brauche gutes Licht für die Jagd, am besten würden sich Nächte bei Vollmond eignen. Der sei aber manchmal verdeckt, von Wolken bei schlechtem Wetter. Manchmal warte er mehrere Tage. Nur jeder zehnte bis fünfzehnte Ansatz sei ein Treffer. „Die Jagd ist wirklich nicht leicht“, sagt Manz. Ein weiteres Problem seien Fußgänger mit Hunden und Jogger. Manchmal begegne ihm nachts sogar jemand mit Stirnlampe. „Das stört die Tiere enorm“, sagt Manz. Auch mit Mountainbikern habe der Jäger so seine Probleme. Die würden häufig abseits von den ausgeschilderten Wegen fahren. Er würde die Leute dann darauf ansprechen, ob sie wüssten, dass sie die Tiere und die Jagd immens stören. Nicht selten bekomme er unfreundliche Antworten.

In diesem Jagdjahr hat Manz erst einen männlichen Überläufer geschossen. 43 Kilogramm war er schwer. Manz schlachtet und zerteilt das Tier selbst. Dann verkauft er es an die umliegenden Wirtschaften. Auch dabei muss er verschiedene Auflagen beachten. „Der Wirtschaftskontrolldienst überprüft regelmäßig das Fleisch“, sagt Manz. Es dürfte zum Beispiel keinen höheren Wert als 600 Becquerel pro Kilogramm aufweisen. Die Schweine in den Wäldern sind noch von Tschernobyl radioaktiv verseucht. Im letzten Jahr konnte er vier Schweine nicht verkaufen, weil sie einen zu hohen Wert aufwiesen.

Jeden Abend geht Manz hinaus in sein Revier. Er kontrolliert dann, ob die Schweine Schäden in den Feldern hinterlassen haben. Danach setzt er sich in seinen Hochsitz und wartet auf die Dämmerung. Wartet bis die Schweine aus dem Wald kommen.

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