13
Schwäbische.de Schwäbische.de
Wolkig 4
Gammertingen
Lokales

Hubschrauberflüge empören Windparkgegner

Doch die angeblichen Versuche, in Kettenacker den Rotmilan zu vertreiben, sind ein unglückliches Zusammentreffen
Ein Hubschrauber senkt sich bei Kettenacker tief in den Wald. Die Absicht ist zunächst unklar.
Ein Hubschrauber senkt sich bei Kettenacker tief in den Wald. Die Absicht ist zunächst unklar.
Verein für Mensch und Natur

Kettenacker sz Beim Kettenacker Verein für Mensch und Natur haben am Donnerstagvormittag die Alarmglocken geschrillt. Windparkgegner hatten beobachtet, wie ein Hubschrauber tief über den Wald geflogen ist, in dem der Energieversorger EnBW mit Partnern einen Windpark bauen möchte. Sie nahmen an, dass der Hubschrauber da war, um den geschützten Rotmilan zu vertreiben oder gar um seine bereits bestehenden Nester zu zerstören. Brütende Milane könnten den Bau des Windparks verhindern. Die „Schwäbische Zeitung“ ist der Sache nachgegangen, konnte aber keine Belege für die Verdächtigungen der Windparkgegner in Erfahrung bringen. Viel eher war es wohl ein unglückliches Zusammentreffen.

„Fassungslos mussten die Bürger feststellen, dass der Hubschrauber immer wieder zwischen den Bäumen eintauchte und dann rotierend stehen blieb“, schreibt der Verein der Windparkgegner in einer Mitteilung an die Presse. Eine Person der Besatzung soll auf einer Kufe außerhalb des Hubschraubers gestanden und sich an Baumkronen zu schaffen gemacht haben. „Bekannt ist, dass durch solche Maßnahmen Greifvogelhorste zerstört werden können“, so der böse Verdacht. Die Empörung war besonders groß, weil weiter beobachtet wurde, dass etwa eine Stunde später die Kartierer der EnBW eingetroffen sind. „Fraglich ist, ob sie an diesem Tag überhaupt noch einen Vogel gesehen haben“, so die Pressemitteilung weiter. Ein Hubschrauber vertreibe in der sensiblen Zeit des Horstbaus jeden Vogel.

Der Verein hatte im Herbst bewirkt, dass die EnBW Nachuntersuchungen machen muss, weil bei ersten Kartierungen ein Rotmilanhorst angeblich übersehen worden ist. Diese Untersuchungen haben mit dem Eintreffen des Rotmilans begonnen und werden zweigleisig geführt. Sowohl die EnBW als auch die Windparkgegner haben eigene Fachleute beauftragt, dem Vogel nachzuspüren. Die Untersuchungen sollen bis August laufen, also bis zum Ende der Brutzeit.

Die Windparkgegner gingen nach ihren Beobachtungen sofort zur Gammertinger Polizei, um Anzeige zu erstatten. Diese ging der Sache nach und fand heraus, dass die Besatzung des Hubschraubers angeblich im Auftrag der Uni Hohenheim Nadelproben von Bäumen genommen hat. Jetzt klingelten erneut die Alarmglocken bei den Windparkgegnern: Die EnBW und die Uni Hohenheim würden doch bei Projekten für erneuerbare Energien eng zusammenarbeiten, hieß es.

Amt des Landes ist Auftraggeber

Bei der EnBW weiß man jedoch nichts von einem Hubschrauberflug. Pressesprecher Ulrich Stark bezeichnet die Verdächtigungen der Windparkgegner als „absurd und skurril“. Der Pressesprecher der Polizei, Thomas Straub, hingegen kann bei der Aufklärung des Rätsels helfen: Für den Hubschrauber sei im Vorfeld eine Erlaubnis zum Tieferfliegen eingeholt worden und er sei im Auftrag der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Abteilung Boden und Umwelt in Freiburg, unterwegs gewesen.

Auf Anfrage der SZ in Freiburg teilte der wissenschaftliche Mitarbeiter Roland Hoch mit, dass der Flug und die Kartierungsarbeiten ein „unglückliches Zusammentreffen“ gewesen seien, das rein zufällig geschehen sei. „Wir haben nicht gewusst, dass da Zählungen stattfinden“, versicherte er.

Roland Hoch erklärte: „Diese Erhebungen werden regelmäßig für den Waldzustandsbericht gemacht, der auch veröffentlicht wird.“ Über Baden-Württemberg werde dafür ein Raster von acht mal acht Kilometer gelegt und alle fünf Jahre an den entsprechenden Eckpunkten Proben genommen. Einer dieser Punkte sei der Wald südlich von Kettenacker. Allerdings habe es hier in den vergangenen Jahren keine Untersuchungen gegeben, weil der Baumbestand zu jung war. Künftig werden aber auch hier regelmäßig Proben genommen. Früher seien Bäume zu Untersuchungszwecken gefällt worden, heute nehme man den Hubschrauber, weil dies effizienter und günstiger sei.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (13)
13
Beitrag melden

@12: Die Leistung des/der Piloten/Pilotin verdient Respekt. Hier waren wirkliche Könner am Werk!

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
12
Beitrag melden

...flap,flap,flap ......Husch,husch ....gssschhhh ...Weg, blöder Vogel , bau dein Nest woanders ! .....ha,ha . Was für ein " Auftrag" ....Dennoch , mein tiefster Respekt vor dem Hubschrauberpiloten , oder der Pilotin .
Ich würde mich nicht einmal getrauen , mit meinem Modellhubschrauber so nah an unseren Haselnussstrauch zu fliegen , wie der Pilot an die Baumspitzen . Alle Achtung . mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
11
Beitrag melden

Teile der Grünen haben mit der Regierungsübernahme in BW gezeigt das Sie mit Umwelt nichts am Hut zu tun haben. Vor der Wahl hat man WKA mit allen Mitteln verhindern wollen, selbst wenn Sie nur am Rande eines Schutzgebietes geplant waren und entsprechende Gesetze angeregt und durchgesetzt und nach der Wahl Wende um 180 Grad und WKA überall genehmigen wollen, selbst mitten in Naturschutzgebieten selbst wenn hektarweise Wald daran glauben müsste. Und man beklagt das Behörden solche Planungen verhindern, dank der Vorschriften die die Grünen seinerzeit durchsetzten.
Aber das die Partei Die Grünen vor der letzten Landtagswahl eine sechstellige Spende von Windkraftanlagenbetreibern bekommen hat war ja eine Randnotiz in der Presse. Hätte man auch tiefer nachbohren können was da läuft. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
10
Beitrag melden

Nee, dies wird kein Nachspiel haben . Dass war bereits das Vorspiel , das Vorspiel zum Bau einer großartigen , ökologischen Stromerzeugungsanlage . Schon lustig, wie sich hier GRÜN ( Rotmilan) und GRÜN ( Windstrom) gegenseitig in die Quere kommen . Als Kind , lang ist´s her , hat mich eine Darstellung besonders beeindruckt , auf welcher ein verhältnismäßig kleines Quadrat in der Wüste Sahara zu sehen war . Darunter Stand : Würde diese Fläche vollständig mit Photovoltaikmodulen belegt sein , so könnte damit der gesamte Weltenergiebedarf gedeckt werden .

Seit dieser Zeit hat sich der PV-Wirkungsgrad nahezu verdoppelt . Es wäre doch naheliegend , dass Europa zusammen mit Afrika in den dortigen Ländern gigantische PV-Anlagen errichtet , und klimaneutralen Strom sowie Energieträger ( Wasserstoff,Methan , syntetisches Benzin , usw ) produziert .
HGÜ - Leitungen könnten die Energie gen Europa portieren . Die " Landschaft " in Europa würde nicht durch WEA " verschandelt" . mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
9
Beitrag melden

Sollte der Hubschraubereinsatz ein Nachspiel haben, wird die Schwäbische Zeitung hoffentlich darüber berichten. Eigentlich müsste der Gammertinger Bürgermeister in der kommenden Woche eine Stellungnahme abgeben, das sich der Vorfall in seinem Zuständigkeitsbereich abgespielt hat. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
8
Beitrag melden

Selbst als Modellflieger ist es STRENGSTENS verboten während der Brutzeit über bewaldete Landschaften zu fliegen. Verstehe nicht warum das ein Helikopter Pilot nicht mit auf den Weg bekommen hat in seiner Ausbildung. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
7
Beitrag melden

Es ist schlichtweg Skandalös wie mündige Bürger von den Grünen und der Windkraftlobby auch (Kommunal) verarscht werden.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
6
Beitrag melden

Werden Waldbesitzer nicht über solche Erhebungen informiert?

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
5
Beitrag melden

Hubschrauberflüge empören Windparkgegner, so die Überschrift des Artikels!
Wie viel Hubschrauberflüge haben am Donnerstag über dem Waldgebiet stattgefunden und wie lange hat der Einsatz gedauert? mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
4
Beitrag melden

Wo bleiben die sonst allgegenwertigen Herren vom NABU ? .
Habe mitbekommen dass mit Hilfe der Grünen diese Einrichtung von der Windkraftlobby unterwandert wurde und dies somit ein Freifahrtschein für die Windmühlenbetreiber bedeutet. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Hubschrauberfluege-empoeren-Windparkgegner-_arid,10633734_toid,615.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.