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Lokales

Häussler möchte Lebensqualität verkaufen

Mit den Produkten rund ums Backen soll der Kunde die Freude am Selbstgemachten erleben
  • Kundenbetreuung im Häussler-Backdorf: Kundenberaterin Margret Spieß stellt hier den Häussler-Holzbackofen für den Außenbereich vor.
    Michaela Kegel
  • Endkontrolle bei der Teigknetmaschinenmontag – Die Firma Häussler produziert Teigknetmaschinen für den Haushalt, aber auch für das Bäckerhandwerk – von 3 bis 200 Kilogramm Fassungsvermögen.
    Michaela Kegel

Heiligkreuztal sz Die „Sieben Schwaben“ zieren – wie alle Türen der Holzbacköfen – auch das Tor zum Backdorf in Heiligkreuztal. Jährlich kommen rund 32000 Besucher aus aller Welt hierher und 6500 Besucher erweitern jährlich ihre Kenntnisse rund ums Backen. Die Familie Häußler lädt auch übers Jahr zu attraktiven Veranstaltungen ein – etwa zum Brotfest, zu den Holzofen- und Steinofentagen und zum Adventsmarkt.

Freude am Selbermachen

Mit diesen Veranstaltungen möchten Häußlers den Leuten durch Backvorführungen die Freude am Selbstgemachten vermitteln. „So wird Natur köstlich“, lautet der Slogan des Familienunternehmens, in dem heute die Eltern Karl-Heinz und Adelinde Häußler sowie Sohn Richard Häußler, Tochter Rosemarie Häußler-Mayer und Schwiegersohn Roland Mayer arbeiten.

„Wir verkaufen Lebensqualität“, bringt Karl-Heinz Häußler seine Firmenphilosophie auf den Punkt. Diese Lebensqualität ist etwa bei einer Gartenparty mit Gästen zu spüren, wenn man bei einem Glas Wein beim Backen von Brot oder Pizza miteinander ins Gespräch kommt. Die Familie Häußler versteht dies als Kontrastprogramm zu unserer heutigen schnelllebigen Zeit. Im Mittelpunkt steht das selbstgebackene Brot, das nicht nur köstlich schmeckt, sondern auch eine andere Sichtweise gibt: Die Achtung und Wertschätzung der Nahrungsmittel. Im Jahr 2000 errichtete die Firma Häussler eine neue Produktionshalle mit 4600 Quadratmetern Fläche, 2004 konnte das Ausstellungszentrum und im Jahr 2006 das Häussler-Backdorf eingeweiht werden. „Wir bleiben in Heiligkreuztal und wollen unseren Kunden hier etwas bieten“, erklärt Rosemarie Häußler-Mayer die Gedanken, die zur damaligen Entscheidung geführt hatten.

Und das Konzept ist gelungen: In den Katalogen findet man nicht nur alle Häussler-Produkte – nämlich Holzbacköfen, Elektrosteinbacköfen, Getreidemühlen, Teigknetmaschinen, Nudelmaschinen und Räucherschränke – sondern auch Back- und Küchenzubehör in Profiqualität sowie Koch- und Backbücher und Spezialitäten zum Genießen. Wichtig ist der Familie dabei der persönliche Charakter: Familienfotos und Rezepte sorgen dafür, dass man den Katalog gerne zur Hand nimmt oder sogar einen Urlaub in Oberschwaben mit einem Besuch im Backdorf verbindet. Anregungen für Ausflugsziele und Übernachtungsmöglichkeiten werden gleich mitgeliefert.

Zum Kundenkreis gehören Privatleute aber auch innovative Bäcker sowie Kommunen, Kirchengemeinden, Altenheime, Hoteliers und Gaststätten. Sogar Kunden aus Australien, Südafrika, Indien, Japan und Kuwait waren schon in Heiligkreuztal, um bei Häusslers das Brotbacken zu lernen. Auch im Rahmen von Verbraucher- und Fachmessen werden die Öfen und Maschinen im Einsatz gezeigt und man kommt mit den Kunden ins Gespräch. „Wir haben dabei ständig das Ohr am Markt und schauen was die Leute brauchen“, so Rosemarie Häußler-Mayer. 70 Prozent der Kunden kommen aus dem Privatkundenbereich – häufig beginnt die Leidenschaft mit dem Kauf eines Brotbackofens und später folgen dann Teigknetmaschine, Getreidemühle und Nudelmaschine.

Heirat im Jahre 1969

Dass immer mehr Menschen an Allergien leiden und oft die Zusatzstoffe der Industrieware nicht vertragen werden, ist einer der vielen Gründe, die für das selbstgebackene Brot sprechen. Einmal sei ein Arzt aus München gekommen, der gleich einen Ofen samt Getreidemühle und Knetmaschine gekauft habe, um mit seinen Enkeln Zuhause Brot backen zu können. Daran erinnert sich Adelinde Häußler, die eigentlich den Ausschlag für die Entstehung des Betriebszweiges „Backofenbau“ gab.

1969 heiratete sie Karl-Heinz Häußler, der im elterlichen Landmaschinenfachbetrieb arbeitete. Als Dorfschmiede hatte der Schmiedemeister Karl Häußler diesen Betrieb 1949 gegründet. Adelinde Häußler war es von der elterlichen Landwirtschaft gewohnt, dass das Brot selbst gebacken wurde. Weil in den siebziger Jahren Brotbacköfen für den Privathaushalt auf dem Markt nicht erhältlich waren, baute Ehemann Karl-Heinz den ersten für seine Frau und wenn Bekannte kamen, wollten alle mehr über das Brotbacken erfahren.

Die ersten Interessentinnen waren die Landfrauen sowie Schulkameradinnen von Adelinde Häußler aus der Landwirtschaftsschule, später wurden Volkshochschulkurse bei Häußlers abgehalten. Weil das Teigkneten eine schwere Arbeit ist, entwickelte Häußler bald die erste Teigknetmaschine. „In den achtziger Jahren kam die Biowelle mit dem Vollkornbrot und parallel der Nudelskandal“, erinnert er sich. Er erkannte die Nachfrage nach Nudelmaschinen und Getreidemühlen und brachte diese auf den Markt. Ende der achtziger Jahre wurden die ersten größeren Öfen für Bäckereien gebaut und seit 1999 gibt es den pelletsbefeuerten und vollautomatisch programmierbaren Holzbackofen für Bäcker, in dem 120 Holzofenbrote auf einmal gebacken werden können.

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