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Gleich zweimal wurde Hochzeit gefeiert

Anja und Jack Camara: Zwei verschiedene Kulturen und das Glück des Zusammenseins
Zwei Kulturen, eine Familie: Anja und Jack Camara fühlen sich mit ihren Kindern wohl in Pfullendorf.
Zwei Kulturen, eine Familie: Anja und Jack Camara fühlen sich mit ihren Kindern wohl in Pfullendorf.
Mandy Streich

Pfullendorf sz Eine Ehe und zwei verschiedene Kulturen – für die Camaras ist das ganz normaler Alltag. Anja und Jack Camara sind seit acht Jahren miteinander verheiratet und haben außerdem auch drei Söhne miteinander. Das Besondere an ihrer Ehe sind die beiden unterschiedlichen Kulturen: Jack Camara kommt aus Gambia und ist Moslem – Anja Camara kommt aus Pfullendorf und ist Christin. Ihre Hochzeit haben sie aus Respekt vor den verschiedenen Religionen einfach doppelt gefeiert.

Angefangen hat alles vor etwas mehr als acht Jahren in einer Disko in Ravensburg, in der sich die beiden beim Feiern kennen gelernt haben. Am Anfang war die Kommunikation noch etwas schwierig, da Jack nur wenig Deutsch konnte. Inzwischen beherrscht er die deutsche Sprache fließend und fühlt sich in Pfullendorf auch gut integriert. Er war damals als Asylbewerber nach Deutschland gekommen und hatte keine Papiere. Inzwischen hat er drei Söhne, ist verheiratet und arbeitet als Küchenhilfe im Krankenhaus. „Eigentlich ist alles wie in einer ganz normalen Beziehung, nur dass es am Anfang schwieriger war mit der Sprache und den Papieren für die Hochzeit“, sagt Anja Camara. Ihr war schnell klar gewesen, dass sie heiraten werden und ergriff damals die Initiative. „Trotzdem hat Jack damals noch in gebrochenem Deutsch meinen Vater gefragt, ob er mich heiraten darf. Und er war echt total tolerant und hat gemeint, dass es schließlich meine Entscheidung sei“, sagt Anja Camara. Ihre Ehe haben sie dann einmal auf muslimische Art und einmal in der Kirche gefeiert.

Beide Kulturen werden gepflegt

Bereits zwei Mal war die Familie mit den Kindern in Gambia bei Jack´s Familie. „Es wäre natürlich schön, wenn wir öfters reisen könnten, aber die Flüge sind wirklich teuer“, sagt die gelernte Hotelfachfrau mit Jack’s Zustimmung. Auf jeden Fall sei es wichtig die beiden Kulturen zu pflegen und sich Zeit für die Familie zu nehmen, darin sind sich beide einig. „Man muss eben zwei Kulturen pflegen, ich möchte nicht, dass er seine Kultur vernachlässigt.“

Ein anderes Bild von Afrika

Auch in der Schule der Kinder wurden bereits Afrikatage angeboten, die die Familie mit Musikinstrumenten, afrikanischem Essen und Kleidung unterstützten. „Wir wollten etwas machen, damit die Kinder Afrika nicht nur auf der Landkarte und aus der Werbung kennen, sondern auch ein anderes Bild davon haben“, sagt Jack Camara.

Natürlich gebe es öfters Vorurteile, jedoch sei Pfullendorf durch die verschiedenen Kulturen so vielfältig geworden: „Wir finden das Programm ‚Pfullendorf ist bunt’ der SZ gut, wenn man den Leuten zeigt, was andere Kulturen zu bieten haben“, sagt Anja Camara.

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