Schwäbische.de Schwäbische.de
Schneefall 1
Altshausen
Lokales

Geschichtsverein wird 40 Jahre alt

Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege Altshausen wollte anfangs ein Gegengewicht zur Gemeinde sein

Die Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege Altshausen hat die bisher älteste Ansicht Altshausens ausfindig gemacht. Sie stammt aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg und wurde etwa um 1600 angefertigt.
Die Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege Altshausen hat die bisher älteste Ansicht Altshausens ausfindig gemacht. Sie stammt aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg und wurde etwa um 1600 angefertigt.
Archiv Geschichtsverein

Altshausen sz Die Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege Altshausen feiert ihr 40-jähriges Bestehen am kommenden Samstag, 18. November, mit einem Festakt im katholischen Gemeindehaus. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Als der Verein im November 1977 gegründet wurde, verstand er sich als Gegengewicht zur Gemeindeverwaltung und den Entscheidungen des Gemeinderats. Denn damals gab es konkrete Pläne, die Annakapelle an der Ebersbacher Straße und die Kreuzkapelle am südlichen Ortsrand abzureißen, um Platz für den Straßenbau zu machen. „Da waren wir dagegen“, sagt Gründungsmitglied Elmar Hugger. Die Gründungsversammlung der Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege fand im November 1977 im Haus der Familie Ebner in der Bismarckstraße 17 statt. „Hauptinitiator war der Arzt Walter Ebner“, sagt er. Auch Carl Herzog von Württemberg und Maria Kloos seien dabei gewesen. „Maria Kloos ist seit der Gründung Kassiererin des Vereins“, sagt Hugger, der Schriftführer ist und viele Jahre stellvertretender Vorsitzender war.

Der Verein bemüht sich laut seiner Satzung darum, die Geschichte Altshausens zu erforschen. Schwerpunkte bilden dabei der Deutsche Orden, die Grafen von Altshausen und Hermann der Lahme. Schon bald begannen die Mitglieder, ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen. Schon 1978, ein Jahr nach der Gründung, gab der Verein erstmals die „Blätter der Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege“ heraus. Die Blätter, die meist eine gefaltete DIN-A3-Seite umfassten, waren anfangs dem Altshauser Verbandsanzeiger beigelegt und erreichten so die Haushalte im gesamten Verwaltungsverband. Mit der Zeit überstiegen die Kosten die Möglichkeiten des Vereins, sodass die Blätter nur noch an Mitglieder verteilt wurden.

Alte Ansichten von Altshausen

2004 erschien die erste Ausgabe der Altshauser Hefte. Sie erscheinen einmal im Jahr und umfassen in der Regel mindestens 100 Seiten. Sowohl in den Blättern als auch in den Heften ist die Gesellschaft bemüht gewesen, auch über Orte aus der Umgebung zu berichten, insbesondere aus dem Gemeindeverwaltungsverband Altshausen. Zu den Leistungen des Vereins gehört auch, dass die Mitglieder viele Bilder ausfindig gemacht haben, die Altshausen zeigen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Bilder aus Ordenskalendern, um Gemälde, Fotos und Ansichten, die bisher nicht bekannt waren. Außerdem organisierte die Gesellschaft zahlreiche Vorträge, die sich insbesondere mit der Geschichte Altshausens, aber auch mit der Natur befassen.

Der Geschichtsverein vermittelt die Ergebnisse seiner Forschungen auch über Ausstellungen in den Räumen von Banken. Dabei präsentierte er beispielsweise alte und neue Ansichten von Altshausen, Bilder des Malers Gustav Bäuerle, der mehr als 100 Gemälde von Altshausen anfertigte, oder widmete sich dem Deutschen Orden. Außerdem organisierte die Gesellschaft Ausflugsfahrten zu Orten, die geschichtlich mit Altshausen verbunden sind.

Vergessene Persönlichkeiten

„Der Verein hat auch verschiedene Altshauser Persönlichkeiten ’ausgegraben’, die wenig bekannt sind“, sagt Elmar Hugger. Dazu zählen beispielsweise der Geschichtsforscher Paul Beck oder die Äbte Matthias und Johann Baptist Lang. Die beiden Brüder stammten aus Stuben und hinterließen in ihren Wirkungsstätten in Marienberg in Südtirol beziehungsweise in Ochsenhausen ihre Handschrift. Der Geschichtsverein hat auch Franz Benedikt Schlecht aus Ebersbach und Ferdinand Hund aus Altshausen ausfindig gemacht, die beide als Kunstschnitzer in Würzburg tätig waren, sowie Eduard Friedmann, einen Buchbinder und Poeten, „der wirklich lustige Gedichte verfasst hat“, sagt Hugger.

Auch für die Rettung des Heiligen Grabs und der Bitzenkapelle hat sich der Verein engagiert. Die Kapelle war in den 80er-Jahren eigentlich schon ziemlich verfallen, als die Gesellschaft begann, sie neu aufzubauen. „Dafür musste sogar ein Kredit aufgenommen werden“, sagt er. 2006 richtete die Gesellschaft ein Geschichts- und Heimatmuseum im ehemaligen Postamt in der Herzog-Albrecht-Allee ein, im Juni 2015 eröffnete sie die Historische Galerie in der Alten Post, die sie gemeinsam mit der Gemeinde und einem Fachbüro dort eingerichtet hatte. „Auch wenn sich der Verein zu einer schwierigen Zeit als Gegengewicht zur Gemeinde entwickelt hat, die Zusammenarbeit hat sich sagenhaft entwickelt“, sagt Hugger. Der Verein hat heute um die 350 Mitglieder.

Der Festakt anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege beginnt am Samstag, 18. November, um 19.30 Uhr. Der stellvertretende Vorsitzende Eberhard Fritz wird die Gäste begrüßen. Grußworte sprechen Bürgermeister Patrick Bauser und ein Vertreter der Kreisarchivs. Schriftführer Elmar Hugger gibt einen unterhaltsamen Rückblick auf die 40-jährige Arbeit des Geschichtsvereins und zeigt auch Fotos.

Den Festvortrag hält der Historiker Thomas Zotz, der als Professor viele Jahre an der Universität Freiburg Mittelalterliche Geschichte lehrte. Er spricht über die Grafen von Altshausen-Veringen. Er hielt bereits im Jahr 2013 anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums von Hermann dem Lahmen einen Vortrag in Altshausen. Zotz ist außerdem der Vorsitzende der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur, die ihren Sitz in Ravensburg hat.

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Geschichtsverein-wird-40-Jahre-alt-_arid,10769830_toid,520.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.